Der Einbruch bei Wirecard und die abgebrochenen Gespräche zur europäischen Digitalsteuer haben Tech-Investoren gestern vergrämt. Auch wenn Wirecard-Vorstands-Chef Braun wie ein Blitzableiter die Schuld von sich zu weißen sucht droht jetzt eine Klagewelle gegen den Konzern. Die Anleger fragen sich, warum man erst jetzt handelt, nachdem Ungereimtheiten schon monatelang nicht ausgeräumt werden konnten. Dieses Verhalten hat für viele Anleger ein gewisses Geschmäckle, das sie nicht länger willens sind mittragen zu wollen.

DAX: Fehlversuch einer Rally

Der DAX hat gestern einen Fehlversuch einer Rally erlebt. Bei 12500 Punkten scheint im Moment wie bei Alcatraz kein Entkommen zu sein. Ob den Bullen die Flucht zum Ende der Woche hin gelingen wird ist überschattet von zwei Fehlversuchen im Verlauf der Woche. Es ist also immer noch offen, ob die Trendumkehr vom Dienstag dieser Woche eine Fortsetzung finden wird. Waren wochenlang überzeugte Käufer genau an solchen kritischen Marken am Werk, um Widerstände zu knacken, haben im Moment überzeugte Verkäufer das Zepter in der Hand. Erst ein nachhaltiger Anstieg über 12500 Punkten würde technisch die Signallage aufhellen.  

Großer Verfall im DAX

Heute ist großer Verfallstag. Anleger sollten aber nicht dem Irrtum erliegen, dass aufgrund von derivativen Positionierungen etwa über DAX-Optionen Kurse im DAX in irgendeiner Art und Weise vorhersehbar wären. Es wäre zu einfach viermal im Jahr bei den großen Verfallstagen den DAX als prognostizierbar anzusehen, während er es im Rest des Jahres nicht ist. Heute ist ein Tag wie jeder andere – es kann zu größeren Bewegungen im Vorfeld kommen oder auch zu einem ruhigen Kursgeschehen. Ein statistischer Vorteil auf die Prognose von DAX-Kursen, der aus der Tatsache, dass heute großer Verfall ist, ableitbar wäre, ist mir nicht bekannt.

Windkrafthersteller: Steine im Weg

Die Windradhersteller Nordex und Vestas stehen vorbörslich unter Druck, nachdem die Bundesregierung die umstrittenen Abstandsregeln für neue Windräder verabschiedet hat. Diese müssen künftig 1000 Meter von Wohngebäuden entfernt installiert werden – bei neu gebauten Windrädern. Das schränkt den Bauplatz, der zur Verfügung steht, noch weiter ein, was die Installation neuer Anlagen erschweren wird.

Lufthansa: Doch eine Insolvenz?

Lufthansa-Großaktionär Thiele hat Anteile an Knorr-Bremse verkauft und plant offenbar, seinen Anteil an Lufthansa noch weiter auszubauen. Thiele könnte versuchen den Bund als Ankerinvestor bei Lufthansa zu ersetzen, wodurch die Abgabe von Landerechten in München und Frankfurt als kartellrechtliche Vorschrift der EU Kommission vermieden werden könnte. Das könnte aber auch bedeuten, dass der Lufthansa nur der Weg in die Privatinsolvenz bleiben wird. Für die Aktionäre wäre das vermutlich die bessere Alternative, da die strategische Beweglichkeit ohne drohende politische Einflussnahme künftig gewahrt werden würde. Für die Mitarbeiter und Angestellten der Lufthansa könnten aber dann harte Zeiten anbrechen.