Zur aktuellen Lage in Europa

Am späten Abend überrumpelte die Ratingagentur Moody´s die Märkte mit einer Reihe von unerwarteten Anpassungen der Bonität von neun EU-Staaten. Spanien, Italien und Portugal und drei weitere wurden herabgestuft und das Triple-A von Frankreich, Österreich und Großbritannien auf den Prüfstand gestellt. Sowohl der Euro als auch das Pfund reagierten darauf mit Kursverlusten.

Im Falle von Großbritannien verwies die Agentur auf Unklarheiten bei der geldpolitischen Konsolidierung aufgrund von eher schwachen Konjunkturaussichten für die nächsten Jahre. Die kritische Haltung gegenüber dem derzeitigen britischen Triple-A streute zusätzliches Salz in die Wunde.
Großbritannien gilt heute ohnehin erhöhte Aufmerksamkeit in Erwartung der neuesten Konsumentenpreise des Januar nachdem bereits die Bank of England vergangene Woche ihre Absicht, weitere 50 Mrd. Pfund in die Wirtschaft pumpen zu wollen, bekannt gab. Es wird erwartet, dass die Inflationsrate von 4,2% auf 3,6% fällt, insbesondere da der Anstieg der Mehrwertsteuer vom vergangenen Jahr nun nicht mehr in der aktuellen Statistik zum Tragen kommt. Auch die Einzelhandelspreise lassen einen Rückgang von 4,8% auf 3,6 % vermuten und könnten die Zentralbank in ihrer Annahme über eine sinkende Inflation bestätigen. Unter Anlegern herrscht daher insgesamt die Einschätzung vor, dass für das Jahr 2012 mit einer laxeren Geldpolitik zu rechnen ist.

Die Effekte der Herabstufungen durch Moody`s werden sich heute an den Märkten direkt beobachten lassen, wenn sich Italien aufmacht, gleichzeitig die BTPs für zwei, drei und fünf Jahren mit einem Gesamtvolumen von 6 Mrd. Euro unter die Investoren zu bringen. Dies erfolgt zu einer Zeit, in der die europäischen Renditen im Rahmen von langfristigen Refinanzierungsgeschäften ohnehin schon geringer ausfallen. Spanien wird heute den Verkauf von kurzfristigen T-Bills anstreben wohingegen Griechenland und Portugal mit ihren Zahlen für das vierte Quartal des vergangenen Jahres weiter für Ernüchterung sorgen dürften.

Mit Blick auf Griechenland verliert die EU zunehmend die Geduld. Es besteht große Besorgnis darüber, dass das Land seine Verpflichtungen im Rahmen der anvisierten Sparmassnahmen nicht erfüllen könnte. Weiteres Öl ins Feuer goss hierbei der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden, der offen über die Aussichten einer Staatspleite sprach.

Die EU-Spitzen pochen weiterhin auf schriftliche Garantien seitens der griechischen Politiker, die Zusagen im Falle eines Regierungswechsels im April aufrecht zu erhalten. Die deutsche Kanzlerin Merkel betonte, dass es hierbei keine Veränderungen des Spardiktats geben werde. Dies erscheint jedoch unwahrscheinlich, wenn man die gegenwärtigen Kommentare des griechischen Oppositionsführers Samaras in Betracht zieht. Er kündigte an, die Bedingungen nach einem Wahlsieg erneut verhandeln zu wollen. Die aktuellen Wählerumfragen deuten jedoch derzeit nicht auf einen solchen Regierungswechsel hin.

In Deutschland weisen die Ergebnisse der Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung auf eine relative stabile konjunkturelle Lage mit einem Anstieg des Wirtschaftsbarometers von -21,6 auf -15 hin. Demgegenüber steht jedoch das Abflauen der europäischen Industrieproduktion, nachdem hier die Rate im Dezember auf 1,2% fiel während der November noch konstante Zahlen aufweisen konnte.