Aktienmarkt: Konjunktureller Müßiggang

Hunderttausend – um so viele Barrels wird die weltweite Ölnachfrage in diesem und im nächsten Jahr täglich unter Plan der Internationalen Energieagentur liegen. Das ist einerseits gut, da die Amerikaner im großen Stil Öl fracken und die OPEC+ störrisch auf ihren Quoten beharrt. Das erhöht die Chance, dass Benzin, Kerosin und Diesel billiger werden. Die erneute Senkung hat auch etwas Mahnendes: Eigentlich war man in Paris davon ausgegangen, dass man schon drastisch genug gesenkt hätte. Ein Trugschluss.

Am Ende vom Tag bringen auch tiefere Rohstoffpreise nichts, wenn die Endnachfrage noch schneller sinkt. Konjunktureller Müßiggang liegt im Trend; bereits ergriffene Kontermaßnahmen erwiesen sich bei vielen Firmen noch als unzureichend. Geht das weiter, rollt die nächste Welle an Gewinnwarnungen auf uns zu. Wer das Steuer wie Bayer-Chef Baumann im Sinne der Aktionäre schnell herumreißt wird belohnt. Wer das nicht tut oder nicht tun kann bekommt an der Börse die rote Karte.

Wenn die Gewinnrezession nicht endet bleiben die Kurse länger tiefer. Unter 12294 Punkten ist im DAX Bärenland. Länger tiefer bleiben auch die Zinsen. Die steile Talfahrt dort wirkt wie ein Absorber für das bereits knappe investitionsbereite Kapital. Wer zu 0,1% Zins eine Hypothek bekommt wird geneigt sein Geld vom Aktienmarkt abziehen, vor allem wenn immer mehr Firmen mit Gewinnwarnungen um sich werfen.

Diese Finanzakrobatik könnte sich noch einmal beschleunigen, wenn die EZB eine „symmetrische“ Inflationspolitik im September einführt. Der Ausgang ist offen. Wenn es weiter geht wie jetzt landet das Geld nur am Anleihemarkt, während die Unternehmen in die Röhre schauen, aus der nichts rauskommt.

Das Pfund rutscht immer tiefer. Während man in Berlin die Rezessionsgefahren offenbar ignoriert möchte sorgt die Brexit-Angst in Großbritannien für einen Rückgang des Wachstums im zweiten Quartal. Geplatzt ist der Traum des Wirtschaftsbooms der Brexit-Kampagne. Droht ein Pfund-Kollaps? Die Unterstützung bei 1,1988 im GBP/USD könnte bald getestet werden. Dann entscheidet die Psychologie, wie es weiter geht.