Wir befinden uns in wahrlich ungewöhnlichen Zeiten. Der Shutdown weiter Teile der Wirtschaft erzeugt temporär einen so massiven Nachfrageeinbruch nach Erdöl, dass das Preisgefüge durcheinander gerät. Das führt zur außergewöhnlichen Haltekosten von über 100% bei Rohöl Brent Cash CFDs. Warum das so ist und welche Möglichkeiten Trader jetzt haben wollen wir in dieser Blitzanalyse klären. 

Die Ursache

Cash CFDs bieten Tradern den Vorteil,  zeitlich unbegrenzt in Rohstoffen wie Erdöl investiert zu sein. Eigentlich haben Rohstoff-Investments immer eine Endfälligkeit, die dann auftritt, wenn der jeweilige Terminkontrakt an der jeweiligen Terminbörse ausläuft. Dann kommt es zu der Schlussabrechnung und der Vorbereitung der Lieferung des jeweiligen Rohstoffs an z.b. eine Fabrik. 

Trader haben den Vorteil, mit Cash CFDs beides zu umgehen, um lediglich am Preisgeschehen profitieren zu können. Sie müssen nicht fürchten, plötzlich eine Lieferung Schweinebäuche in ihrem Garten zu finden und können zeitlich unbegrenzt investiert bleiben, obwohl der eigentliche Handel meistens nur monatsweise stattfindet. Um das zu ermöglichen finden bestimmte Prozesse quasi im Maschinenraum statt. 

Konkret bedeutet dies, dass vom Terminkontrakt für Brentöl für Lieferungen im Mai, der endfällig wurde, auf den nächsten Terminkontrakt (Juni) gerollt wurde. Dabei gab es einen Aufpreis vom Mai- zum Juni-Future von rund 4 $. Dieser Preisunterschied lässt sich damit erklären, dass die Märkte von einer temporären Nachfrageschwäche und einem temporären Überangebot beim Erdöl ausgehen. Der Shutdown in der Wirtschaft erzeugt Preise für sofortige Öllieferungen, die weitaus günstiger sind, als Preise in der Zukunft liegender Lieferungen.

Beim Rollen von einem Terminkontrakt in den anderen entstehen also Aufpreise, wir haben es mit einer sogenannten Contango-Terminkurve zu tun. Beim letzten Rollvorgang beim Brent Cash CFD lag lediglich ein Aufpreis von 15 Cent vor. Dieses Mal sind es 4 $. Diese Kosten werden als Haltekostensätze bis zum nächsten Rollzeitpunkt (29. April) inklusive eines Haircut für CMC Markets verteilt. 

In einer steigenden Terminkurve (Contango) gibt es einen negativen Cost of Carry bei Long-Positionen. Da die Terminkurve am Rollzeitpunkt sehr stark stieg (ca. $4 Aufpreis) ergeben sich die hohen Haltekosten auf der Long-Seite bei Rohöl Brent Cash CFDs von rund 180% p.a. Daraus ergeben sich aber auch die Haltekostengutschriften, die bei Short-Positionen bei rund 175% p.a. liegen.

Wie lange hält diese Situation an?

In der Produktübersicht des aktuellen Juni Forward CFD kann man erfahren, wann das nächste Mal gerollt wird. Es wird der 29. April sein. Bis dahin sind die Haltekostensätze bei Brent Rohöl Cash auf dem jetzigen Niveau.

Was kann man als Trader tun?

Man kann bei Long-Positionen auf Rohöl WTI Cash ausweichen. Als bei Rohöl WTI Cash vor ein paar Tagen gerollt wurde, lag kein so großer Preisunterschied wie bei Brent vor. Die Haltekostensätze sind hier für die Long-Richtung bei 23%, für die Short-Richtung bei rund 18%. Das ist immer noch außergewöhnlich hoch, aber nicht so dramatisch wie bei der Brent Cash CFDs. Bedenken Sie jedoch, dass der Preis von Rohöl WTI Cash von anderen Preisdeterminanten beeinflusst werden kann, als Rohöl der Sorte Brent. WTI könnte etwa stärker auf das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem US-Markt reagieren.

Man kann von Haltekostengutschriften profitieren. Wer ohnehin die Short-Richtung beim Öl bevorzugt kann zusätzlich zu möglichen Kursveränderungen auch von täglichen Haltekostengutschriften auf der Short-Seite profitieren. Diese liegen bei rund 175% p.a. und werden dem Handelskonto bei Positionen, die über 23 Uhr hinweg gehalten werden, auf den Kalendertag heruntergerechnet gutgeschrieben. Vorsicht: Gewinne aus der Gutschrift von Haltekosten können durch Verluste aufgrund von Kurssteigerungen aufgezehrt oder übertroffen werden. 

Man kann Forward-CFDs handeln. Wer selbst entscheiden möchte, wann er von einem in den nächsten Kontrakt rollt, kann Forward-CFDs handeln. Aktuell lassen sich die Brent Forward CFDs für die Monate Juni, Juli, August und September bei Brent handeln. Diese sind nicht mit Haltekosten versehen.

Was kann man aus der Situation lernen?

Beachten Sie bei Rohstoffen – auch bei den Cash CFDs auf Rohstoffe – immer die Rolltermine der jeweiligen Forward CFDs. Diese können Sie einfach in der Produktliste einsehen. Geben Sie z.B. bei Öl einfach „Rohöl“ in die Produktliste ein, um alle Preise für Brent und WTI Cash und die einzelnen Forwards einzusehen. Klicken Sie dann auf die Produktübersicht des jeweils nächsten Forward CFD, um den Rollzeitpunkt zu erfahren. Dieser ist dort transparent ausgewiesen. Weitere Informationen zum Thema Rollen von Futures finden Sie auf unserem YouTube-Kanal in der Playlist „CMC IQ“.