Die Einlassungen eines Donald Trumps gleichen dem Griff in eine Wundertüte – man weiß im Vorfeld nie, was man bekommt.

Sicher ist aber, dass die USA nicht Nordkorea sind und es dort Kammern und Abgeordnete gibt – Trump kann deshalb nicht eigenständig und im Alleingang regieren. Die Normativität des Faktischen spielt bei Donald Trump aber eine große Rolle. Der neue Präsident der Vereinigten Staaten besitzt für die Finanzmärkte eine derart hohe Strahlkraft, dass er das schaffte, was Ben Bernanke, Janet Yellen, Mario Draghi, Angela Merkel und Barack Obama nicht erreicht haben: Dass die kleinen, mittelständischen und großen Unternehmen wieder Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung von morgen fassen. Das äußert sich in Rekordmittelzuflüssen in US-Aktienfonds und ETFs nach der Wahl Donald Trumps. Es äußert sich aber auch in einem drastischen Anstieg der weltweiten Inflationserwartungen, die darauf hindeuten, dass die Märkte erwarten, dass die immensen Liquiditätsmengen, die durch die Zentralbanken in den vergangenen Jahren in die Märkte gepumpt wurden, endlich in Bewegung kommen könnten.

In den USA gab es im Jahr 2015 das erste Mal seit der HIV-Epidemie der 90er Jahre eine rückläufige Lebenserwartung und eine steigende Säuglingssterblichkeit. Die Lebenserwartung der oberen zehn Prozent der Einkommensleiter liegt um 14 Jahre höher als die der unteren zehn Prozent. Früher oder später musste diese Ungleichheit zu politischen Folgen führen. Die Folgen sehen wir jetzt mit Donald Trump, dem Brexit und einem Rechtsruck in Europa. Die weltweite politische und wirtschaftliche Ordnung steht zur Disposition und deswegen greift die Frage zu kurz, ob Donald Trump liefern wird, was er versprach. Als der chinesische Präsident Xi Jinping in Davos seine erstaunliche Rede hielt und als Führer eines kommunistischen Landes entschieden für den liberalen Welthandel und Freiheit eintrat, nahm er Donald Trump ins Visier, der Mauern bauen will.

Egal, ob Trump liefert oder nicht, es ist klar, dass die Zinsen nicht noch tiefer sinken können, und es ist ebenso klar, dass die Zentralbanken am Rand ihrer Möglichkeiten angelangt sind. Der weltweite Kuchen des Wirtschaftswachstums wächst nicht mehr wie einst und es fehlt an Ideen, den neuen Normalzustand aus schwachem Wachstum, tiefen Zinsen und niedriger Inflation zu überwinden. Die Trump-Regierung erkennt diesen neuen Normalzustand nicht an. Sie hält ihn für künstlich erschaffen, durch eine unfähige Politik und falsche Handelsabkommen.

Die Globalisierung hat dazu geführt, dass die Ungleichheit in der Welt in den vergangenen 40 Jahren drastisch verringert werden konnte. Sie hat aber gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Ungleichheit innerhalb der Nationalstaaten immer größer, schier unerträglich geworden ist. Das hatten die Politiker der G20-Staaten im September schon in China erkannt, als sie Fiskalprogramme versprachen, um das Wachstum anzukurbeln. Niemand hat gehandelt. Jene, die nicht handelten und nur Versprechungen machten, sollten zumindest in dieser Hinsicht nicht mit dem Finger auf Trump zeigen, sondern eher in die eigene Richtung. Trump erreichte in dieser Hinsicht schon vor Amtsantritt mehr als viele dieser Personen während ihrer gesamten Amtszeit.

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