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BlackBerry: Vom Smartphone-Pionier zum Spezialisten für Cybersecurity und intelligente Fahrzeuge. Steht nun die nächste Wachstumsphase bevor?

BlackBerry hat sich vom Smartphone-Hersteller zum Anbieter sicherheitskritischer Software entwickelt. Kann QNX den Turnaround und eine neue Wachstumsphase einleiten?

Andreas Lipkow - Headshot (600x600)
verfasst von
Andreas Lipkow

Chef-Marktanalyst


22. Juli 2026, 10:30

Für viele Anleger ist BlackBerry bis heute untrennbar mit den legendären Smartphones verbunden, die in den frühen 2000er-Jahren als Synonym für sichere mobile Kommunikation galten. Tatsächlich hat sich das kanadische Unternehmen jedoch in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Das einstige Hardwaregeschäft spielt heute praktisch keine Rolle mehr. Stattdessen konzentriert sich BlackBerry auf Softwarelösungen für Cybersecurity sowie auf sicherheitskritische Betriebssysteme für die Automobilindustrie und industrielle Anwendungen. Genau dieser tiefgreifende Wandel macht die Aktie für langfristig orientierte Investoren wieder interessant – auch wenn der Turnaround bislang langsamer verläuft, als viele Marktteilnehmer ursprünglich erwartet hatten.

Das Herzstück des Unternehmens ist heute die Softwareplattform QNX. Dabei handelt es sich um ein Echtzeitbetriebssystem, das überall dort eingesetzt wird, wo maximale Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit erforderlich sind. QNX findet sich mittlerweile in mehr als 250 Millionen Fahrzeugen weltweit und wird unter anderem von Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen, Stellantis, Ford, General Motors sowie zahlreichen weiteren Automobilherstellern eingesetzt. Die Software steuert unter anderem Infotainmentsysteme, Fahrerassistenzsysteme, digitale Cockpits und sicherheitskritische Fahrzeugfunktionen. Mit dem zunehmenden Wandel hin zum softwaredefinierten Fahrzeug gewinnt diese Technologie weiter an Bedeutung.

Gerade der Trend zu autonomen Fahrzeugen eröffnet BlackBerry langfristig interessante Perspektiven. Moderne Fahrzeuge bestehen heute aus Millionen Programmzeilen und entwickeln sich zunehmend zu rollenden Hochleistungscomputern. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Cybersecurity und funktionale Sicherheit kontinuierlich. Hersteller benötigen daher stabile Betriebssysteme, die höchste Sicherheitsstandards erfüllen und gleichzeitig flexibel genug sind, um neue Funktionen über Software-Updates bereitzustellen. Genau in diesem Marktsegment besitzt QNX eine starke Wettbewerbsposition.

Doch nicht nur die Automobilindustrie könnte künftig für Wachstum sorgen. Auch in Bereichen wie Robotik, Medizintechnik, Industrieautomation, Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt werden Echtzeitbetriebssysteme immer wichtiger. Mit der zunehmenden Vernetzung von Maschinen und dem Einsatz künstlicher Intelligenz entstehen zahlreiche neue Anwendungsfelder, in denen BlackBerry seine langjährige Erfahrung bei sicherheitskritischer Software nutzen könnte.

Neben QNX betreibt BlackBerry weiterhin ein Cybersecurity-Geschäft, das Unternehmen und Behörden gegen digitale Angriffe schützen soll. In diesem Bereich gestaltet sich die Situation jedoch deutlich schwieriger. Der Wettbewerb wird von Unternehmen wie CrowdStrike, Palo Alto Networks, Fortinet oder Microsoft dominiert, die in den vergangenen Jahren wesentlich stärker gewachsen sind. BlackBerry konnte seine Marktposition hier bislang nicht im gleichen Maße ausbauen und konzentriert sich zunehmend auf spezialisierte Sicherheitslösungen für Behörden, kritische Infrastrukturen und industrielle Anwendungen.

Gerade diese Entwicklung erklärt auch die zurückhaltende Bewertung der Aktie. Während viele Technologieunternehmen vom Boom rund um künstliche Intelligenz und Cybersecurity erheblich profitieren konnten, befindet sich BlackBerry weiterhin in einer Transformationsphase. Der Markt wartet seit Jahren darauf, dass sich die hohe technologische Qualität von QNX auch in einer nachhaltig stärkeren Umsatz- und Gewinnentwicklung widerspiegelt. Bislang verlief dieser Prozess langsamer als erhofft.

Dennoch besitzt das Unternehmen einige interessante Wettbewerbsvorteile. Das umfangreiche Patentportfolio gehört weiterhin zu den wertvollsten Vermögenswerten des Konzerns. BlackBerry verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Bereich verschlüsselter Kommunikation und hält zahlreiche Patente, die auch künftig Lizenz- und Kooperationserträge ermöglichen können. Gleichzeitig könnte QNX angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Automobilindustrie und der Entwicklung autonomer Fahrzeuge langfristig an strategischem Wert gewinnen.

Aus Investorensicht stellt sich daher die Frage, ob BlackBerry eher als Turnaround-Unternehmen oder als langfristiger Infrastrukturwert betrachtet werden sollte. Während kurzfristige Wachstumsimpulse derzeit noch begrenzt erscheinen, könnte die zunehmende Verbreitung softwaredefinierter Fahrzeuge sowie intelligenter Industrie- und Robotiksysteme langfristig zu einer Neubewertung führen.

Den Chancen stehen jedoch auch erhebliche Risiken gegenüber. Das wichtigste Risiko bleibt das bislang verhaltene Wachstum. Obwohl QNX technologisch hervorragend positioniert ist, gelingt es BlackBerry bisher nur eingeschränkt, daraus eine Dynamik zu entwickeln, die mit den führenden Software- oder KI-Unternehmen vergleichbar wäre. Hinzu kommt der intensive Wettbewerb im Cybersecurity-Markt, in dem finanzstarke Konkurrenten ihre Marktanteile kontinuierlich ausbauen. Auch die starke Abhängigkeit von der Automobilindustrie stellt einen Unsicherheitsfaktor dar. Sollten Fahrzeughersteller ihre Investitionen in neue Softwareplattformen vorübergehend reduzieren, könnte sich dies unmittelbar auf die Geschäftsentwicklung auswirken.

Gleichzeitig bietet genau diese Ausgangslage Chancen für langfristig orientierte Anleger. Sollte sich QNX als Standardplattform für softwaredefinierte Fahrzeuge etablieren und gleichzeitig neue Anwendungen in Robotik, Industrieautomation oder Verteidigung erschließen, könnte sich die Wahrnehmung des Unternehmens grundlegend verändern. Darüber hinaus gilt BlackBerry aufgrund seines attraktiven Patentportfolios und der etablierten Position im Automotive-Sektor immer wieder als potenzieller Übernahmekandidat für größere Technologie- oder Halbleiterunternehmen.

Insgesamt präsentiert sich BlackBerry heute als völlig anderes Unternehmen als noch vor zehn Jahren. Die Aktie ist keine Wette mehr auf Smartphones, sondern auf die zunehmende Digitalisierung sicherheitskritischer Systeme. Für Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont und einer gewissen Risikobereitschaft kann BlackBerry deshalb durchaus eine interessante Beimischung darstellen. Wer allerdings auf kurzfristiges Wachstum oder eine direkte Beteiligung am aktuellen KI-Boom setzt, dürfte derzeit bei anderen Technologieunternehmen attraktivere Investmentmöglichkeiten finden. BlackBerry bleibt damit vor allem ein Turnaround- und Infrastrukturwert, dessen zukünftige Entwicklung maßgeblich davon abhängen wird, ob das Unternehmen seine technologische Stärke künftig erfolgreicher in nachhaltiges Umsatz- und Gewinnwachstum umsetzen kann.

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