Die einen haben gemeint Dezember dieses Jahr wäre die richtige Fristverlängerung, die anderen meinten Juni, am Ende kam jetzt Oktober raus - also niemand war interessiert an einem harten, vertragslosen Brexit und das ist jetzt auch die Botschaft für die Märkte: Es geht so weiter wie gehabt, es gibt keine Entscheidung, sondern weiterhin eine Irrfahrt in der britischen Politik, auf die sich die Märkte nicht einstellen können. Also wird das Thema erst einmal durchgewunken vom DAX, die Kursreaktion ist gleich Null.

Mehr Zeit hat auch der CEO der Deutschen Bank vom CEO der Commerzbank für die Verhandlungen um einen Firmenzusammenschluss gefordert - die Deutsche Bank benötige mehr Zeit, um sich zu entscheiden und sei überdessen nicht bereit, einen Aufpreis in irgendeiner Form für die Commerzbank-Anteile zu bezahlen. Von einem Vertreter der EZB war gestern Abend dann noch zu hören dass es nicht die Aufgabe der EZB sei, Banken zu retten - was ein wenig die passiv aggressive Art und Weise ist zu sagen, dass die Zinswende bei der EZB niemals ankommen wird. 

In den USA gab es eine ziemlich emotional angespannte Anhörung vor einem Ausschuss im Repräsentantenhaus, in dem mehrere hochrangige Bankenvorstände über den Zustand ihrer Industrie zehn Jahre nach der Finanzkrise befragt wurden - während das Finanzaktien an der Wall Street gestern belastete ist die Schlüsselerkenntnis aus der Anhörung, dass nichts wirklich Neues dabei herauskam, die amerikanische Finanzindustrie ist in einer viel besseren Lage, als sie es vor zehn Jahren gewesen ist. 

Von der EZB gab es gestern nichts neues, Details zu den Langfristtendern kommen erst in den kommenden EZB-Sitzungen, man wolle die Datenlage erst abwarten.

Die EZB sieht derzeit zwar eine Abkühlung des Wachstums, aber keine systemischen Probleme wie im Jahr 2016, daher sei derzeit auch kein Grund gegeben, ein neues quantitatives Lockerungsprogramm zu initiieren. Also jetzt wartet man darauf, was als erstes passieren wird. Kommt als erstes die Konjunktur aus der Talsohle und geht wieder in Richtung Wachstum oder - wenn das zu lange dauert - kommen die Aktienkurse wieder runter, um sich auf das tiefere Wachstum anzupassen? 

Die Stimmung wurde gestern dann am Abend noch einmal gestützt von Aussagen des amerikanischen Finanzministers, wonach man sich mit den Chinesen bei der Frage in vielen Punkten geeinigt habe, wie man die ganzen beschlossenen Punkte in einem neuen Handelsvertrag am Ende umsetzen soll. So soll es einen gemeinsamen US-chinesischen Ausschuss geben, der sicherstellen soll, dass sich beide Parteien auch an das Beschlossene halten werden.

Für den Moment sitzt der DAX auf der Unterstützung bei 11835 Punkten und ist damit jederzeit technisch in der Lage, auf 12.000 Punkte zu schießen, um die Hochs da noch mal zu testen.