Der Einfluss des Kriegs im Iran auf die internationalen Finanzmärkte

Die Eskalation im Iran-Konflikt sorgt weltweit für Turbulenzen an Börsen, steigende Energiepreise und wachsende Inflationsrisiken.

CMC Analysts picture Andreas Lipkow-small
verfasst von
Andreas Lipkow

Chef-Marktanalyst


Die vergangene Handelswoche stand im Zeichen erheblicher Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten, die maßgeblich durch die Eskalation des Konflikts mit dem Iran ausgelöst wurden. Weltweit verzeichneten Aktienindizes deutliche Verluste, während die Energiepreise stark anzogen und die allgemeine Volatilität an den Märkten spürbar zunahm.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Investoren standen zunehmende Inflationssorgen sowie Unsicherheiten über die mögliche Dauer des Konflikts, der am 28. Februar 2026 mit gemeinsamen US-israelischen Luftangriffen auf iranische Ziele begann. Rund 900 Luftangriffe auf iranische Militär- und Nuklearanlagen markierten den Auftakt der militärischen Eskalation, die sich in den darauffolgenden Tagen weiter verschärfte.

Im Zuge der Angriffe wurden laut Berichten der iranische Oberste Führer Ali Khamenei sowie mehrere hochrangige Offiziere getötet, darunter der Kommandeur der Revolutionsgarden (IRGC), Mohammad Pakpour. Ziel der Luftschläge waren unter anderem Raketenbasen, Luftverteidigungssysteme sowie Nuklearanlagen wie die Anlage in Natanz.

Der Iran reagierte mit mehreren Wellen von Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, auf US-Militärbasen in der Region sowie auf Ziele in Golfstaaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Bahrain. Die Angriffe führten zu vorübergehenden Luftraumschließungen und zu erheblichen Störungen im Öltransport durch die Straße von Hormus.

Berichten zufolge kamen dabei drei US-Soldaten ums Leben, während Explosionen auch in mehreren Ländern der Region gemeldet wurden. Bis zum 6. März intensivierten sich die Luftangriffe auf Teheran, Beirut und weitere Städte. Israel griff mutmaßlich Einrichtungen der Revolutionsgarden sowie den Berater Khameneis, Ali Asghar Hejazi, an.

Der Iran rief eine 40-tägige Staatstrauer aus und kündigte Vergeltungsschläge gegen die USA und Israel an. Zu den zivilen Opfern zählten mehr als 160 Tote infolge eines Angriffs auf eine Mädchenschule in Minab. Parallel weitete sich der Konflikt auf weitere Regionen aus, darunter den Libanon mit Aktivitäten der Hisbollah sowie kurdische Gebiete.

US-Präsident Donald Trump signalisierte derweil Unterstützung für mögliche kurdische Offensiven und forderte öffentlich die „bedingungslose Kapitulation“ des Iran. Der Iran ernannte am vergangenen Wochenende einen neuen Staatsführer und drohte mit weiteren Angriffen gegen US-Militäreinrichtungen.

Die Reaktionen an den Finanzmärkten

Die US-Aktienindizes beendeten die Woche mit deutlichen Kursverlusten. Der S&P 500 gab um rund 2 Prozent nach, der Nasdaq verlor 1,24 Prozent und der Dow Jones Industrial Average etwa 1,6 Prozent.

Im Vergleich dazu reagierten die europäischen Aktienmärkte deutlich sensibler auf die geopolitische Eskalation. Der STOXX Europe 600 verzeichnete stärkere Verluste, was insbesondere auf die höhere Energieabhängigkeit Europas zurückzuführen ist.

Die asiatischen Börsen konnten sich zum Wochenschluss teilweise stabilisieren, blieben insgesamt jedoch im negativen Bereich. Belastend wirkten ein stärkerer US-Dollar sowie der kräftige Anstieg der Ölpreise.

Auch im globalen Transportsektor wurden die Auswirkungen deutlich sichtbar. Die Kosten für Öltransporte explodierten förmlich. Die Tagesrate für Tankertransporte vom Nahen Osten nach China stieg von rund 120.000 US-Dollar auf über 450.000 US-Dollar.

Der Preis für Brent-Rohöl kletterte infolge der Lieferstörungen im Persischen Golf auf über 106 US-Dollar je Barrel. Damit verzeichnete der Ölpreis innerhalb einer Woche einen Anstieg von nahezu 50 Prozent. Ausschlaggebend war vor allem die zeitweise faktische Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Energiehandelsrouten der Welt.

Auch klassische „sichere Häfen“ waren stark gefragt. Der Goldpreis stieg zeitweise auf über 5.200 US-Dollar je Feinunze, da Investoren verstärkt in sicherheitsorientierte Anlagen umschichteten.

Am europäischen Gasmarkt verteuerte sich der Referenzpreis TTF auf rund 50 Euro je Megawattstunde. Besonders zu Beginn der Woche kam es hier zu starken Preissprüngen.

Kryptowährungen entwickelten sich hingegen uneinheitlich. Bitcoin notierte im Wochenverlauf nahe der Marke von 70.000 US-Dollar, wobei gleichzeitig deutliche Mittelabflüsse aus mehreren Krypto-ETFs registriert wurden.

Potenzielle Auswirkungen

Der Konflikt hat bereits spürbare Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte und birgt erhebliche Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Die zeitweise Schließung der Straße von Hormus unterbrach rund 20 Prozent des globalen Öltransports sowie etwa ein Viertel des weltweiten Erdgasangebots. Diese Entwicklung führte zu einem kräftigen Preisanstieg bei Energie und verstärkte Inflationssorgen.

Die steigenden Energiepreise belasteten insbesondere die Aktienmärkte in energieabhängigen Regionen wie Europa und erhöhten gleichzeitig die Volatilität an den Finanzmärkten. Parallel dazu stiegen Transport- und Versicherungskosten im Schifffahrtssektor deutlich an, was zusätzliche Belastungen für globale Lieferketten bedeutet.

Sollte sich der Konflikt weiter ausweiten oder länger andauern, könnten die Ölpreise laut Marktbeobachtern auf bis zu 150 US-Dollar pro Barrel steigen. Ein solcher Preisanstieg würde den Inflationsdruck weiter erhöhen und mögliche Zinssenkungen der Notenbanken deutlich verzögern.

Zudem könnten steigende Verteidigungsausgaben in den USA die ohnehin hohen Haushaltsdefizite weiter ausweiten und zusätzliche Auswirkungen auf die Renditen der US-Staatsanleihen haben.

Langfristig drohen darüber hinaus breitere wirtschaftliche Spillover-Effekte, einschließlich wachsender Rezessionsrisiken, insbesondere wenn Energieknappheit und hohe Rohstoffpreise über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben.

Eine rasche diplomatische Deeskalation oder eine Feuerpause könnte hingegen zu einer deutlichen Erholung an den internationalen Finanzmärkten führen. Historisch betrachtet gelingt es den Märkten häufig, geopolitische Schocks nach einer ersten Phase der Unsicherheit relativ schnell zu verarbeiten.

Dennoch gilt: Je länger der Konflikt anhält, desto größer dürften die wirtschaftlichen und finanziellen Belastungen für die Weltwirtschaft ausfallen.

:
Frankfurt stock exchange

DAX leicht erholt – Skepsis bezüglich Friedensbemühungen bleibt

Trotz kurzfristiger Entspannung dominieren Zweifel an den Iran-Verhandlungen und belasten die Märkte weiterhin.

Oracle Corp. company headquarters

Oracle – KI-Profiteur mit welchen Wachstumsperspektiven

Oracle transformiert sich zum Cloud- und KI-Player – mit starken Chancen, aber auch wachsendem Wettbewerbsdruck.

Forex-vs-stocks_extra

DAX setzt zur Erholung an – Hoffnung auf eine Verhandlungslösung im Iran-Krieg

Entspannungssignale im Iran-Konflikt und sinkende Ölpreise geben dem DAX Rückenwind zum Handelsstart.

Loading...
Loading...