Jahresausblick 2026: Ist eine neue Bitcoin-Ära zu erwarten?

Bitcoin steht 2026 vor einem strukturellen Wendepunkt: Liquidität, Regulierung und Institutionen könnten den klassischen Zyklus ablösen.

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Daniel Kostecki

Market analyst

Der Ausblick für Bitcoin im Jahr 2026 deutet auf einen tiefgreifenden strukturellen Wandel hin. Das Asset entfernt sich zunehmend von seinem traditionellen Vierjahres-Halving-Zyklus und entwickelt sich hin zu einem Instrument, das primär von makroökonomischen Faktoren, institutioneller Adoption und regulatorischen Reformen getrieben wird. Zudem könnten die aktuellen Liquiditätsbedingungen in den USA die historischen Begrenzungen des Vierjahreszyklus potenziell außer Kraft setzen.

Mögliche Auswirkungen von Liquiditätsveränderungen und regulatorischen Anpassungen

Der zentrale Wachstumstreiber für 2026 ist die Freisetzung systemischer Liquidität infolge von Änderungen der Geldpolitik der US-Notenbank sowie überarbeiteter aufsichtsrechtlicher Vorgaben für Banken. Die laufenden Zinssenkungen in den USA wirken historisch unterstützend auf Bitcoin, da sie die Opportunitätskosten des Haltens nicht verzinslicher Vermögenswerte wie BTC senken. Darüber hinaus hat die Federal Reserve den Abbau ihrer Bilanz (Quantitative Tightening, QT) beendet und ein aktives Reservemanagement aufgenommen. Dieses umfasst monatliche Käufe von US-Staatsanleihen (Treasury Bills) im Umfang von rund 40 Mrd. USD sowie etwa 15 Mrd. USD an Reinvestitionen aus auslaufenden hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS). In der Folge führt die Fed dem Finanzsystem neue Reserven zu und stabilisiert die Geldmarktzinsen in einem Umfeld lediglich ausreichender - nicht überschüssiger - Reserven, die während der Pandemie geschaffen wurden.

Ein bedeutendes, zeitlich festgelegtes Ereignis zur Unterstützung der Liquiditätsthese ist die Lockerung der Enhanced Supplementary Leverage Ratio (eSLR) für global systemrelevante Banken (GSIBs). Diese tritt am 1. April 2026 in Kraft, mit der Möglichkeit einer vorgezogenen Anwendung ab Januar 2026. Die regulatorische Anpassung dürfte rund 219 Mrd. USD an hartem Kernkapital (Tier 1) bei großen Bankentöchtern freisetzen. Ein erheblicher Teil dieses Kapitals dürfte auf der Suche nach höheren Renditen sein und teilweise in institutionelle Krypto-Produkte fließen, wodurch es die institutionelle Nachfrage überproportional verstärken könnte.

Institutionelle Integration und ein neuer Zyklus?

Bitcoin wird zunehmend irreversibel in die zentrale institutionelle Finanzinfrastruktur integriert. Eine Schlüsselrolle spielen dabei börsengehandelte Fonds (ETFs), die einen erheblichen Anteil des verfügbaren Angebots absorbieren. Die kumulierten Zuflüsse in Spot-Bitcoin-ETFs könnten bis Ende 2026 die Marke von 100 bis 120 Mrd. USD überschreiten. Die starke institutionelle Nachfrage – unter anderem durch Pensionsfonds und Staatsfonds – in Kombination mit Angebotsrestriktionen (niedrigste Börsenreserven seit 2018 und ein wachsender Anteil langfristig gebundener BTC) stützt die sogenannte Superzyklus-These (die von einem längerfristig strukturell getriebenen Marktzyklus ausgeht). In diesem Szenario entfalten neue Kapitalzuflüsse eine überproportionale Wirkung auf den Preis.

Darüber hinaus planen Medienberichten zufolge Institutionen wie die US-Terminaufsichtsbehörde CFTC und JPMorgan, Bitcoin und Ether (ETH) als Sicherheiten für institutionelle Kreditvergabe oder Transaktionen an den Terminmärkten zu akzeptieren. Dies stellt einen wichtigen Schritt in Richtung einer vollständigen Integration von Kryptowährungen in das traditionelle Finanzsystem dar.

Prognosen für 2026 und regulatorische Risiken

Die meisten Preisprognosen für 2026 bewegen sich in einer optimistischen Konsensspanne zwischen 120.000 und 170.000 USD. Das volatilitätsbereinigte Modell von JPMorgan, das auf einer Gold-Parität basiert, sieht ein Kursniveau von 170.000 USD als erreichbar an. Das Superzyklus-Szenario – bei beschleunigter institutioneller Integration – geht sogar von Preisen von 200.000 USD oder mehr aus.

(Diese Einschätzungen stellen keine Prognose oder Empfehlung dar und basieren auf modellhaften Annahmen, die sich jederzeit ändern können.)

Gleichzeitig ist die institutionelle Expansion mit erheblichen regulatorischen Risiken verbunden. Ein zentraler Reibungspunkt ist die Umsetzung der Basel-III-Regeln ab Januar 2026. Diese schreiben für unbesicherte Krypto-Vermögenswerte eine Risikogewichtung von 100 % vor. Das bedeutet, dass Banken für jeden als Sicherheit akzeptierten Bitcoin im Wert von 100 USD ebenfalls 100 USD an Tier-1-Kapital vorhalten müssen. Dies schränkt die wirtschaftliche Attraktivität einer direkten, krypto-besicherten Kreditvergabe stark ein, sofern Banken nicht auf regulatorische Umgehungsstrategien über regulierte Produkte wie ETFs zurückgreifen.

Potenzielle Risiken: Konjunktur und übermäßige Verschuldung

Eine systemische Deflation nach dem Abklingen der Inflation („Post-Inflations-Deflation“) oder eine tiefe Rezession könnte eine breite Entschuldungswelle auslösen. Diese könnte die positiven Effekte der Liquiditätslockerung überlagern und zu erheblichen Kursrückgängen führen. Zusätzlich zu Deflationsrisiken könnten sich weitere Schwachstellen im Markt für private Kredite zeigen, ähnlich wie im September, als mehrere Unternehmen ausfielen und Gläubiger nicht vollständig bedient wurden. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den USA steigt, und eine breitere Verschlechterung im Private-Credit-Segment könnte einen Dominoeffekt im gesamten Finanzsystem auslösen. Die Beobachtung des US-Dollars sowie der Kreditspreads bleibt daher entscheidend.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der traditionelle Vierjahres-Halving-Zyklus – der historisch eng mit Konjunkturzyklen verknüpft war – möglicherweise eine strukturelle Verlängerung erfährt. Die aktuellen Veränderungen stützen derzeit nicht eindeutig die These einer jährlichen Korrektur bei Bitcoin. Die US-Wirtschaft zeigt sich weiterhin robust und könnte sich trotz interner Ungleichgewichte und divergierender Konsumtrends sogar beschleunigen, während die Geldpolitik der Federal Reserve die finanziellen Bedingungen lockert. Gleichzeitig erleichtern regulatorische Anpassungen den institutionellen Akteuren die Teilnahme an den Geldmärkten. Insgesamt erscheint dies unterstützend für den Finanzsektor, während die institutionelle und regulatorische Akzeptanz von Kryptowährungen weiter deutlich zunimmt.

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