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SILBER BIG PICTURE: Stanzl vs. Oldenburger - wie sehen die zwei Experten den Markt?

CMC Markets

In diesem Big Picture zum SILBER möchten treten zwei Analysten "gegeneinander" an - Jochen Stanzl und Konstantin Oldenburger geben ihre Meinung zum SILBER zum Besten - aus einer fundamentalen und charttechnischen Sicht. Jochen Stanzl konzentriert sich bei der technischen Analyse auf 123-Muster, Konstantin Oldenburger auf die Elliottwellenanalyse. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen des aktuellen Silber Big Picture!

SILBER-Rally: So sieht Jochen Stanzl das Big Picture

Es liegt etwas im Argen mit unserem Geldsystem und der Art und Weise, in der wir wirtschaften. COVID-19 hat zu einem beispiellosen Geldmengenwachstum geführt, doch das Geld liegt in Reserven, während die Menschen Ersparnisse bilden, anstatt das Geld auszugeben. 

Das führte vor einer Woche zu der kuriosen Bitte des amerikanischen Münzamtes an die amerikanischen Verbraucher, ihre Dollar-Münzen doch bitte wieder in Umlauf zu bringen, da man sonst mit der Prägung neuer Münzen nicht nachkomme. Ähnliches geschieht im weitaus größeren Bild bei den Banken. Obwohl die Geldmenge rasant angewachsen ist und die US-Wirtschaft mit so viel Geld und Liquidität versorgt ist, wie nie zuvor, ist die Geldumlaufgeschwindigkeit auf den tiefsten Stand jemals gefallen.

Womit wir es also zu tun haben könnten ist eine Entwertung der Währungen - des Dollar, und in ähnlicher Form aller anderen Papiergeldwährungen. Denn wenn das Angebot wächst, die Nachfrage aber nicht gleichzeitig anzieht, dann sinkt der Wert eines Guts - wenn das auch für Papierwährungen wie Dollar, Euro oder das britische Pfund gilt dann könnten wir es gerade mit dem Beginn einer Abwertungsspirale zu tun haben.

Wer bezahlt die Schulden?

Am Ende muss die Schulden jemand bezahlen, die jetzt zur Stützung von Unternehmen und für Arbeitslosenunterstützung und Kurzarbeitergeld von den Staaten aufgenommen werden. Ein Mechanismus, über den das bewerkstelligt werden könnte, ist die Entwertung der eigenen Währung. Da jedes Land durch die Pandemie und die wirtschaftlichen Folgen daraus mit ungefähr den gleichen Problem zu kämpfen hat könnten wir in einem Wettrennen um die Abwertung der Währungen eingetreten sein, in dem sich die Regierungen weltweit versuchen gegenseitig zu überbieten. Das Land mit der höchsten Neuverschuldung hat die am stärksten sinkende Währung und damit die besten Chancen, die eigenen Produkte auf dem Weltmarkt zu verkaufen.

Ein Gegengewicht zu diesem Abwertungswettlauf stellen für viele Anleger Gold und Silber dar. Kein Wunder, dass angesichts eines beispiellosen Geldmengenwachstums in den USA von 24% und der Einführung von Nullzinsen durch die amerikanische Notenbank Gold auf ein neues Rekordhoch bei 1981,31 Dollar gestiegen ist. Gold dient seit jeher sicherheitsbewussten Anlegern als ein sicherer Hafen - ob er das auch in diesem Umfeld sein wird ist offen.

Denn die Nachfrage nach Gold ist spekulativ getrieben. Sie fußt auf der Erwartung weiter sinkender Realzinsen. Wenn man eine technische Untergrenze bei den Leitzinsen von Null zugrundelegt können die Realzinsen nur in dem Fall weiter sinken, wenn die Inflation anzieht - ansonsten würden die Realzinsen einfach dort bleiben, wo sie in den letzten drei, vier Wochen gewesen sind und der zwischenzeitliche Anstieg im Gold wäre fundamental nicht begründet.

Diese fundamentale Begründung leite ich aus der engen Beziehung der Entwicklung des Goldpreises mit der Entwicklung der Realzinsen ab. Sie zeigen eine inverse Korrelation: Sinken die Realzinsen, die sich aus der Differenz zwischen am Markt gehandelten Nominalzinsen und der Inflation ergeben, dann stieg der Goldpreis in der Vergangenheit tendenziell an - teilweise auch kräftig. Bei einer Seitwärtsbewegung der Realzinsen, die jene Zinsen sind, die ein Anleger abzüglich der Kaufkraftentwertung durch die Inflation vor Steuern erzielen kann, dann bewegte sich auch der Goldpreis tendenziell eher seitwärts. 

Wie viel Rückschlagpotenzial steckt im Silberpreis?

Wenn der spekulative Überbau im Goldpreis auf nicht eintretender Inflation basiert, was ist dann vom Silberpreisanstieg um 126% seit Mitte März zu halten? Historisch besitzt Silber einen Betafaktor auf den Goldpreis, er sinkt und steigt also schneller, als das gelbe Edelmetall. Das größte Risiko lässt sich im Vergleich zwischen Gold und Silber also bei dem Silber finden.

Auch bei der letzten Hausse bei den Edelmetallen waren am Ende die stärksten Rally-Phasen getrieben von der Entwicklung der spekulativen Nachfrage. Sie taucht plötzlich auf, war zuvor nicht vorhanden, schluckt dann aber große Mengen einer jährlichen Produktion, da physisch besicherte ETFs und andere börsennotierte Produkte Barren kaufen, um sie im Tresor zur Besicherung von Anlegergeldern wegzusperren. Das entzieht dem Markt real Angebot, das dann anderswo nicht mehr verfügbar ist. 

Das Gegenteil zur Entwertung des Papiergeldes tritt ein: Das Angebot verknappt sich und die Nachfrage zieht an, was durch Produktionsprobleme wegen der Pandemie bei den Silberminen noch bestärkt wird. Silber kann nicht beliebig vermehrt werden und das bildet einen natürlichen Gegenpol zur beliebig anmutenden Expansion der Geldmengen moderner Fiatwährungen.

Charttechnik: 123-Top ist im Silber aktiv

Technisch ist von einer großen Trendwende im Silber derzeit noch nichts in Sicht. Die preislichen Abstände von Rally-Start zu dem zentralen charttechnischen Widerstand alleine zeigen aber den hohen Betafaktor, den Silber gegenüber Gold aufweist. Betrachten wir den Preisverlauf des bei CMC Markets handelbaren Silber Cash CFD, so fällt ein zentraler Widerstand bei 29,16 Dollar pro Feinunze ins Auge. Dieser dort liegende Punkt 1 eines 123-Tops aus dem Jahr 2011 muss technisch betrachtet nachhaltig überwunden werden. Dies könnte man so interpretieren, dass die Top-Bildung von vor gut neun Jahren hinterfragt würde. Im Moment ist alles offen. Es könnte auch einfach nur eine Rally sein, die bei 29,16 Dollar in sich zusammenfallen wird. Dann wäre lediglich das Top bestätigt und Silber könnte erneut in einen Bärenmarkt zurückfallen. Die alles entscheidende Marke liegt also dort - gut 19% über dem aktuellen Kursgeschehen.

Quelle: CMC Markets, Silber Cash CFD, eine Kerze = 1 Monat

SILBER-Rally: So sieht Konstantin Oldenburger das Big Picture

Anders als Gold wird Silber meist stark in der Industrie nachgefragt. Die Nachfrage kommt hier meist aus der Elektronikindustrie. Silberhaltige elektronische Bauteile kommen u.a. in Autos, Computern Handys und Haushaltsgeräten zum Einsatz.In Rezession kommt es also regelmäßig zu Kurskorrekturen, da ein wichtiger Nachfragetreiber dann wegfällt. Die industrielle Nachfrage blieb im vergangen Jahr mit 510,9 Moz gegenüber 2018 nahezu unverändert. Obwohl der eskalierende Handelskrieg zwischen China und den USA die industrielle Nachfrage belastete, wurden die Verluste durch günstige strukturelle Veränderungen, wie die Elektrifizierung von Fahrzeugen und eine Erholung im Schlüsselbereich der Photovoltaik, weitgehend abgemildert. Ein weiterer Kurstreiber sind die Mittelzuflüsse von Silber-ETFs wie dem iShares Silver Trust. Im Jahresverlauf verzeichneten die Silber ETFs Rekordzuflüsse. Die ETF-Bestände haben im bisherigen Jahresverlauf um 39% auf ein Rekordhoch von 991 Mio. Unzen (30.823,5 t) zugelegt; während die Bestände der Gold-ETFs im selben Zeitraum um lediglich um 29% anstiegen.

Als der Silberpreis im März 2020 auf ein Tief bei 11,64 USD fiel, konnten dies wahrscheinlich auch die größten Verfechter des Silbers nicht glauben. Der „große Bruder“ Gold hielt sich doch tapfer und konnte sich in der Krise, als nahezu jede Anlageklasse abverkauft wurde, gut behaupten. Das Preisverhältnis zwischen Gold und Silber - das sogenannte Gold-Silber-Ratio stieg auf den höchsten Stand in der Geschichte.  Zeitweise benötigte man im März 2020 126,56 Unzen Silber, um eine Unze Gold zu kaufen. In den Monaten nach dem Höhepunkt und dem ersten Schockmoment der Pandemie hat sich dieser Sachverhalt entspannt. Das ihm zu getraute Nachholpotenzial hat Silber mit einer fulminanten Rally aufgeholt. Allein in den letzten 7 Tagen konnte das Metall knapp 30 % zulegen.  Das Gold-Silber-Ratio kam ebenfalls deutlich zurück. Als Anleger fragt, man sich natürlich wie so ein Anstieg in den Gesamtkontext passt und ob die Rally am Anfang oder am Ende ist.  Das Vertrauen in die Notenbanken ist nicht verloren, jedoch haben Teile der Investoren, durch die großen Geldschwemme, die die Notenbanken auf den Markt bringen, Angst vor einer Inflation. Das war bereits nach der Finanzkrise im Jahr 2009 der Fall. Dieses Szenario ist in den letzten Jahren jedoch fast vollständig aus den Köpfen der Anleger verschwunden. Überdurchschnittlicher Preisdruck kam für Erzeuger und Verbraucher nicht auf. Ob es diesmal durch die QE-Maßnahmen der Notenbanken anders kommt muss abgewartet werden. Die Rally bei Silber deutet jedoch darauf hin, dass die Erwartungen der Marktteilnehmer in diese Richtung gehen.

Silberpreis Chart

In der Vergnagenheit war es manchmal sinnvoll, sich nicht von der Euphorie anstecken zu lassen und die spekulativen Elemente einer Rally abzuwarten. Die beschleunigte Rallyphase ist bei Rohstoffen oft nicht in der Mitte des Trends sichtbar, sondern meist am Ende. In dieser Woche erreichte der Silberpreis den Widerstandsbereich bei $25,05-26,17 je Unze. Geht man im Silber vom Allzeithoch bei knapp $50 je Unze aus, muss man feststellen, dass der Silberpreis noch weit entfernt von einem neuen Bullenmarkt ist, welcher aber durch einen weiteren Anstieg und den Durchbruch über die $50 Marke beginnen könnte.

Szenario1:

Der aktuelle Anstieg ist Teil der Aufwärtskorrektur seit dem Tiefpunkt im Dezember 2015. Dabei kennzeichnet die Rally bis zum Julihoch 2016 den ersten Abschnitt (a), der mit dem „Coronatief“ den zweiten Abschnitt (b) abschließen konnte und die aktuelle Rally im Widerstand bei $26,17 dem dritten Abschnitt (c) finalisiert.  Dies würde bedeuten, dass in den nächsten Monaten und Jahren ähnlich wie nach der Finanzkrise 2009 der Silberpreis im Abwärtstrend bleibt und den Tiefpunkt bei 11,64 unterschreitet. In diesem Zusammenhang wäre ein Impuls der sich in die Unterwellen 1-2-3-4-5 unterteilt möglich, der die Marke der $8,77 erreicht.

Quellle: CMC Markets Plattform 29.07.2020

Szenario2:

Die aktuelle Rally wird in den kommenden Tagen und Wochen als Welle 1 finalisiert, die dann in einer dreiteiligen Bewegung a-b-b korrigiert wird, um eine Welle 2 abzuschließen. . Im Idealfall hält dabei der gerade überwundene Widerstandsbereich bei $19,55, sodass eine Anschlussrally in Richtung $43,33 mit der Welle 1 der 3 starten könnte.   

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ProduktSpreadHebel ab*Short?**Handelszeiten
Rohöl Brent310:1So 00:00 - Fr 23:00 (Pause tägl. 00:00-02:00 Mo-Do)
Rohöl (WTI)310:1So 00:00-Fri 23:00 (Pause tägl. 23:00-00:00 Mo-Do)
Benzin2,510:1So 00:00-Fri 22:00 (Pause tägl. 23:15-00:00 Mo-Do)
Gold0,320:1So 00:00-Fri 22:00 (Pause tägl. 23:00-00:00)
Erdgas0,310:1So 00:00-Fr 22:00 (Pause tägl. 23:00-00:00 Mo-Do)
Silber2,510:1So 00:00-Fr 22:00 (Pause tägl. 23:00-00:00)

*Der Hebel verstärkt Gewinne und Verluste gleichermaßen.
**Bitte beachten Sie, dass wir nach eigenem Ermessen Ihre Möglichkeit long oder short zu gehen einschränken können.

 


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