
Jahresausblick 2026: Der US-Dollar, der Yen und sich verändernde Marktdynamiken
2026 könnte ein Jahr der geldpolitischen Divergenz werden: Ein schwächerer US-Dollar, ein stärkerer Yen und eine steilere Zinskurve könnten die Märkte deutlich volatiler machen.
Die geldpolitischen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Auf eine Phase außergewöhnlich expansiver Maßnahmen folgte ein Umfeld rascher Zinserhöhungen und erhöhter Marktanpassungen. Zu Beginn des Jahres 2026 zeigt sich nun ein Bild, in dem die großen Volkswirtschaften geldpolitisch zunehmend unterschiedliche Wege einschlagen.
Mit der zunehmenden Divergenz der globalen Geldpolitik könnten volatilere Zeiten bevorstehen, wobei die tatsächliche Marktentwicklung von zahlreichen Faktoren abhängt. Das kommende Jahr markiert in vielerlei Hinsicht einen deutlichen Bruch mit den Jahren nach der Covid-19-Pandemie. Damals stellten Regierungen umfangreiche fiskalische Hilfen bereit, während Zentralbanken die Zinsen senkten und groß angelegte Anleihekaufprogramme auflegten. Diese Maßnahmen trugen zur Stabilisierung der großen Volkswirtschaften bei und gingen zugleich mit Entwicklungen einher, die unter anderem den Inflationsanstieg in den Jahren 2021 und 2022 begünstigten. In der Folge kam es zu schnellen Zinserhöhungen, steigenden Anleiherenditen und einer längeren Phase der Stärke des US-Dollars.
Zu Beginn des Jahres 2026 zeigt sich nun ein differenzierteres Bild. Statt eines Gleichlaufs bewegen sich die großen Volkswirtschaften zunehmend in unterschiedliche Richtungen. Japan befindet sich weiterhin klar auf einem Zinserhöhungspfad. Im Euroraum könnte sich die Europäische Zentralbank angesichts einer sich verbessernden Konjunktur von Zinssenkungen hin zu Zinserhöhungen bewegen. In Großbritannien scheint die Bank of England ihrem Lockerungszyklus nahe zu kommen, obwohl das Wirtschaftswachstum schwach bleibt und sich die Inflation als hartnäckig erweist. Eine Divergenz der Geldpolitik war zuletzt bereits erkennbar: In der letzten vollständigen Arbeitswoche vor Weihnachten 2025 beließ die EZB die Zinsen unverändert, die Bank of England senkte sie, während die Bank of Japan eine Zinserhöhung vornahm.
Wie stark wird die US-Notenbank 2026 die Zinsen senken?
Die größte Unsicherheit geht weiterhin von den USA aus. Viel hängt von der zukünftigen Führung der US-Notenbank ab, da der amtierende Vorsitzende Jay Powell im Mai zurücktreten soll. Nach aktueller Markteinschätzung rechnen Marktteilnehmer dennoch auch 2026 mit weiteren Zinssenkungen – wahrscheinlich zwei oder drei, möglicherweise sogar bis zu vier. Ein solcher Zinspfad würde unter normalen Marktbedingungen tendenziell Druck auf den US-Dollar ausüben.
Ein schwächerer Dollar könnte sich unter bestimmten Marktbedingungen unterstützend auf Währungen wie Euro, Yen und Pfund auswirken, Importe in diesen Volkswirtschaften verbilligen und damit potenziell den Inflationsdruck dämpfen. Gleichzeitig könnten in den USA selbst disinflationäre Tendenzen auftreten, insbesondere vor dem Hintergrund weiter fallender Energiepreise.
Marktindikatoren stützen diese Einschätzung. Instrumente wie zweijährige inflationsindexierte Swaps in den USA sind deutlich gefallen und deuten auf rückläufige Inflationserwartungen hin. Zudem preisen die Devisenmärkte zunehmend stärkere europäische und japanische Währungen gegenüber dem Dollar ein, begleitet von einer steileren US-Zinskurve, da Investoren mit einer lockereren Geldpolitik der Fed rechnen.
Zinskurven und Marktvolatilität
Sollten die kurzfristigen US-Zinsen sinken, während die langfristigen Renditen von US-Staatsanleihen relativ stabil bleiben, könnten die realen Renditen steigen. Dies würde die finanziellen Rahmenbedingungen verschärfen und könnte sich belastend auf risikoreichere Anlageklassen wie Aktien auswirken.
Besonders relevant wäre eine ausgeprägtere Versteilung der US-Zinskurve, bei der langfristige Zinsen deutlich über die kurzfristigen steigen. Historisch ging der Übergang von einer inversen zu einer normaleren Zinskurve häufig mit Phasen erhöhter Marktspannungen oder steigender Volatilität einher, ohne dass daraus Rückschlüsse auf künftige Marktverläufe gezogen werden können. Dennoch gibt es wenig Anlass anzunehmen, dass dieses Muster grundsätzlich nicht erneut auftreten könnte – insbesondere dann, wenn die Versteilung mit schwächeren Wachstumserwartungen und sinkender Inflation einhergeht.
Insgesamt deutet dieses Umfeld auf potenziell holprigere und volatilere Marktbedingungen im Jahr 2026 hin.
Der Yen könnte 2026 stärker in den Fokus rücken
Vor diesem makroökonomischen Hintergrund könnte der japanische Yen an Stärke gewinnen, insbesondere unter der Voraussetzung, dass die Bank of Japan ihren Zinserhöhungskurs im Jahr 2026 fortsetzt. Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan hat sich bereits verringert und damit einen der Hauptfaktoren abgeschwächt, der den Yen in den vergangenen Jahren belastet hat.
Auch die Terminmärkte deuten auf weiteren Spielraum für eine Aufwertung hin. Technische Signale lassen darauf schließen, dass sich der Yen zunächst schrittweise erholen und anschließend deutlicher zulegen könnte. Eine Bewegung in Richtung eines stärkeren Yen-Niveaus, beispielsweise im Bereich von 142 Yen je US-Dollar, wird von einigen Marktteilnehmern als möglich erachtet, sofern sich die entsprechende Marktdynamik verstärkt.
Zudem besteht weiterhin eine erkennbare Diskrepanz zwischen dem aktuellen Wechselkurs des Yen und dem Niveau, das sich aus den Zinsdifferenzen ableiten ließe. Eine schrittweise Anpassung dieser Abweichung könnte im Jahr 2026 erfolgen.
USD/JPY, Tageschart, 2023 bis heute

Quelle: TradingView, 18. Dezember 2025
Gold im Spannungsfeld sinkender Inflationserwartungen
Die jüngste Stärke des Goldpreises fügt sich weniger eindeutig in dieses Gesamtbild ein. Sollten sich die finanziellen Bedingungen verschärfen und die Inflationserwartungen in den USA weiter sinken, könnte das Umfeld für steigende Goldpreise herausfordernder werden.
Gold wird häufig als Absicherung gegen Inflation oder Währungsabwertung betrachtet. Sinkende Inflationserwartungen stellen diese Rolle jedoch infrage. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Faktoren künftig maßgeblich für die weitere Preisentwicklung von Gold sein könnten und ob der jüngste Preisanstieg primär durch fundamentale Aspekte oder durch Positionierungen getrieben war.
Ein schwächerer US-Dollar kann grundsätzlich unterstützend für Gold wirken, würde jedoch typischerweise auch die Ölpreise stützen – was zuletzt nicht zu beobachten war. Öl notiert derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit 2021. Sollten Inflationssorgen nicht der dominierende Treiber sein, könnte Gold im weiteren Verlauf des Jahres 2026 zusätzliche Impulse benötigen, um jüngste Kursgewinne zu untermauern.
Ein potenziell anspruchsvolleres Umfeld für risikobehaftete Anlagen
Prognosen für das kommende Jahr bleiben mit Unsicherheiten behaftet – insbesondere in einem Umfeld, das von geldpolitischen Veränderungen und geopolitischen Faktoren geprägt ist. Gleichwohl spricht vieles dafür, dass sich das Marktumfeld 2026 deutlich von dem des Vorjahres unterscheiden könnte.
Historisch war eine Aufwertung des Yen häufig mit einer vorsichtigeren Haltung der Anleger sowie mit dem Abbau von Yen-Carry-Trades verbunden – einer Strategie, bei der in Yen finanziert und in höher verzinste Anlagen investiert wird. In Kombination mit einer steileren Zinskurve, sinkenden Inflationserwartungen und steigenden realen Renditen könnte dies auf ein herausfordernderes Umfeld für risikobehaftete Anlageklassen hindeuten und die Wahrscheinlichkeit erhöhter Marktvolatilität im kommenden Jahr erhöhen.
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