Strategy Inc – Softwareunternehmen oder Bitcoin-Vehikel?

Strategy hat sich vom Softwareanbieter zu einem der größten börsennotierten Bitcoin-Investoren entwickelt. Doch was bedeutet diese Strategie für Anleger?

CMC Analysts picture Andreas Lipkow-small
verfasst von
Andreas Lipkow

Chef-Marktanalyst


Strategy Inc., früher bekannt als MicroStrategy, ist ein US-amerikanisches Technologieunternehmen, das ursprünglich als Anbieter von Business-Intelligence-Software und Datenanalyseplattformen gegründet wurde. Die Lösungen des Unternehmens unterstützen Organisationen dabei, große Datenmengen auszuwerten und strategische Entscheidungen datenbasiert zu treffen.

Während das operative Softwaregeschäft weiterhin besteht, hat sich Strategy in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Hybrid aus Technologieunternehmen und Bitcoin-Investmentvehikel entwickelt. Der entscheidende strategische Wandel begann im Jahr 2020, als das Unternehmen Bitcoin als primäres Treasury-Reserveasset in seine Unternehmensbilanz aufnahm.

Strategy verfolgt eine klar definierte Kapitalstrategie: Bitcoin soll langfristig als Wertspeicher und zentrales Reserveasset der Unternehmensbilanz dienen.

Die Grundüberlegung hinter dieser Strategie, wie sie CEO Michael Saylor mehrfach betont hat, basiert auf drei zentralen Punkten:

  • Schutz vor langfristiger Geldentwertung

  • Nutzung der begrenzten Angebotsstruktur von Bitcoin

  • Positionierung als börsennotiertes Vehikel für institutionelles Bitcoin-Exposure

Um den kontinuierlichen Ausbau der Bitcoin-Bestände zu finanzieren, nutzt Strategy verschiedene Kapitalmarktinstrumente. Zu Beginn der Strategie wurden vor allem vorhandene Cashbestände aus dem operativen Geschäft eingesetzt. In den folgenden Jahren griff das Unternehmen zusätzlich auf:

  • Unternehmensanleihen

  • Wandelanleihen

  • Kapitalerhöhungen

zur Finanzierung weiterer Bitcoin-Käufe zurück.

In der vergangenen Handelswoche hat Strategy seine Position erneut deutlich ausgebaut und rund 18.000 Bitcoin erworben. Damit verfolgt das Unternehmen konsequent seine langfristige Akkumulationsstrategie. Die zusätzlichen Bestände erhöhen den ohnehin bereits sehr großen Bitcoin-Vorrat des Unternehmens weiter und unterstreichen die Rolle von Strategy als größter börsennotierter Bitcoin-Halter weltweit.

Damit fungiert das Unternehmen de facto als eine Art börsengehandelter Bitcoin-Leverage-Proxy für Investoren.

Das Unternehmen nutzt zur Finanzierung seiner Bitcoin-Bestände eine Sonderkonstruktion in Form von Vorzugsaktien, die revolvierend, der Nachfragesituation entsprechend, neu ausgegeben werden und separat an den US-Börsen notiert sind. Bei Kursen über 100 USD werden neue Vorzugsaktien ausgegeben und dieses Geld zum Ausbau der Bitcoinbestände genutzt.

Michael Saylor bleibt weiterhin bei seiner Strategie und untermauerte dies zuletzt in mehreren Interviews. Das Vertrauen des Managements liegt in der langfristigen Wertentwicklung von Bitcoin und geht mit der Bereitschaft einher, Marktvolatilität im Kryptosegment für weitere Käufe zu nutzen.

Für Investoren ergibt sich daraus eine besondere Situation. Wer vor zehn Jahren in das Unternehmen investierte, tat dies primär aufgrund des Softwaregeschäfts. Heute muss Strategy jedoch aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden.

Das Geschäftsmodell lässt sich aktuell in zwei zentrale Bereiche unterteilen:

1. Das originäre Softwaregeschäft

  • Business-Intelligence-Plattform

  • Datenanalyse- und Reportinglösungen

  • Enterprise-Kunden weltweit

2. Bitcoin-Treasury-Strategie

  • langfristige Akkumulation von Bitcoin

  • Finanzierung über Kapitalmarktinstrumente

  • Positionierung als börsennotierter Zugang zu Bitcoin

Während das Softwaregeschäft weiterhin stabile Einnahmen generiert, ist die Bitcoin-Strategie mittlerweile der dominierende Treiber zur Bewertung des Unternehmens und Wahrnehmung am Kapitalmarkt.

Genau in dieser Struktur liegt jedoch auch das größte Risiko. Die hohe Volatilität von Bitcoin beeinflusst den Unternehmenswert von Strategy maßgeblich. Dadurch lässt sich das Unternehmen kaum noch mit klassischen Softwarefirmen vergleichen.

Strategy nimmt damit eine Sonderrolle im Finanzmarkt ein. Viele Investoren betrachten das Unternehmen inzwischen weniger als Softwareanbieter, sondern vielmehr als eine Art Bitcoin-Holdinggesellschaft.

Entsprechend reagiert die Aktie häufig stärker auf Bewegungen des Bitcoin-Preises als auf operative Kennzahlen aus dem Softwaregeschäft. Quartalszahlen oder Entwicklungen im Enterprise-Softwaremarkt treten für viele Marktteilnehmer zunehmend in den Hintergrund.

Für Investoren entsteht dadurch eine hybride Investmentstory. Ein Investment in Strategy bedeutet gleichzeitig:

  • Beteiligung an einem Technologieunternehmen mit wiederkehrenden Softwareumsätzen

  • stark gehebeltes Exposure gegenüber der Kursentwicklung von Bitcoin

Diese Struktur führt aber zu einer grundsätzlichen Problematik für Anleger: Wer gezielt in Bitcoin investieren möchte, kann dies direkt über Kryptowährungen oder entsprechende ETFs tun. Wer hingegen in ein klassisches Softwareunternehmen investieren möchte, findet bei Strategy kein reines Exposure mehr auf dieses Geschäftsmodell.

Strategy hat sich in den vergangenen Jahren von einem traditionellen Softwareanbieter zu einem einzigartigen Kapitalmarktvehikel mit starker Bitcoin-Ausrichtung entwickelt. Bitcoin ist mittlerweile der zentrale Bestandteil der Unternehmensbilanz und soll nach Aussage des Managements auch künftig weiter ausgebaut werden.

Damit bleibt Strategy eines der prominentesten Beispiele dafür, wie Unternehmen Kryptowährungen strategisch in ihre Finanzstruktur integrieren können.

Für Investoren stellt sich daher weniger die Frage, ob Strategy ein Softwareunternehmen ist, sondern vielmehr, wie viel Bitcoin-Exposure sie über eine Aktie in ihrem Portfolio halten möchten.

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