Anleger haben die Angewohnheit, bei jeder Krise zu versuchen, Experten für dieses oder jenes Thema zu werden. Sie machen sich damit zum Spielball der Märkte, medialer Berichterstattung und von den eigenen Eigenschätzungen, im Zweifel vollkommen falsch sein können. Professionelle Trader orientieren sich an der technischen Analyse und an dem, was der Markt wirklich gerade tut - und nicht daran, was irgendeine Zeitung oder die sozialen Medien gerade darüber sagen. Hier entstehen Kontraste und auch eine interessante Erkenntnis: 

Anleger müssen in der Lage sein, eine Position einzugehen, wenn die vorherrschende Stimmung dagegen spricht.

Das mag in erster Linie widersinnig klingen, erklärt aber die Natur der Börse ziemlich genau. Als der DAX einen Boden ausbildete war die Berichterstattung in den Medien und der Austausch auf den sozialen Medien von Angst und Panik erfüllt. Die Word Cloud im Chart unten bildet die Stimmung recht gut ab. Lässt man sich von der schlechten Stimmung anstecken, verpasst man den Einstieg. Der beste Anstieg war also, als die Stimmung am schlechtesten war. Als der DAX ein 123-Tief ausgebildet hat. Im Chart zu sehen ist der Einstundenkerzenintervall.

Konjunktur und zweites Quartal im Blick

Auch wenn noch keine Medikation gegen das Coronavirus gefunden wurde, erwarten die Anleger aus der Epidemie lediglich eine Delle in einem möglicherweise bereits begonnenen konjunkturellen Aufschwung. Vor dem Ausbruch des Virus einigten sich die USA nach harten Verhandlungen mit China in einer ersten Phase über die künftige Ausgestaltung der Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Die dadurch verbesserte Stimmung in der Wirtschaft lässt sich nun in den Wirtschaftsdaten ablesen. Sie zeigen auch für China trotz des Virus im Januar einen leichten Aufschwung. Ebenso die Daten, die wir gestern aus den USA bekommen haben, bestätigen bereits diese Erholung.

Ende der Gewinnrezession als zentrales Thema

Gut die Hälfte der Unternehmen, die im S&P 500 gelistet sind, haben ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Auch wenn der andere Teil noch fehlt – nach jetzigem Stand weist das Gewinnwachstum im letzten Quartal 2019 bereits schon wieder ein Mini-Plus gegenüber dem Vorjahresquartal auf. Setzt sich die positive Berichterstattung fort, würde die Gewinnrezession früher als erwartet enden. Bislang ging man von einer solchen Erholung erst im laufenden Quartal aus. Das ist eine Überraschung, die erklärt, warum die Börsen die Virus-Angst so schnell wieder abschütteln konnten und nun schon wieder neue Rekorde in greifbare Nähe gerückt sind. 

China: Notenbank bügelt aus

Auch die chinesischen Börsen haben sich erholt. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Notenbank im Reich der Mitte Gewehr bei Fuß steht, um Wachstumsprobleme zu beheben. Die Regierung in Peking will zudem Strafzölle für Güter senken, die aus den USA importiert werden. Sie hält sich damit trotz des Aufwands, der derzeit wegen des Virus landesweit betrieben wird, an die Verabredungen mit den USA. Das ist ein gutes Zeichen und zeigt, wie ausgezeichnet China die Lage im Griff zu haben scheint. Das sorgt ebenfalls für Optimismus unter den Investoren.