Jahresausblick 2026: Edelmetalle im Rampenlicht

Rekordrally bei Gold und Silber: Steht uns 2026 die nächste Phase des Edelmetall-Booms bevor – oder droht die Ernüchterung?

Luis Ruiz - Headshot (600x600)
written by
Luis Francisco Ruiz

Market Analyst


Gold legte 2025 um mehr als 65 % zu und verzeichnet damit das dritte Jahr in Folge deutliche Gewinne. Silber hat einen Großteil seiner vorherigen Verluste aufgeholt und in diesem Jahr eine außergewöhnliche Rally von über 125 % hingelegt. Auch Platin konnte mit dreistelligen Zuwächsen deutlich profitieren, während Palladium um mehr als 90 % zulegte.

Damit gehören Edelmetalle zu den stärksten Anlageklasse des Jahres 2025. Vergleichbare Marktbewegungen finden sich zuletzt in den späten 1970er-Jahren, als die Ölkrise die Inflation über mehrere Jahre hinweg in den zweistelligen Bereich trieb.

Ein unbequemer Vergleich mit den 1970er-Jahren

Natürlich befinden wir uns nicht in den 1970er-Jahren: Die Inflation gilt als weitgehend unter Kontrolle, die Ölpreise sinken weiter, und die Weltwirtschaft wächst. Doch wenn Edelmetalle als Frühindikator für kommende Entwicklungen verstanden werden, wirkt der Vergleich mit dem Ende dieses Jahrzehnts durchaus beunruhigend.

Gold-, Silber- und Platin-Futures, Monats-Chart, 1979 bis heute

Gold, Silver and Platinum futures chart 1979-present

Quelle: TradingView, 18. December 2025

Die Nachfrage nach Barren und Münzen steigt ungebremst. Zentralbanken bauen ihre Goldreserven weiter aus, während Privatanleger über physisch hinterlegte ETFs in den Markt strömen. Was bewegt institutionelle wie private Investoren gleichermaßen dazu, nahezu geschlossen zu kaufen – und das trotz immer neuer Rekordstände?

Polarisierung, Verschuldung und wachsende Unsicherheit

Edelmetalle gelten traditionell als sicherer Hafen, ihr zentraler Preistreiber ist Unsicherheit. Genau diese nimmt derzeit spürbar zu. Die Welt ist geprägt von zunehmender politischer Polarisierung, geopolitischen Spannungen und steigenden Militärausgaben – finanziert, wie so häufig, durch zusätzliche Verschuldung.

Im Verlauf des Jahres 2025 haben zahlreiche Entwicklungen diese Sorgen verstärkt: Deutschland hat die Schuldenbremse faktisch aufgegeben, Frankreich erlebt einen raschen Wechsel an der Regierungsspitze, ohne sein Haushaltsdefizit nachhaltig zu senken, und in Japan setzte Wahlsiegerin Takaichi ein umfangreiches fiskalisches Stimulusprogramm durch.

Der US-Dollar und die schwindende Attraktivität von Fiatwährungen

Auch in den USA, der Heimat des US-Dollars und größten Volkswirtschaft der Welt, zeigt sich ein vertrautes Muster: Die Verschuldung wächst weiter. Das Haushaltsdefizit dürfte 2025 bei rund 6,0 % liegen, während die Kosten für den Schuldendienst dauerhaft über der Marke von 1 Bio. USD verharren. Parallel dazu hat die Federal Reserve das Quantitative Tightening (QT) beendet und wieder mit dem Kauf von Staatsanleihen begonnen.

Weder Musks angeschlagene DOGE-Initiative noch Trumps Zollpolitik konnten die fiskalischen Ungleichgewichte eindämmen, sodass die Notenbank erneut eingreifen musste. In der Folge zeigt der US-Dollar – als Symbol der Fiatwährungen – erneut Schwächetendenzen, die an die Entwicklungen der 1970er-Jahre erinnern.

Dollarindex und Silber-Futures, Monats-Chart, 1972 bis heute

Dollar index and Silver futures monthly chart, 1972-present

Quelle: TradingView, 17. Dezember 2025

Ausblick auf 2026: Wie viel Potenzial hat Gold noch?

Diese Frage ist berechtigt.

Da sich die aktuellen strukturellen Entwicklungen nur schwer umkehren lassen, dürften Edelmetalle weiterhin das Interesse neuer Investoren auf sichziehen. Gleichzeitig sehen sich bestehende Anleger in ihren Positionen bestätigt und haben wenig Anreiz zu verkaufen – es sei denn, es entsteht ein akuter Liquiditätsbedarf oder eine überzeugende Alternative tritt auf den Plan.

Aus Sicht vieler Marktteilnehmer könnte diese Zurückhaltungden übergeordneten Aufwärtstrend stützen. Um das derzeitige Tempo der nahezu vertikalen Kursanstiege jedoch fortzusetzen, wäre ein zusätzlicher Katalysator erforderlich. Auf dem aktuellen Preisniveau macht Gold bereits einen erheblichen Anteil vieler Portfolios aus (rund 10 %). Ohne eine tatsächliche Eskalation der bestehenden Risiken erscheint eine Fortsetzung der Rally in dieser Dynamik daher nur begrenzt nachhaltig.

Disclaimer: Dieses Informationsmaterial (unabhängig davon, ob es Meinungen wiedergibt oder nicht) dient lediglich der allgemeinen Information. Es stellt keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Es sollte nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. Das Informationsmaterial ist niemals dahingehend zu verstehen, dass CMC Markets den Erwerb oder die Veräußerung bestimmter Finanzinstrumente, einen bestimmten Zeitpunkt für eine Anlageentscheidung oder eine bestimmte Anlagestrategie für eine bestimmte Person empfiehlt oder für geeignet hält. Insbesondere berücksichtigen die Informationen nicht die individuellen Anlageziele oder finanziellen Umstände des einzelnen Investors. Die Informationen wurden nicht in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Anforderungen zur Förderung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse erstellt und gelten daher als Werbemitteilung. Obwohl CMC Markets nicht ausdrücklich daran gehindert ist, vor der Bereitstellung der Informationen zu handeln, versucht CMC Markets nicht, vor der Verbreitung der Informationen einen Vorteil daraus zu ziehen. CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren.

:
DAX remains stuck between positive US cues and economic strain

DAX macht weiter Boden gut – Positive Tendenz in der Berichtssaison

Sinkende Ölpreise und solide Quartalszahlen stützen den DAX, während Luxuswerte deutlich unter Druck geraten.

S&P 500 Q1 results season starts with optimism, rich valuations and asymmetric risk

Micron Technology –Fokus auf KI-Speicher und zukünftige Wachstumsperspektiven

Micron profitiert vom KI-Boom: Speicherlösungen wie HBM werden zum entscheidenden Faktor für Wachstum und Wettbewerb im Halbleitermarkt.

Semiconductor close up black

DAX startet über 24 000 Punkten – Berichtssaison verdrängt die Geopolitik

Der DAX hält sich über 24.000 Punkten, während Investoren ihren Fokus von geopolitischen Risiken auf Unternehmenszahlen verlagern.

Loading...
Loading...