0,5% - das ist wahrscheinlich der maximale Realzins, den die amerikanische Wirtschaft trotz starkem Arbeitsmarkt, einer historischen Steuerreform und starkem Wachstum auszuhalten imstande ist. Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis - ich denke die amerikanische Notenbank wollte im letzten Jahr herausfinden, wie viel Stress und Schmerz sie dem Patienten Wirtschaft zufügen kann, bevor dessen Kreislauf sich verabschiedet - und sie hat jetzt eine ganz wichtige Erkenntnis, dass dieses maximale Stresslevel bei 0,5% Realzins liegt.

Also haben wir jetzt die Notenbanken als Verbündete der Märkte, nicht nur in den Staaten, auch in der Eurozone, auch in China, wo die People's Bank of China in diesem Monat den Reservesatz erneut senken könnte.

Fakt ist - auf zehn Jahre erhält man in den USA jetzt nur noch 2,5% Zins - Anfang November waren es noch 3,2%: Also haben es die Aktienbörsen mit weniger Konkurrenz durch festverzinsliche Wertpapiere zu tun.

Für die Börsen wird der Mittwoch zum Großkampftag: Einmal tagt die EZB - um 14:30 Uhr läuft die Pressekonferenz Mario Draghis, wo es wahrscheinlich Neues geben wird zu den geplanten Langfristtendern, die später im Jahr helfen sollen, das Wachstum in der Eurozone anzukurbeln und die Inflation nach oben zu bringen.

Am gleichen Tag, also auch am Mittwoch, muss sich die Europäische Union entscheiden, ob sie dem Gesuch der Briten stattgibt, das Eintrittsdatum des Brexit erneut zu verlängern - sollte dem nicht so sein, würde Großbritannien quasi am Freitag aus der EU ausscheiden. Ein Ausscheiden Großbritanniens ohne Vertrag erscheint sehr unwahrscheinlich, aber das hat man über das Referendum auch gesagt - wir müssen als Trader auf jedem Fall jetzt engmaschig beobachten, was hier weiter geschehen wird.

Technisch sind wir im S&P 500 Index jetzt über dem Hoch von Januar 2018 und damit grundsätzlich startbereit für einen Run auf das Rekordhoch und damit auch für ein Aushebeln der 123-Trendwendeformation vom Herbst letzten Jahres.