Der Energieschock weitet sich geografisch aus.
Steigende Ölpreise und Renditen verschärfen den Bewertungsdruck. Gleichzeitig bleibt der KI-Boom intakt – doch Finanzierung und Kapitalrendite werden zum entscheidenden Filter
Der Energieschock weitet sich geografisch aus. Brent steigt am Montag um rund drei Prozent auf knapp 108 US-Dollar und hat binnen einer Woche fast neun Prozent gewonnen. Neben den Einschränkungen in der Straße von Hormus wurde nun auch die saudische Ost-West-Pipeline nach einem Drohnenangriff stillgelegt – ausgerechnet jene Route, die Hormus umgehen sollte. Solange Reparaturdauer und diplomatische Perspektive ungeklärt bleiben, ist der Ölpreisanstieg nicht mehr nur als kurzfristige Risikoprämie einzustufen. Energieimporteure in Europa und Asien bleiben besonders exponiert. Die Inflationsentlastung in den USA ist ins Stocken geraten. Die Verbraucherpreise stiegen im August um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kernrate ging zwar von 2,5 auf 2,4 Prozent zurück, beschleunigte sich monatlich aber auf 0,3 Prozent. Auch die Erzeugerpreise erhöhten sich um 0,4 Prozent und lagen 5,4 Prozent über dem Vorjahr. Energie war der wichtigste Treiber, doch auch Wohnen und einzelne Dienstleistungen verteuerten sich. Die Daten bestätigen noch keine neue breit angelegte Inflationswelle, reichen aber gemeinsam mit dem robusten Arbeitsmarkt für eine weitere geldpolitische Straffung. Auch die EZB ist wieder im Straffungsmodus. Sie erhöhte am 10. September alle drei Leitzinsen um 25 Basispunkte; der Einlagensatz steigt am 16. September auf 2,50 Prozent. Zugleich hob die EZB ihre Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 an und erwartet die Gesamtinflation erst 2028 wieder annähernd am Ziel. Die Prognose für die Kerninflation 2027 wurde auf 2,6 Prozent angehoben. Die Kombination aus widerstandsfähiger Konjunktur und länger anhaltendem Preisdruck reduziert den Spielraum für schnelle Zinssenkungen erheblich.
Der globale Anleihemarkt erzwingt eine Neubewertung von Aktien. Die zehnjährige US-Rendite erreichte vergangene Woche zeitweise fast fünf Prozent; die 30-jährige Rendite stieg auf über 5,4 Prozent. Zweijährige Renditen legten auf Wochensicht rund 26 Basispunkte zu. S&P 500 und Nasdaq verloren dennoch lediglich 0,8 beziehungsweise 0,7 Prozent, der Stoxx Europe 600 gab 1,66 Prozent nach. Das ist bislang eine geordnete Bewertungsanpassung und kein bestätigter Risk-off-Regimewechsel. Der Puffer für hoch bewertete und stark fremdfinanzierte Unternehmen wird jedoch kleiner.
KI-Nachfrage ist bestätigt aber die Kapitalintensität wird zum entscheidenden Filter. Oracle steigerte seinen Cloud-Infrastrukturumsatz um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar; der Auftragsbestand erreichte 664 Milliarden Dollar. Gleichzeitig blieb der freie Cashflow aufgrund der Rechenzentrumsinvestitionen mit fünf Milliarden Dollar negativ, und Oracle nahm über eine Aktienplatzierung 20 Milliarden Dollar auf. Adobe meldete 13 Prozent Umsatzwachstum, mehr als 150 Prozent Wachstum beim „AI-first ARR“ und erhöhte die Jahresziele. Die KI-Monetarisierung wird sichtbarer, gleichzeitig gewinnen Finanzierung, Verwässerung und Kapitalrendite gegenüber reinem Umsatzwachstum an Bedeutung. China liefert ein starkes Außenhandelssignal, aber noch keinen Beleg für eine Binnenbelebung. Exporte und Importe stiegen im August um 25 beziehungsweise 28,2 Prozent; der Handelsüberschuss erreichte 119,1 Milliarden Dollar. Für europäische Unternehmen bedeutet dies einerseits robuste chinesische Importnachfrage, andererseits weiter zunehmenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Fahrzeuge, Halbleiter und Industrieprodukte.
Die heutigen Verluste bei SoftBank und asiatischen Halbleiterwerten sind bislang überwiegend positionierungs- und nachrichtengetrieben. Ohne sinkende Investitionsbudgets der Hyperscaler oder schwächere Halbleiter-Guidance ist daraus noch kein bestätigter fundamentaler Trendwechsel abzuleiten.

Wochenvorausschau: Fed, BoE und BoJ rücken in den Mittelpunkt der Finanzmärkte
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