Auf dem G20-Gipfel in Osaka wird handelspolitischer High Stakes Poker gespielt. Niemand wird dabei als Gewinner vom Tisch gehen, wenn man sich nicht einigt. Strafzölle sind ein Werkzeug, die Chinesen an den Verhandlungstisch zu zwingen. Strafzölle sind toxisch, wenn sie zu lange angewandt werden. Und die Weltwirtschaft zeigt schon sichtlich Vergiftungserscheinungen. Kurzfristige geldpolitische Antibiotika sind sinnlose Symptombekämpfung, wenn der Patient danach weiter vergfitet wird. Irgendwann wird der Patient zwangsläufig krank, wenn die Ursachen nicht behoben werden.

Das Fiebertermometer der Kapitalmärkte war seit jeher das Gold. Steigt das Fieber, klettert der Goldpreis nach oben. Technisch hat Gold im August des Jahres 2018 einen Boden ausgebildet. Und es hatte bis 1376 USD/Unze eigentlich eine volle Bewegung von 423,6% des ursprünglichen Impulses ausgebildet. Nun steigt es aber dynamisch und mit brachialem Momentum weiter. Die Frage stellt sich, ob hier die gleichen Käufer aktiv geworden sind, die den BitCoin handeln:

Solange sich im Stundenkerzenintervall keine 123-Tops erkennen lassen kann diese Aufwärtsbewegung – da markttechnisch sauber – auch noch weiter laufen. Eine mögliche Zielzone ließe sich dann erst im Big Picture Chart bestimmen. Dort bestimmt immer noch das große 123-Top der Jahre 2011 bis 2013 das Kursgeschehen. Goldanleger, die schon länger im Geschäft sind, kennen diesen Kurs bestimmt, da er als Goldman-Sachs-Support bekannt wurde. Anfang April des Jahres 2013 veröffentlichte Goldman Sachs eine Studie, wonach man von einem weiter sinkenden Goldpreis in den kommenden Jahren ausgehe. Viele Anleger brachten diese Studie mit dem dann folgenden Bruch der Unterstützung bei 1532 USD/Unze in Verbindung. Genau diese Unterstützung ist jetzt ein möglicher Widerstand für Gold. Sie ist der Punkt 1 des großen 123-Tops:

Nun gibt es wie immer an der Börse mehrere mögliche Szenarien. Gold ist im Big Picture immer noch technisch bärisch. Eine Bestätigung, dass das auch weiter der Fall ist, wäre ein dynamisches Abprallen an 1532 USD/Unze – also ein erneuter Rückgang der Preise von diesem Niveau aus. Gold würde technisch neutral werden, wenn es sich über 1532 USD/Unze etabliert und wenn der Markt damit beginnen würde, 1532 USD/Unze zu kaufen. Dann kann es zu einem bullischen Druckaufbau in Richtung des Punktes 2 des 123-Tops bei 1800 USD/Unze kommen. Über 1921 USD/Unze wäre das 123-Top zerstört und es könnte ein Angriff auf die 2000-Dollar-Marke starten.

Gerade weil die Stimmung gerade so schlecht ist könnte Osaka aber auch zum ganz großen Wurf werden. Die Börsen könnten mit Osaka ihren zweiten Sintra-Moment erleben, wenn sie am Montag nach einem erfolgreichen Xi-Trump-Treffen am Wochenende eröffnen. Ob die Märkte das Szenario einer Einigung einpreisen wird sich auch daran ablesen lassen, ob der DAX über 12180 Punkten ins Wochenende gehen wird.

Man darf nicht vergessen: Das Zugpferd heißt Wall Street, und die Indizes dort stehen in Tuchfühlung zum Allzeithoch. Osaka kann genau das Breakaway-Gap produzieren, das zur Auflösung der fast eineinhalb Jahre alten Seitwärtsbewegung im S&P 500 Index notwendig wäre. Jetzt liegt es in der Hand der Chinesen und Amerikaner, die Kuh vom Eis zu holen. In dieser Woche ist Abwarten angesagt, die G20-Einsätze sind einfach zu hoch, wie man anhand der Charts in diesem Artikel eindrucksvoll ablesen kann.