Klimaanlagen-Boom ohne Börsenrally – Warum die Hersteller trotz Rekordnachfrage unter Druck stehen
Steigende Temperaturen treiben die Nachfrage nach Klimaanlagen, doch an der Börse bleiben viele Hersteller zurück. Zyklik, Wettbewerbsdruck und neue Chancen durch KI-Rechenzentren prägen die Branche.
Kaum ein Sommer vergeht inzwischen ohne neue Temperaturrekorde. Hitzewellen in Europa, Nordamerika und Asien treiben die Nachfrage nach Klimageräten von Jahr zu Jahr auf neue Höchststände. In vielen Baumärkten und Elektronikgeschäften sind mobile Klimaanlagen regelmäßig ausverkauft, Installationsbetriebe berichten über monatelange Wartezeiten und auch gewerbliche Kunden investieren verstärkt in moderne Kühlsysteme.
Auf den ersten Blick scheint dies ideale Voraussetzungen für die Hersteller von Klimaanlagen zu schaffen. Dennoch haben sich die Aktien vieler Unternehmen zuletzt deutlich schwächer entwickelt als erwartet. Während Anleger bei Halbleiter- oder KI-Unternehmen enorme Bewertungsaufschläge akzeptieren, bleiben Klimaanlagenhersteller an der Börse vergleichsweise zurückhaltend bewertet. Die Gründe hierfür liegen in der Struktur der Branche und den langfristigen Erwartungen der Kapitalmärkte.
Der weltweite Markt für Klima- und Kühlsysteme wächst seit Jahren kontinuierlich. Nach Schätzungen verschiedener Marktforschungsinstitute dürfte das globale Marktvolumen bis Anfang der 2030er-Jahre jährlich um rund 6 bis 8 % wachsen. Treiber dieser Entwicklung sind die zunehmende und länger anhaltenden Hitzeperioden, der santeigende Wohlstand in Schwellenländern und die zunehmenden Urbanisierung, Insbesondere Europa entwickelt sich dabei zu einem der am schnellsten wachsenden Absatzmärkte. Während Klimaanlagen in Südeuropa seit Jahrzehnten zum Standard gehören, steigt die Nachfrage inzwischen auch in Deutschland, den Benelux-Staaten und Großbritannien deutlich an.
Trotz der positiven Nachfrageentwicklung reagieren die Börsen bislang überraschend verhalten auf diesen hohen Nachfragetrend.Ein wesentlicher Teil der Nachfrage entsteht während kurzer Hitzeperioden. Anleger wissen, dass außergewöhnlich warme Sommer zwar kurzfristig die Verkaufszahlen erhöhen, langfristig jedoch keine dauerhaft höheren Margen garantieren. Viele Investoren betrachten einen Teil der Nachfrage daher als vorgezogenen Konsum.Der Markt für Klimaanlagen gehört zudem zu den am stärksten umkämpften Industriesegmenten weltweit. Zahlreiche asiatische Hersteller konkurrieren über den Preis, wodurch die Gewinnmargen unter Druck geraten. Besonders im Massenmarkt verfügen die Anbieter nur über begrenzte Preissetzungsmacht.Selbst bei steigenden Umsätzen verbessert sich die Profitabilität deshalb häufig nur begrenzt.Ein erheblicher Teil der Nachfrage stammt aus dem Neubau und der Gebäudesanierung. Die weltweit gestiegenen Finanzierungskosten haben insbesondere den Wohnungsbau in den letzten Jahren erheblich gebremst. Dadurch wird ein Teil der höheren Nachfrage aus dem Endkundengeschäft wieder kompensiert. Bei den Klimageräten handelt es sich also um einen klassisches zyklischen Industriesektor. Investoren räumen ihnen deshalb niedrigere Bewertungsmultiplikatoren ein.
Welche Unternehmen tummeln sich international auf diesem Gebiet?
Daikin Industries aus Japan
Daikin ist der weltweit größte Hersteller von Klimaanlagen und Wärmepumpen. Das Unternehmen verfügt über eine führende Marktstellung in Asien, Europa und Nordamerika und gilt technologisch als Branchenprimus.
Carrier Global aus den USA
Carrier gehört zu den traditionsreichsten Klimaanlagenherstellern weltweit und konzentriert sich zunehmend auf intelligente Gebäudetechnik. Gerade der Ausbau großer KI-Rechenzentren eröffnet Carrier attraktive Wachstumsmöglichkeiten.
Trane Technologies vertreten in Irland und den USA)
Trane zählt zu den qualitativ hochwertigsten Unternehmen der Branche. Trane erzielt dadruch traditionell hohe Margen und profitiert von einem starken Servicegeschäft.
Johnson Controls International aus Irland
Johnson Controls verbindet klassische Gebäudetechnik mit Digitalisierung.
Mitsubishi Electric aus Japan
Mitsubishi Electric ist insbesondere in Asien und Europa stark vertreten. Die breite Diversifikation sorgt allerdings dafür, dass der Klimabereich an der Börse weniger stark wahrgenommen wird.
Midea Group aus China
Midea zählt mittlerweile zu den größten Klimaanlagenherstellern der Welt. Midea expandiert zunehmend nach Europa udn wurde zuletzt durch den Einsatz von vielen Influencern bekannt.
Gree Electric Appliances aus China
Gree gilt als größter Produzent von Split-Klimaanlagen weltweit.
Der Konzern verfügt über enorme Produktionskapazitäten und dominiert den chinesischen Heimatmarkt.
Die Nachfrage nach Klimaanlagen dürfte in den kommenden Jahren strukturell weiter steigen. Dennoch spiegeln die Aktienkurse vieler Hersteller diese Entwicklung bislang nur begrenzt wider. Der Hauptgrund liegt darin, dass Investoren die Branche weiterhin als zyklischen Industriezweig mit hohem Wettbewerbsdruck und begrenzter Preissetzungsmacht einstufen.
Langfristig könnten sich jedoch vor allem Unternehmen mit hoher technologischer Kompetenz, einem starken Servicegeschäft und einer führenden Position im Bereich energieeffizienter Gebäude- und Rechenzentrumskühlung als Gewinner erweisen. Während klassische Hersteller wie Daikin, Carrier oder Trane Technologies vom weltweiten Klimaanlagenmarkt profitieren, eröffnen der KI-Boom und der Ausbau moderner Rechenzentren zusätzliche Wachstumschancen für Unternehmen wie Vertiv, Schneider Electric oder Johnson Controls.
Für langfristig orientierte Investoren könnte die Branche daher vor einer Neubewertung stehen, allerdings weniger aufgrund kurzfristiger Hitzewellen, sondern wegen ihres zunehmenden Stellenwerts für Energieeffizienz, Digitalisierung und den weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur.

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