Märkte sind in der Lage, künftige Entwicklungen mit oft schlafwandlerischer Sicherheit frühzeitig zu antizipieren. Von Zeit zu Zeit liegen sie aber völlig daneben. Dann kommt es zu einer abrupten Kurskorrektur. Eine solche 180-Grad-Wende konnten Anleger im Superwahljahr 2017 beim Euro erleben. Statt des Einbruchs kam die Rally. Liegen die Märkte dieses Mal vor den Bundestagswahlen richtig?

Die Kehrtwende im Euro

Wettete zu Jahresbeginn noch eine Rekordzahl von Anlegern auf einen Zusammenbruch des Euros, sieht die Situation gut ein dreiviertel Jahr später gänzlich anders aus. Um die Weihnachtszeit vor einem Jahr herum wetteten Spekulanten an der Chicagoer Warenterminbörse mit über 2400 Milliarden USD auf die Parität zwischen Euro und Dollar. Also 1:1 oder tiefer. Wahrscheinlich wurde an den Börsen noch nie in der Vergangenheit mit so großen Summen auf etwas gesetzt, was dann nicht eingetreten ist.

Dass sich der Euro so stark erholen konnte liegt auch an den Wahlergebnissen in Österreich, den Niederlanden und Frankreich. Schien es lange Zeit so zu sein als könnten euroskeptische Parteien einen erdrutschartigen Sieg feiern, sah es beim echten Urnengang dann am Ende ganz anders aus. Die Wähler entschieden sich für den Euro und sehen die Lösung aktueller Probleme nicht in Protektionismus und der Rückkehr zu vergangenem. Die Europäer haben sich für stärkeren Zusammenhalt und eine gemeinschaftliche Lösung der Probleme entschieden.

Der Euro stieg von einem Tief bei 1,03 USD im Januar 2017 auf zwischenzeitlich 1,19 USD im August desselben Jahres – ein Sprung um 16 Cents! Das ist der Grund, warum Antizykliker oft mit stoischer Gelassenheit genau dann auf das Gegenteil dessen setzen, was die Mehrheit erwartet. Sie sehen die hohen Gewinne, die möglich werden, wenn die Mehrheit der Anleger erkennen muss, dass sie falsch gelegen haben!

Überraschend starke Konjunktur

Dass euroskeptische Parteien nicht mehr Wähler gewinnen konnten lag auch daran, dass die europäische Konjunktur im Jahr 2017 eine überraschend starke Entwicklung hinter sich bringen konnte. Das lässt sich sehr gut in der Wirtschaftsdaten-Historie auf der Handelsplattform von CMC Markets etwa anhand des Einkaufsmanagerindex für die Eurozone des Marktforschungsinstituts Markit überprüfen:


Eurozone: Konjunktur im Aufwind (Quelle: CMC Markets)

Dass so viele Anleger auf einen Rutsch im Euro setzten lag auch an der Erwartungshaltung, dass die Europäische Zentralbank noch viel länger als die amerikanische Notenbank brauchen wird, bevor sie ihre Geldpolitik wieder normalisieren können wird. Auch wenn US-Präsident Trump in diversen Tweets versucht, sich die Rally an der Wall Street als eigenen Verdienst anzurechnen, sieht die Realität in den USA nun aber ganz anders aus. Das Wachstum seit Jahresbeginn enttäuscht, was die US-Notenbank dazu bewegt, Pläne für weitere Zinsanhebungen in diesem Jahr auf Eis zu legen. Die Situation in der Geldpolitik der Fed und EZB steht also diametral zu den Erwartungen zu Jahresbeginn. Sah es zu Jahresbeginn noch so aus, als würde die US-Notenbank voranpreschen und ihre Geldpolitik schnell straffen, während die EZB noch lange Zeit benötigen würde, bis sie die geldpolitischen Stellschrauben zudrehen würde, scheint es im August so zu sein, als sei eine EZB-Entscheidung in dieser Hinsicht schon längst überfällig geworden. Sie könnte jene sein, die im September eine Drosselung der Anleihekäufe verkünden wird, während die US-Notenbank pausiert. Auch deswegen ist der Euro stärker.


Rally im Euro: Mehr Zuversicht in Europa (Quelle: CMC Markets)

Trend der Bundestagswahlen

Der optimistische und proeuropäische Trend könnte sich auch nach den Bundestagswahlen fortsetzen. Die Parteien, denen die positive Wirtschaftslage zugerechnet wird, könnten daher auch jene sein, die am 24. September von den meisten der 61,5 Millionen Wahlberechtigten ein Kreuzchen erhalten werden. Trotz Verlusten bekommt die Union aus CDU und CSU in Umfragen auf gut 40% der Stimmen. Das sind zwar 1,5 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2013. Mit mehr als 16 Prozentpunkten Vorsprung zur SPD bleibt die CDU damit aber stärkste politische Kraft in Deutschland.

Damit hat die Union den Tiefststand zur Zeit der Flüchtlingskrise überwunden. Der Bestwert vom August 2015, der bei 43% lag, kann aber bis Anfang August nicht überschritten werden. Nach dem Wahldebakel im Jahr 2013 kann vor allem die FDP wieder aufatmen. Sie gewinnt in den Umfragen 8,8% der Stimmen. Das sind vier Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren. Die FDP verbucht also den größten Zuwachs aller Parteien. Der Wiedereinzug in den Bundestag scheint für die FDP gesichert. Eine Achterbahnfahrt haben die Umfragewerte der SPD hinter sich. Rutschten die Werte zu Jahresbeginn auf unter 20% ab, führte die Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten der Partei zu einem Sprung der Umfragewerte um 12 Prozentpunkte. Darauf folgte eine Ernüchterung. Anfang August würden noch 23,5% der Deutschen die SPD wählen. Damit würden die Sozialdemokraten ihr Ergebnis der letzten Bundestagswahl fast halten können.