Zentralbanken versprechen den Märkten ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Und jetzt scheinen wir wirklich dort angekommen zu sein! Welch ein Schlaraffenland!

Angriffe auf Demokratie und Rechtsstaat? Für Anleger kein Thema. Der türkische ISE-Aktienindex kratzt am Rekordhoch von 110.000 Punkten. Nun denkt man darüber nach, den Kurs durch 100 zu teilen – und erhofft sich davon eine optische Vergünstigung - ein Taschenspielertrick, der neue Anleger anlocken soll. 1.100 Punkte würden schließlich günstiger aussehen als 110.000 Punkte - geklappt hat das schon mal: Vor gut 40 Jahren brachte der „Index-Split“ zweistellige prozentuale Kursgewinne.

Blickt man an andere eher illiquide und normalerweise nicht im Anlegerfokus stehende Börsen, erkennt man eine ähnliche Renaissance. Ob diese mit Aufklärung zu tun hat oder mit der bloßen Angst, etwas zu verpassen, muss jeder für sich selbst beantworten. Osteuropäische Börsen sind ein solches Beispiel. Polen scheint gerade aus der EU zu stolpern, aber Anleger treiben die Aktienkurse dort in die Höhe, schließlich sind sie im Vergleich mit etwa börsengelisteten deutschen Aktiengesellschaften günstig.

Und auch wenn ich mir vor meinem geistigen Auge bereits den emotional aufgeladenen Protest bei einigen Lesern vorstellen kann (der mich wiederum in meiner These bekräftigt) sehe ich den Anlagenotstand auch durch Kryptowährungen bestätigt. Kryptowährungen sind ein spekulatives Investment in eine neue, viel versprechende, mit hoher Wahrscheinlichkeit disruptive Technologie –Blockchain. Von einer Währung hingegen verspreche ich mir Stabilität, keine rekordverdächtige Volatilität und auch keine endlose mengenmäßige Vermehrung, die – und das muss man offen eingestehen – durch eine schier nicht mehr zählbare und wachsende Zahl immer wieder neuer Kryptowährungen am Ende doch gegeben ist, obwohl es ja ursprünglich die Idee war, gerade das zu vermeiden.

Hier wie in jeder Hausse wird der Gaul geritten, bis er tot umfällt – alle genannten Beispiele zeigen die zunehmend aufwendige und risikoträchtige Suche der Anleger nach noch verbleibenden Renditen, wobei immer illiquidere Märkte angesteuert werden, die wie bei der Reise nach Jerusalem wahrscheinlich nur unter Schmerzen (Verlusten) wieder verlassen werden können, wenn am Ende die letzten Plätze vergeben sind und man als einziger dasteht und keinen Käufer mehr findet.

Anleger sind sich dieser Umstände bewusst und setzen auf einen fallenden DAX. So geschehen im August, als zweimalig nordkoreanische Militärübungen als Vorwand genommen wurden, die 12.000-Punkte-Marke im DAX und die zur damaligen Zeit knapp darunter liegenden 200-Tage-Linien einem ernsthaften Test zu unterziehen. Viele Anleger hielten im August eine Korrektur für überfällig, zumal ja auch die schwachen Börsenmonate September und Oktober bevorstanden. Doch anstatt zu fallen machte der DAX eine abrupte 180-Gradwende nach oben - eine Überraschung für viele, die auf fallende Kurse setzten. Schieflagen führten zu Zwangseindeckungen und Momentumkäufer sprangen mit auf den anfahrenden DAX-Zug auf und der Rest ist Geschichte - oder genauer gesagt: Eine lange grüne Kerze im Monatschart des Deutschen Aktienindex:

Fakt ist: Diese Kerze überschritt das Hoch vom April 2015 bei 12393 Punkten. Fakt ist auch: Damit wurde das noch im August valide Szenario eines möglichen Fehlausbruchs über diesen Widerstand (das weiteres Korrekturrisiko signalisierte) zunächst abgewendet. Nun geht es darum, das der Monat Oktober möglichst ebenfalls über diesem Widerstand beendet werden kann. Aus dem Monatschart lässt sich so wie er oben abgebildet ist rein charttechnisch derzeit also kein Hinweis finden, dass eine baldige Trendumkehr, geschweige denn eine größere Korrektur bevorstehen wird. Vielmehr sieht es eher danach aus, als würde sich der Trend bis über 13.000 Punkte im DAX fortsetzen können. Ein Signal hierfür wäre ein Wochen-, besser noche in Monatsschlusskurs über dem bisherigen Allzeithoch von Juni 2017 bei 12955 Punkten.

Vielleicht lässt sich eine mögliche Überhitzung auch gar nicht am Deutschen Aktienindex ablesen. Vermisst man die Hausse an der Wall Street seit der Großen Finanzkrise, lässt sich feststellen, dass das Aufwärtspotenzial technisch betrachtet erschöpft ist. Klar definierte Trends wie im S&P 500 Index für amerikanische Standardaktien haben eine untere Trendlinie sowie eine obere, deckelnde Rückkehrlinie. Wird die Rückkehrlinie erreicht - wie im aktuellen Fall - kann von einer gewissen Gegenwehr ausgegangen werden, wenn sich die Vergangenheit wiederholt. Steigt der Index weiter und verlässt er die Rückkehrlinie nach oben, sprechen technische Analysten von einer ungesunden Überhitzung des Marktes, die anfällig ist für abrupte Trendwechsel - wenngleich auch hier die Frage nach dem richtigen Timing gestellt werden muss. Niemand weiß, wie weit sich überhitzende, von Gier und der Angst, etwas zu verpassen getriebene Märkte noch steigen können. Man weiß nur, dass Anstiege ab einem gewissen Maß beginne, ungesund zu werden. Dies wäre bei dem Überstiegen der grünen Linie, also bei einem Anstieg über 2530 Punkte im S&P 500 Index gegeben:

Ich bin gewiss kein Perma-Bär, kein Untergangsorakel und warum sollte man die Hausse und Trends nicht spielen, solange sie laufen. Wie eingangs in diesem Artikel bereits geschrieben sehe ich nur unverkennbar die Wiederholung von Mustern, die sich immer wieder in der gleichen Form und wahrscheinlich schon so lange abspielen, wie es Börsen gibt. Anleger tauschen Liquides durch Illiquides (hier ist nichts Alkoholisches gemeint), Chancen werden übermäßig betont, Risiken ausgeblendet, anlagesuchendes Kapital greift nach jeder nur denkbaren Alternative.

Das alles weist darauf hin, dass irgendwann die Party enden könnte. Natürlich ist das auch nur wieder eine weitere Phrase – Anleger sollten sich aber des Umstands gewahr sein, dass wir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit im letzten Drittel der Hausse angekommen sind, die vor fast einer Dekade begonnen hat. 

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