Nvidias Zahlen und die Angst vor dem Schweinezyklus

Rekordumsätze, explodierende HBM4-Preise und Milliardeninvestitionen in KI – warum bleibt die Börse trotzdem skeptisch?

CMC Analysts picture Andreas Lipkow-small
verfasst von
Andreas Lipkow

Chef-Marktanalyst


Die Quartalszahlen von Nvidia vom 25.02.2026 waren erneut eine echte Überraschung – und voller Dynamik.

Der Markt für High Bandwidth Memory 4 (HBM4) befindet sich auch Anfang 2026 in einer Phase extrem hoher Nachfrage. Für das Geschäftsjahr 2026 wird ein Wachstum von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr prognostiziert. Größter Treiber bleibt der KI-Boom, der zu deutlich steigenden Preisen und einer angespannten Versorgungslage führt.

HBM4-Halbleiter gelten als entscheidende Komponente für kommende KI-Generationen (etwa Nvidias „Rubin“-Architektur). Sie versprechen eine Verdopplung der Speicherbandbreite sowie höhere Kapazitäten im Vergleich zur Vorgängergeneration HBM3e. Hauptnachfrager sind Cloud-Service-Provider und Betreiber von KI-Infrastruktur, die neue HBM4-Technologien für fortgeschrittene Rechenzentrumslösungen benötigen.

Dem gegenüber stehen jedoch erhebliche Produktionsherausforderungen. Die komplexe Herstellungsmethodik – insbesondere das sogenannte Memory-Skyscraper-Verfahren – sorgt für Engpässe, die voraussichtlich bis ins Jahr 2027 anhalten könnten. Bei Hochleistungschips spielen die 3D-Stapelausbeute, Wärmeableitung, Verpackungspräzision und die Interposer-Herstellung eine zentrale Rolle. Nur wenige Anbieter sind technisch überhaupt in der Lage, diese Prozesse umzusetzen.

Diese Engpässe führen bereits zu deutlichen Preisanpassungen im Halbleitersektor. HBM4 ist signifikant teurer als HBM3e. Im Markt werden Preise zwischen 500 und 650 US-Dollar pro Einheit diskutiert.

Rekordzahlen – aber keine Euphorie

Die vorgelegten Quartalszahlen spiegeln diese Marktdynamik wider. Nvidia meldete erneut Rekordwerte: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 73 Prozent auf 68 Milliarden US-Dollar. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten deutlich.

Für das laufende Quartal prognostiziert Nvidia einen Umsatz von 78 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Schnitt lediglich rund 73 Milliarden erwartet. Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte Nvidia insgesamt etwa 216 Milliarden US-Dollar Umsatz – ein Plus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn belief sich in den vergangenen zwölf Monaten bis Ende Januar auf 120 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 65 Prozent entspricht.

Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage: Warum reagieren Investoren dennoch verhalten?

Die Furcht vor dem Schweinezyklus

Die Zurückhaltung lässt sich mit der Angst vor einem klassischen „Schweinezyklus“ im Halbleitersektor erklären. Dieser beschreibt die typische, wellenartige Schwankung von Angebot, Nachfrage und Preisen in der Chipindustrie.

Der Zyklus verläuft üblicherweise in vier Phasen:

  1. Boomphase: Neue Technologien treffen auf hohe Nachfrage bei begrenzten Kapazitäten. Aufgrund langer Vorlaufzeiten für neue Fabriken entstehen Knappheit und starke Preissteigerungen.

  2. Investitionsphase: Hersteller bauen massiv Kapazitäten aus, um von hohen Preisen und Margen zu profitieren.

  3. Abschwungphase: Die neuen Kapazitäten gehen in Betrieb. Es entsteht Überangebot, die Preise beginnen zu fallen.

  4. Konsolidierungsphase: Gewinne brechen ein, Investitionen und Arbeitsplätze werden reduziert.

Derzeit rätseln Investoren, in welcher Phase sich der HBM-Markt befindet. Angesichts der aktuellen Nachfrage- und Angebotssituation wirkt es, als bewege sich der Markt zwischen Phase zwei und drei.

Die Bauzeiten neuer Kapazitäten liegen meist zwischen zwei und vier Jahren. 2025 kündigten die wichtigsten Hersteller – darunter Samsung, SK Hynix, Micron und AMD – massive Investitionen an. Damit tickt die Uhr in Richtung möglicher Überkapazitäten.

Da Finanzmärkte typischerweise 12 bis 18 Monate vorausblicken, wird bei den Quartalszahlen zunehmend vorsichtig reagiert.

Die entscheidende Variable: Nachfrage

Die zentrale Frage bleibt: Wie nachhaltig ist die Nachfragedynamik?

Die großen Hyperscaler – Alphabet, Amazon, Meta und andere – sind derzeit bereit, hunderte Milliarden US-Dollar in neue KI-Infrastruktur zu investieren. Ob diese Investitionsbereitschaft anhält, hängt maßgeblich davon ab, in welchem Umfang tragfähige Monetarisierungsmodelle im KI-Sektor etabliert werden können.

Genau hier liegt der eigentliche Unsicherheitsfaktor – und damit auch der Kern der aktuellen Zurückhaltung am Markt.

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