Die Bundestagswahlen 2017 stehen im Zeichen einer europaweiten Konjunkturerholung. In diesem Artikel betrachten wir uns die Trends der Parteien und ihrer Kandidaten für die Bundestagswahl 2017 und wer von dem positiven konjunkturellen Trend profitieren könnte und wer nicht.

Union bleibt stärkste Kraft

Trotz Verlusten bekommt die Union aus CDU und CSU in Umfragen auf gut 40% der Stimmen. Das sind zwar 1,5 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2013. Mit mehr als 16 Prozentpunkten Vorsprung zur SPD bleibt die CDU damit aber stärkste politische Kraft in Deutschland.

Für die Union sind die Stellschrauben und Themen eigentlich klar gesteckt. Sicherlich werden Wohlstand, Rente und Zusammenhalt eine Rolle spielen. Kein Thema wird den Wahlkampf der Union aber so bestimmen wie die Migrationspolitik von Kanzlerin Merkel. Die Union hat den Tiefststand zur Zeit der Flüchtlingskrise überwunden. Der Bestwert vom August 2015, der bei 43% lag, kann bis Anfang August nicht überschritten werden. Kanzlerin Merkel wird vor allem innerparteiliche Kämpfe führen müssen, da CSU-Chef Horst Seehofer nach wie vor auf eine Obergrenze von Flüchtlingen drängen wird. Taktisch betrachtet muss Angela Merkel die Themen Migration und Flüchtlinge auch so spielen, um den politischen Emporkömmling AfD Wähler wegzunehmen. Ganz offiziell geht es im Wahlkampf der Union aber um die Themen Zusammenhalt der Gesellschaft, Wohlstand und die innere Sicherheit.

Achterbahnfahrt bei der SPD

Eine Achterbahnfahrt haben die Umfragewerte der SPD hinter sich. Rutschten die Werte zu Jahresbeginn auf unter 20% ab, führte die Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten der Partei zu einem Sprung der Umfragewerte um 12 Prozentpunkte. Darauf folgte eine Ernüchterung. Anfang August würden noch 23,5% der Deutschen die SPD wählen. Damit würden die Sozialdemokraten ihr Ergebnis der letzten Bundestagswahl fast halten können.

Grund für den erneuten Absturz der Wahlumfragen der SPD war die Affäre des frisch gekrönten Kanzlerkandidaten Schulz um dessen Pseudo-Dienstreisen und überbezahlte Mitarbeiter. Das Europaparlament hatte Schulz für einen „kritikwürdigen Umgang mit Steuergeldern“ gerügt. Schulz hatte so seinen ehemaligen Pressesprecher Markus Engels fälschlicherweise auf Dauerdienstreise geschickt, wodurch sich seine Bezüge um 16.600 Euro auf Kosten des Steuerzahlers erhöht hatten.  

Lange Zeit hielten sich Martin Schulz und die SPD bedeckt, was die Inhalte des Wahlprogramms 2017 anbelangt. Die Schwerpunkte des erst im Juli veröffentlichten Wahlprogramms liegen auf Familienpolitik, Bildungspolitik und dem Arbeitsmarkt. Beim Thema Sicherheitspolitik legt die SPD einen Schwerpunkt auf „Repression, Vorbeugung und Ausstiegshilfe“ und will damit auch dem Extremismus begegnen. Bei der für die Union wichtigen Thematik der Flüchtlingspolitik pocht die SPD auf einen europaweiten Aufteilungsschlüssel.

FDP: Wiedereinzug in den Bundestag

Nach dem Wahldebakel im Jahr 2013 kann vor allem die FDP wieder aufatmen. Damals hatte die Partei zwei Drittel ihrer Wähler verloren und musste zum ersten Mal in der Pateigeschichte aus dem Bundestag ausscheiden. Jetzt würde sie laut Umfragen 8,8% aller der Stimmen gewinnen. Das sind vier Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren. Die FDP verbucht also den größten Zuwachs aller Parteien. Der Wiedereinzug in den Bundestag scheint für die FDP gesichert.

Die guten Umfragewerte liegen wohl vor allem an Spitzenkandidat und Parteichef Christian Lindner. Der 38-jährige Lindner ist der jüngste Vorsitzende der Parteigeschichte und hatte bereits die Landtagswahl in NRW im Mai 2017 als Spitzenkandidat der FDP erfolgreich geführt. Die Partei konnte damals mit 12,6 Prozent der Wählerstimmen überzeugen – das war das beste Ergebnis ihrer Geschichte in Nordrhein-Westfalen. Die Bundestagswahlen könnten also das große Comeback der Liberalen bedeuten.

Die FDP setzt sich für Bildung, Digitalisierung und flexible Arbeitsbedingungen ein. Christian Lindner steht für eine Rückbesinnung auf den liberalen Kern der Partei. Zukunftsthemen und ein modernes Einwanderungsgesetz stehen im Zentrum des Wahlkampfes der Liberalen.

Die Linke rutscht auf den vierten Platz

Die Linke rutscht in den Umfragen auf den vierten Platz und damit hinter die FDP. Mehrmals hatte die Linke in Umfragen seit den letzten Bundestagswahlen Spitzenwerte von 11 Prozent erreicht, musste diese aber wieder abgeben. Anfang August kommt die Partei auf 8,8% der Wählerstimmen und damit auf ein ähnliches Ergebnis wie bei der letzten Wahl im Jahr 2013. Im Jahr 2009 überzeugte die Linke noch 11,9% der Wähler für sich.

Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht werden die Partei als Spitzenduo aus beiden Flügeln der Partei vertreten. Sahra Wagenknecht war von 2004 bis 2009 Mitglied des Europaparlaments und ist seither Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Seit 2015 ist sie zusammen mit Bartsch Vorsitzende der Fraktion der Linken im Bundestag. Sie glänzt durch kompromisslose Positionen und gehört dem linken Flügel der Partei an. Vor allem in sozialen Medien und im Internet sind die Auftritte und Reden Wagenknechts beliebt und wurden viele Millionen Male aufgerufen. Dietmar Bartsch steht vor allem für seinen Einsatz für eine rot-rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl.

Kernpunkt des Wahlprogramms der Linke sind die Themen Lohn, Armut, Rente, Einkommenssteuer, Miete, Gesundheitswesen und Flüchtlinge. Gesundheitspolitisch möchte man sich für die Legalisierung von Cannabis einsetzen und sich in der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel distanzieren.

Leichte Verluste bei den Grünen

Gegenüber der Bundestagswahl 2013 könnten die Grünen leichte Verluste erleiden. In Wahlumfragen kommen die Grünen Anfang August auf 8% der Wählerstimmen, das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Die Grünen setzen bei ihrem Wahlkampf auf ein Spitzenduo zwischen Katrin Göring-Eckhardt und Cem Özdemir. Göring-Eckhardt war bereits in der Bundestagswahl 2013 Spitzenkandidatin zusammen mit Jürgen Trittin. Sie gilt als konservative Grüne und fokussiert sich auf die Themen Heimat, Familie und Religion. Özdemir spricht sich strikt gegen eine Obergrenze für Flüchtlinge in eventuellen Koalitionsverhandlungen aus. Außerdem will er nicht mit der Linkspartei koalieren.

AfD wird Oppositionspartei

Zeitweise gelang der AfD zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise in Deutschland ein Hoch bei den Umfragewerten von 14%. Damit hätte sie ihr Ergebnis der Wahl 2013 von 4,7% deutlich übertroffen. Der Schulz-Effekt, ein Nachlassen der Flüchtlingskrise und ein allgemeines Abebben der euroskeptischen Welle in Europa haben Stimmen gekostet. Die Umfragewerte gehen zuletzt von 6,8% der Stimmen aus, ein Zuwachs um 2,1 Prozentpunkte.

Inhaltlich möchte sich die AfD vom politischen Mainstream abheben und alternative Lösungen anbieten. Sie zählt damit zu den euroskeptischen Parteien Europas. Als Spitzenkandidaten werden Dr. Alice Weidel und Dr. Alexander Gauland die Partei in die Bundestagswahlen führen. Alice Weidel war unter anderem für die Finanzkonzerne Goldman Sachs und Allianz tätig und arbeitete sechs Jahre lang in der Volksrepublik China. Sie arbeitet als Unternehmensberaterin für Start-Ups. Gauland, selbst von 1973 bis 2013 Mitglied der CDU, ist Gründungsmitglied der AfD.