
Nvidia-Zahlen – Entscheidendes Event in schwieriger Marktlage
Nvidia vor Zahlen – entscheidet sich heute die Richtung für KI-Hype und Gesamtmarkt?
Der Chip-Designer Nvidia ist mit knapp 4,6 Billionen US-Dollar das Unternehmen mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung und hat den größten Anteil an den meistgehandelten Börsenindizes: 14 Prozent im Nasdaq 100 und 7,6 Prozent im S&P 500. Die Ergebnisse heute Abend können deshalb eine Volatilität erzeugen, die mit der Veröffentlichung von Inflationszahlen und dem Arbeitsmarktbericht aus den USA, der im Übrigen morgen nachgereicht wird, mehr als mithalten kann. Die Diskussionen über den KI-Hype haben die Börse voll im Griff und sorgen für entsprechende Nervosität im Vorfeld dieses Termins. In beiden Indizes, Nasdaq und S&P 500, droht der Rutsch unter die Monatstiefs, was bei einer Enttäuschung heute Abend auch eine Trendwende am Gesamtmarkt auslösen könnte.
Hohe Bewertung bremst Optimismus der Analysten nicht
Die Aktie von Nvidia selbst steht unter Druck, seit Anfang November bekannt wurde, dass „Mr. Big Short“ Michael Burry eine Short-Position eingegangen ist. Die Zweifel des Star-Investors sind begründet, wenn man sich unter anderem das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Nvidia anschaut, das derzeit bei 53 liegt. Das schreckt die Analysten jedoch nicht ab: 53 der aktuellen 66 Empfehlungen lauten weiterhin „Kaufen“ gegenüber nur einer Verkaufsempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel auf Sicht der kommenden 12 Monate liegt bei knapp 240 US-Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von fast 30 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs entspricht.
50 Prozent Wachstum sind Pflicht
Heute Abend werden ein Gewinn pro Aktie von 1,26 US-Dollar (plus 56 Prozent im Jahresvergleich) und ein Umsatz von knapp 47 Milliarden US-Dollar erwartet. Spannender wird die Prognose für das laufende Quartal. Gewinn und Umsatz sollen, geht es nach dem Marktkonsens, in den kommenden Quartalen weiterhin um über 50 Prozent wachsen. Zudem muss das Unternehmen seine Preisführerschaft behaupten und die hohe Bruttomarge von derzeit rund 72,5 Prozent aufrechterhalten.
Der Wettbewerb nimmt zu
Die größten Bedrohungen für Nvidias Wachstum sind der starke Wettbewerb und eine zunehmende Sättigung des Marktes. Zum einen wächst AMD stark mit seinen MI300X-Chips, die in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis mit den GPUs von Nvidia mithalten können. Andererseits konkurriert Broadcom mit der Herstellung von integrierten Schaltkreisen und kundenspezifischen Chips (ASICs) für Großkunden. Hyperscaler (Betreiber von Massendatenzentren) versuchen, Kosten und Abhängigkeit zu reduzieren, indem sie ihre eigenen Chips herstellen: Google (TPU), Amazon (Trainium/Inferentia) und Microsoft (Maia).
Alle haben die gleichen Probleme
Alle Anbieter sehen sich mit logistischen Problemen, steigenden Kosten, dem Zugang zu Energiequellen und der raschen Veralterung von Hightech-Chips konfrontiert. Das Risiko einer Anhäufung von Chip-Beständen ist für Hyperscaler ein zunehmendes Problem. Unternehmen beginnen, die Abschreibung von Investitionen in GPUs auf bis zu sechs Jahre zu verlängern. Eine finanzielle Anpassung, die zu einem echten Schaden werden kann, wenn sich die Lebensdauer der Chips verlängert und die Notwendigkeit neuer Anschaffungen aufgeschoben wird. 179 Dollar in der Aktie müssen halten Aus technischer Sicht bildete die Nvidia-Aktie nach einem Allzeithoch von 212 US-Dollar eine spektakuläre Trendumkehr aus. Zunächst ein Zeichen für das Ende des Aufwärtstrends, begleitet von negativen Divergenzen bei Oszillatoren und Volumen. Das Kursziel dieser Korrektur liegt bei 179 Dollar, was auch dem Monatstief entspricht. Unterhalb würde der langfristige Aufwärtstrend beschädigt und der Abwärtsdruck könnte zunehmen. Solange der Kurs aber darüber bleibt, wäre es verfrüht, den Abgesang auf die Nvidia-Aktie einzuläuten.

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