
Finanzmarktbericht zum Wochenstart
Steigende Ölpreise und neue Fed-Zinssorgen sorgen für einen defensiven Wochenstart. Nun rücken US-Arbeitsmarkt und Broadcom als nächste wichtige Marktimpulse in den Fokus.
Die internationalen Finanzmärkte starteten mit einem deutlich defensiveren Grundton in die neue Handelswoche. Zwei Belastungsfaktoren treffen zum Monatsende August unmittelbar aufeinander: Die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran ist über das Wochenende wieder aufgeflammt und treibt die Ölpreise nach oben, während Fed-Chef Kevin Warsh mit seiner Rede in Jackson Hole die Möglichkeit einer erneuten Zinserhöhung bereits im September deutlich stärker in den Fokus gerückt hat. Damit entsteht für Aktien eine ungünstige Kombination aus höheren Energiepreisen und gleichzeitig höheren Finanzierungskosten. Entsprechend geben vor allem die technologie- und halbleiterlastigen asiatischen Märkte nach, während europäische und amerikanische Indexfutures ebenfalls einen schwächeren Handelsstart signalisieren.
Iran-Konflikt bringt die Risikoprämie im Öl zurück
Die politisch wichtigste Entwicklung des Wochenendes fand erneut in der Straße von Hormus statt. US-Streitkräfte griffen am Sonntag, dem 30. August, zwei iranische Raketenstellungen auf der Insel Larak an. Nach Angaben des US-Zentralkommandos hatten Einheiten der iranischen Revolutionsgarden Vorbereitungen getroffen, Raketen mit Seeminen in Richtung der internationalen Schifffahrtswege abzufeuern. Der Angriff war die erste bestätigte amerikanische Militäraktion gegen Iran seit Ende Juli. Teheran reagierte in der Nacht zum Montag mit Raketenangriffen auf amerikanisch genutzte Militärstandorte in Jordanien. Die jordanischen Streitkräfte erklärten, acht iranische Raketen abgefangen zu haben. Damit ist die mehrwöchige relative militärische Ruhe beendet.
Für die Finanzmärkte ist weniger die einzelne militärische Aktion als vielmehr der Schauplatz entscheidend. Unter normalen Bedingungen passieren rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung die Straße von Hormus. Der Schiffsverkehr liegt nach Angaben der internationalen Überwachungsstellen weiterhin deutlich unter dem Vorkriegsniveau. Während vor Kriegsbeginn etwa 130 Schiffe pro Tag die Meerenge passierten, verwies US-Präsident Donald Trump zuletzt lediglich auf 24 Schiffe innerhalb einer gesamten Woche. Solange sich diese Situation nicht nachhaltig normalisiert, bleibt jede militärische Eskalation unmittelbar ölpreisrelevant.
Entsprechend deutlich fällt die Reaktion am Rohölmarkt aus. Brent steigt am Montagmorgen um rund 2,5 bis 2,8 Prozent auf etwa 90 bis 91 US-Dollar je Barrel, während WTI rund 2,2 bis 2,5 Prozent auf 85 bis 86 US-Dollar zulegt. Das ist insbesondere deshalb problematisch, weil der Ölpreisanstieg auf ein Umfeld trifft, in dem sich die Inflation in den USA und Europa ohnehin wieder oberhalb der Zielwerte der Zentralbanken bewegt. Sollte sich die militärische Situation in Hormus weiter verschärfen, wäre ein neuerlicher Angriff auf die Marke von 100 US-Dollar bei Brent aus Marktsicht nicht auszuschließen. Umgekehrt könnte eine glaubhafte diplomatische Einigung einen erheblichen Teil der geopolitischen Prämie wieder aus dem Markt nehmen.
Ein mittelfristiges Gegengewicht kommt aus Venezuela. Die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez bestätigte am Samstag ein auf 25 Jahre angelegtes Energieabkommen mit den USA. In einem ersten Schritt sollen 17 Ölfelder entwickelt und die Produktion im Rahmen des Projekts auf mehr als 1,5 Millionen Barrel täglich gesteigert werden. Präsident Trump erklärte zudem, venezolanisches Öl zum Wiederauffüllen der amerikanischen strategischen Erdölreserve nutzen zu wollen. Kurzfristig dürfte dieses Projekt die Versorgungslage allerdings kaum verändern – der Aufbau zusätzlicher venezolanischer Kapazitäten erfordert erhebliche Investitionen und Zeit. Für den Ölmarkt stellt die Vereinbarung deshalb eher einen strukturell preisdämpfenden Faktor für die kommenden Jahre als eine Antwort auf das aktuelle Hormus-Risiko dar.
Jackson Hole verändert die Zinsdebatte
Der zweite zentrale Impuls des Wochenendes kam aus Wyoming. Fed-Chair Kevin Warsh machte bei seiner mit Spannung erwarteten Rede am 28. August in Jackson Hole deutlich, dass die amerikanische Notenbank den Kampf gegen die Inflation noch nicht als gewonnen betrachtet. Warsh bezeichnete das Inflationsziel von zwei Prozent ausdrücklich als festes Ziel und erklärte, die Fed müsse davon überzeugt sein, dass sich die zugrunde liegende Inflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit in Richtung dieses Ziels bewegt. Andernfalls habe die Zentralbank „work to do“. Gleichzeitig bezeichnete er kurzfristige Zinsen als das wichtigste Instrument der Geldpolitik und signalisierte, dass die derzeitigen finanziellen Bedingungen die Wirtschaft nicht erkennbar stark bremsen.
Die Aussagen erhalten zusätzliches Gewicht durch die jüngsten Inflationsdaten. Der von der Fed bevorzugte PCE-Preisindex stieg im Juli gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent, die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel lag bei 3,3 Prozent. Beide Größen liegen damit weiterhin deutlich oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels. Gleichzeitig stagnierte der reale private Konsum im Juli nahezu, sodass sich das bekannte Spannungsfeld aus erhöhtem Preisdruck und nachlassender Wachstumsdynamik fortsetzt.
Der Zinsterminmarkt hat die Warsh-Rede entsprechend neu bewertet. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung am 16. September stieg von rund 34 bis 35 Prozent vor der Rede auf zuletzt etwa 57 bis 60 Prozent. Besonders deutlich war die Reaktion am kurzen Ende der US-Zinskurve: Die zweijährige Treasury-Rendite sprang am Freitag um fast zwölf Basispunkte nach oben und liegt am Montagmorgen bei rund 4,32 bis 4,34 Prozent. Die zehnjährige Rendite bewegt sich bei etwa 4,71 Prozent, während 30-jährige Treasuries rund 5,21 Prozent rentieren. Dass das kurze Ende stärker reagiert als das lange, führt zu einer Abflachung der Zinskurve und zeigt, dass derzeit vor allem ein höherer Leitzinspfad eingepreist wird.
Interessant ist die Entwicklung bei Gold. Trotz der erneuten Eskalation im Nahen Osten fällt der Goldpreis um knapp ein Prozent auf rund 4.410 bis 4.420 US-Dollar je Feinunze. Bereits am Freitag hatte das Edelmetall deutlich verloren. Damit dominiert derzeit der Zinseffekt den klassischen Safe-Haven-Effekt: Höhere US-Renditen erhöhen die Opportunitätskosten einer unverzinsten Goldposition. Erst eine wesentlich stärkere geopolitische Eskalation dürfte diesen Zusammenhang kurzfristig wieder überlagern.
Ein zusätzlicher europäischer Fokus lag am heutigen Nachmittag auf den vorläufigen deutschen Verbraucherpreisen für August. Im Juli war die harmonisierte deutsche Inflationsrate bereits auf 2,8 Prozent gestiegen, wobei Energie den stärksten Aufwärtsdruck erzeugte. Die Zahlen kamen etwas schwächer als befürchtet über die Nachrichtenticker und zeigen eine Entspannung an der Preisfront auf. Am Dienstag folgt die Schnellschätzung für die Eurozone. Dort lag die Inflationsrate im Juli bei 2,9 Prozent. Vor dem Hintergrund des erneuten Ölpreisanstiegs besitzen beide Veröffentlichungen zusätzliche Bedeutung für die Erwartungen an die EZB.
Wall Street: Arbeitsmarkt wird zum nächsten Entscheidungspunkt
Die Wall Street hatte bereits am Freitag negativ auf Warsh reagiert. Der S&P 500 verlor 0,25 Prozent auf 7.711,76 Punkte, der Nasdaq Composite 0,52 Prozent und der Dow Jones schloss nahezu unverändert. Auf Wochensicht blieb das Bild allerdings noch freundlich: S&P 500 und Dow gewannen jeweils rund 0,5 Prozent, der Nasdaq etwa 0,8 Prozent. Zum Wochenstart signalisieren S&P-500-Futures ein Minus von rund 0,4 Prozent, Nasdaq-Futures verlieren etwa 0,5 Prozent.
Damit dürfte sich die Aufmerksamkeit nun schnell auf den US-Arbeitsmarkt verlagern. Am Dienstag, 1. September, werden die JOLTS-Daten zu den offenen Stellen veröffentlicht. Der wichtigste Termin folgt am Freitag, 4. September, mit dem offiziellen Arbeitsmarktbericht für August. Der aktuelle Konsens liegt bei einem Beschäftigungszuwachs von nur etwa 58.000 Stellen, nachdem die Zahl der Beschäftigten im Juli überraschend um 23.000 zurückgegangen war. Die Arbeitslosenquote wird unverändert bei etwa 4,1 Prozent erwartet.
Gerade dieser Bericht könnte zur entscheidenden Weichenstellung für die Fed-Sitzung am 16. September werden. Ein deutlich stärkerer Arbeitsmarkt in Verbindung mit PCE-Inflation von 3,7 Prozent und Ölpreisen über 90 US-Dollar würde die Argumente für eine weitere Zinserhöhung erheblich verstärken. Ein erneut sehr schwacher Beschäftigungsbericht könnte dagegen die Zinserhöhungswahrscheinlichkeit wieder deutlich reduzieren. Damit besitzen die Arbeitsmarktdaten in dieser Woche außergewöhnlich hohe Bedeutung für Aktien, Anleihen und den Dollar.
Auf Unternehmensseite bleibt der KI-Komplex ebenfalls im Fokus. Broadcom veröffentlicht am Mittwoch, dem 2. September, nach US-Börsenschluss seine Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal. Nach den starken Nvidia-Zahlen dürfte insbesondere entscheidend sein, ob auch Broadcom eine anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Netzwerkchips, kundenspezifischen Beschleunigern und Rechenzentrumsinfrastruktur bestätigt. Die Zahlen könnten damit zum zweiten großen Belastungstest für den KI-Investitionszyklus innerhalb weniger Tage werden.
Parallel began heute das Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchefs in North Carolina. US-Finanzminister Bessent will dort insbesondere um internationale Unterstützung für die amerikanische Iran-Strategie werben. Gleichzeitig stehen die weltweite Verschuldung, Energieversorgung, Währungsfragen und die weiterhin angespannten Handelsbeziehungen auf der Agenda. Neue amerikanische Sanktionen gegen iranische Handelspartner oder chinesische Finanzinstitute könnten deshalb bereits während der kommenden 48 Stunden zusätzliche

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