DAX geht in die Defensive  / Restriktivere Töne der US-Notenbank belasten
Von Andreas Paciorek, Marktanalyst CMC Markets, Stand: 11:28 Uhr Nachdem der Fokus an den Märkten zuletzt auf den Entwicklungen in der Ukraine und den chinesischen Konjunkturdaten gelegen hatte, kehrte er gestern wieder zurück auf die amerikanische Geldpolitik. Die gestern veröffentlichten Entscheidungen der amerikanischen Notenbank waren weitestgehend erwartet worden und hatten daher zunächst auch zu keinen größeren Kursschwankungen geführt. Erst die anschließende Rede der neuen Fed-Chefin Janet Yellen wartete mit einigen Details auf, bei denen die Märkte erst einmal schlucken mussten. Dieses machte sich in Verkäufen bemerkbar, die die Indizes weltweit drückten*. Der DAX, sowie die zweite Reihe aus MDAX und TecDAX sehen sich am Vormittag mit Abgabedruck konfrontiert. Die kurze Erholungs-Rally diese Woche führte den deutschen Leitindex bis an das Fibonacci-Level um etwa 9.290 Punkte heran, an dessen potenziellem, charttechnischem Widerstand der DAX nun den dritten Tag in Folge scheitert. Es wird abzuwarten bleiben, ob der Kurs durch dieses Kursniveau brechen kann oder möglicherweise kurzfristig noch einmal ein Test der Aufwärtstrendlinie von Juni 2012 ansteht. Da die Entscheidung der amerikanischen Notenbank das Volumen des Anleihekaufprogramms um 10 Milliarden US-Dollar auf dann 55 Milliarden US-Dollar zu reduzieren, weitestgehend vom Markt erwartet worden war, hielt sich die Reaktion der Märkte auf deren Verkündung zunächst im Rahmen. Auch der Wegfall der Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent als Richtwert bevor Zinserhöhungen in Erwägung gezogen werden war nicht wirklich eine Überraschung. Was den Kursfantasien vieler Investoren einen Dämpfer versetzte folgte erst in der anschließenden Pressekonferenz. So erwartet Yellen, dass die Leitzinsen möglicherweise bereits 6 Monate nach dem Auslaufen des Anleihekaufprogrammes angehoben werden könnten. Bei einer gleichbleibenden Geschwindigkeit der Reduzierung des Programms, könnte dies bereits April 2014 bedeuten, während der Markt Zinserhöhungen eher für den Herbst erwartet hatte. Die US-Notenbanker erhöhten zudem ihre Prognose zur Zinsentwicklung. Im Schnitt erwarten sie einen Zinssatz von 1 Prozent Ende 2015 und 2,25 Prozent Ende 2016. Die Zinserhöhungen würden demnach schneller und stärker erfolgen als viele am Markt bisher kalkuliert haben. Zudem erklärte die Fed, dass die wirtschaftliche Aktivität in den Wintermonaten zurückgegangen ist, führte dies aber nur zum Teil auf das Ausnahmewetter zurück. Erwartungen an einen früher als erwarteten Anstieg des Zinsniveaus in den USA könnte den Liquiditätsabfluss aus den Schwellenländern, insbesondere mit dem Hintergrund der Schwäche der chinesischen Wirtschaft, noch verstärken. Damit könnte das Thema Schwellenländer-Krise, auch im Hinblick der Entwicklungen im Krim-Konflikt, noch einmal verstärkt aufkochen. Heute Nachmittag folgen aus den USA unter anderem Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in der letzten Woche, sowie der Philadelphia-Fed-Index zur industriellen Produktion im März und auch Daten zu Verkäufen vorhandener Immobilien im Februar. Da die amerikanische Notenbank die gedämpfte wirtschaftliche Entwicklung in den USA nur zum Teil dem Wetter zuschreibt, werden Investoren weiterhin genau die US-Konjunkturdaten auswerten um mehr Hinweise darauf zu gewinnen, wie groß der Einfluss des eisigen Winters auf die größte Volkswirtschaft der Welt tatsächlich war. Vorbörslich handelt der Dow Jones und S&P 500 gegenwärtig jeweils unter dem jeweiligen Schlusskurs von Freitag. * Gegenüber dem Vortagesschlusskurs ** Gegenüber der Vorperiode *** Bei Prognosen handelt es sich um Zahlen, die vom Nachrichtenprovider Dow Jones International Ltd. zur Verfügung gestellt werden