DAX aktuell: Erholung abgeblasen – Abstufung von Daimler bringt Fass zum Überlaufen

Das war dann doch zu viel: Die Nachricht, dass die Ratingagentur Dass Standard & Poor's den Kreditausblick für Daimler von stabil auf negativ senkt, hat in der Erholung des Deutschen Aktienindex den Stecker gezogen. Nach der zweiten Prognosesenkung des Stuttgarter Autobauers innerhalb von nur drei Wochen war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Auch Volkswagen wird über die nächsten zehn Jahre 30 Milliarden Euro investieren müssen, um die Transformation zum Elektroauto hinzubekommen. Nach den vielen Gewinnwarnungen und dem Abgasskandal ist die gesamte Branche angeschlagen. Wenn sich nun noch durch eine Abstufung einer viel beachteten Rating-Agentur die Kapitalkosten erhöhen, sind das nicht die Nachrichten, die die Börse derzeit hören will.

Denn vielen Anlegern an der Frankfurter Börse wird nun auch immer mehr klar, dass es mit der Erholung des Wirtschaftswachstums in der zweiten Jahreshälfte nichts wird. Gleichzeitig ist der Ausbruch des DAX über den Widerstand von 12.500 Punkten missglückt. Auch an der Wall Street hat sich die Stimmung verschlechtert, nachdem IBM und Netflix die Erwartungen nicht trafen und nachbörslich ins Rutschen kamen. So hat der DAX aus technischer Sicht erst einmal ein Top ausgebildet. Von dort aus könnte es jetzt bis auf 11.835 Punkte runtergehen, wenn es dem Markt nicht gelingt, dieses Niveau zeitnah wieder zurückzuerobern.

Die Party an der Wall Street beendete gestern auch eine Nachricht, die das Wall Street Journal über die laufenden Verhandlungen um einen Handelsvertrag zwischen den USA und China in Umlauf brachte. Offenbar sind die Gespräche zuletzt ins Stocken geraten, da man im Weißen Haus nicht weiß, wie man mit dem vermeintlichen Sicherheitsrisiko einer kompletten Freigabe von Huawei umgehen soll. Zuvor hatte sich US-Außenminister Pompeo wenig erfreut darüber geäußert, wie China mit den Uiguren umgehe. Man denke im Weißen Haus bereits über eine entsprechende Antwort nach, wegen der laufenden Gespräche halte man aber Sanktionen vorerst noch zurück. Das noch nach dem G20-Gipfel nach außen hin vermeldete, positive Bild über weitere Fortschritte bekommt somit wieder erste Risse, die die Investoren nachdenklich stimmen.