Kaum etwas kann den Cash-Betrag auf Ihrem CFD-Konto mehr beeinflussen als Emotionen und falsche Denkmuster. Wie wir im zweiten Teil der Privathändlerausbildung dargelegt haben ist die Disziplin im Trading enorm wichtig. Ein besseres Verständnis menschlicher, zugleich an der Börse jedoch oft falscher Denkmuster und Emotionen hilft, falsche Trading-Entscheidungen zu vermeiden. Beginnen wir in diesem Eintrag in das TraderWiki mit der Angst, etwas zu verpassen.

Lukas ist aktiver Aktien-Daytrader. Nach einer guten Handelswoche entschließt sich Lukas, noch einmal die Aktien mit der höchsten Volatilität in der vergangenen Handelswoche näher zu analysieren. Auf dem Spitzenplatz des Volatilitäts-Screeners von CMC Markets wird Lukas auf die Aktie des Windkraftspezialisten Nordex aufmerksam. Nach einem Absturz in der ersten Wochenhälfte um 15% zeigt sich im Chart eine Bodenbildung und Lukas stellt die einzig richtige Frage in diesem Moment:

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Aktie von diesem Zeitpunkt an wieder steigen wird?

Lukas beginnt, das Für und Wider eines Kaufs von 300 Nordex-CFDs gegeneinander abzuwägen - vor allem geht es ihm aber um die am Wochenende anstehenden Bundestagswahlen, in der eine Jamaica-Koalition wahrscheinlicher werden könnte und mit Mitwirkung der Grünen in der Regierung könnte sich das Geschäftsumfeld für Firmen im Bereich der erneuerbaren Energien deutlich aufhellen. Dem gegenüber steht das Risiko einer Kurslücke und einer Fortsetzung der Korrektur, immerhin befindet sich die Aktie in einem intakten Abwärtstrend. Nach Abwägung der Risiken und Chancen entscheidet sich Lukas gegen den Kauf der Aktie, vor allem auch deshalb, weil er keine offenen Trades über das Wochenende halten möchte.

Das Wochenende vergeht und Lukas weiß, dass die Mitwirkung der Grünen in der neuen Regierung durch das Wahlergebnis am Sonntag sehr viel wahrscheinlicher geworden ist. Am frühen Morgen beschleicht ihn das Gefühl, dass die Nordex-Aktie an diesem Tag gut laufen könnte. Er entscheidet sich dazu, die Aktie auf seine CFD-Watchlist für den Tag zu setzen. Als die Aktie eröffnet tut sich erst recht wenig. Drei Minuten später kommen große Käufer in den Markt, die die Aktie in kürzester Zeit um 10% nach oben treiben.  Lukas kommt nicht mehr in den Trade. Er hat die Bewegung verpasst.

Lukas beginnt, sich Vorwürfe zu machen. Hätte er nur am Freitag gekauft. Er sagt sich Dinge wie:

Es war doch klar, dass die Große Koalition nicht mehr weiterbestehen wird. Es war doch klar, dass die Jamaica-Koalition mit den Grünen kommen wird. Ich habe es genau gewusst, dass die Nordex-Aktie sich wieder erholen wird. Ich habe den Trade einfach verpasst!

Die große Schwierigkeit im Trading ist es, dass man in der Rückschau auf vergangene Kursereignisse naturgemäß immer erklären kann, warum der Kurs sich so verhalten hat, wie er das tat. Daraus kann sich schnell ein Selbstvorwurf entwickeln, wie das auch bei Lukas geschehen ist: Ich habe es gewusst! Hätte ich diese Aktie nur gekauft! Das war klar, dass das so kommen wird!

Das ist allerdings ein Trugschluss, der oft teuer wird, weil er schnell zu Aktionismus und schlechten Trades führen kann, weil man dann versucht, den Schmerz wettzumachen, etwas verpasst zu haben. 

Die Realität ist, dass man zu jedem Zeitpunkt in der Vergangenheit immer eine komplexe Aneinanderreihung von Indizien vor sich hat - sowohl welche, die sich nachträglich als richtig herausstellen, als auch jene, die falsch sind.

Wenn man rückblickend auf eine Kursbewegung schaut dann wird das eigene Gehirn automatisch die Indizien ausblenden, die nicht zutreffend waren, und man wird automatisch meinen man hätte damals nur Indizien gesehen, die korrekt waren.

Das Trading wäre viel einfacher wenn man einfach akzeptieren könnte dass Verluste zum Geschäft dazu gehören, auch verlorene, weil nicht genutzte Trading-Chancen.