Spezial: Rohöl weiter unter Druck – Überangebot trifft auf schwächere Nachfrage
Warum für die nächsten Monate keine Besserung für das schwarze Gold in Sicht ist Andreas Paciorek, 07. August 2015 Es war ein Preisverfall mit Ansage. Spätestens nach dem Atom-Deal mit dem Iran und damit der Aussicht auf ein noch höheres Angebot an Öl auf dem Weltmarkt gab es nur wenig Grund, auf steigende Preise für das schwarze Gold zu setzen. In Kombination mit zuletzt schwächeren Wachstumsaussichten für einen der größten Öl-Nachfrager China stürzte der Preis für ein Barrel Rohöl der Marke WTI in der Folge auf aktuell rund 45 US-Dollar ab. Neben den fundamentalen Faktoren warnt in dieser Region nun auch die Charttechnik vor weiteren Kursverlusten. Sinkende Kosten für Ölförderung in den USA Trotz des Rückgangs der Rohölpreise zeigt sich der Ausstoß an US-Öl weiterhin robust. Dabei hilft auch nicht der Blick auf den viel beachteten „Rig-Count“, die Zahl der Fördertürme in den USA in Betrieb. Obwohl die Zahl vom Hoch im Oktober vergangenen Jahres bei 1.609 Fördertürmen zuletzt auf knapp über 600 zurückgefallen ist, wurde die Fördermenge in den USA auf ein 45-Jahres-Hoch bei knapp 9,5 Millionen Barrel gesteigert. Die Rohölförderer senken die Kosten schneller als erwartet, neuere Studien sprechen hier von 30 Prozent. Mit anderen Worten, schon bei einem niedrigeren Preisniveau wird profitabel gefördert, was das Preisniveau insgesamt weiter nach unten treibt. Insgesamt scheint aber ohnehin eine Stabilisierung dieser Anzahl einzutreten. Zuletzt stieg die Anzahl der Fördertürme sogar wieder ein wenig auf 664. Sollte der Ölpreis dann steigen, dürften mehr Fördertürme wieder ans Netz genommen werden, wobei die 60-Dollar-Marke für WTI-Öl eine entsprechende Schwelle darstellt. Saudi-Arabien plant Ausweitung der Kapazitäten Der Ausstoß an Rohöl durch die OPEC, allen voran dessen größtem Produzenten Saudi-Arabien, läuft mit einer Rekordproduktion um 10,6 Millionen Barrel am Tag auf Hochtouren. Zusätzlichen Druck auf die Rohölpreise könnte das Streben Saudi-Arabiens bewirken, seine Raffinerie-Kapazitäten auszuweiten. So führen zwei große, neue Raffinerien in Saudi-Arabien zu einem wachsenden Überangebot an Diesel und Kerosin. Raffinerien in anderen Ländern könnten darauf mit einer verminderten Produktion reagieren, was wiederum deren Nachfrage nach Rohöl drosselt. In Asien, Europa und auch den USA füllen sich die Tanks für Diesel und Benzin immer weiter. Der jüngste Statusbericht der Rohölvorräte aus den USA zeigte zwar einen stärker als erwarteten Rückgang der dortigen Rohölvorräte. Der überraschend starke Anstieg der Vorräte an Diesel, Heizöl und Benzin allerdings spricht dafür, dass der Konsum der Raffinerie-Produkte mit der Produktion nicht standhalten kann. Hinzu kommt: Länder wie Russland, die dringend auf Devisen angewiesen sind, dürften kaum ihre eigene Produktion drosseln. Damit dürfte sich das Überangebot fortsetzen, wenn nicht sogar ausweiten. China als Nachfrager schwächelt zunehmend Denn auf der anderen Seite des Preis-Einflusses steht die Nachfrage-Seite und hier ist der Blick insbesondere auf den zweitgrößten Ölkonsumenten der Welt, China, gerichtet. Im Mai fiel der Import Chinas nach dem schwarzen Schmierstoff der Weltwirtschaft gegenüber dem Vorjahr um 31 Prozent. Der Einbruch des Caixin-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes im Juli auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren schürt zudem Befürchtungen, dass die Nachfrage weiterhin niedrig bleibt. Zuletzt zeigte sich zwar eine etwas erhöhte Nachfrage aus China, da die Importe im Juni um knapp 31 Prozent im Vergleich zum Vormonat zulegten. Dies allerdings war eher dem Basiseffekt geschuldet, denn im Mai lagen die Importe noch auf einem 19-Monats-Tief. Der Iran hat die Wild-Card inne Die Wild-Card hat der Iran inne. Dieser scheint fest entschlossen, seine Produktion nach einer Lockerung der Sanktionen schnell auszweiten. Im Moment allerdings dämpft noch das Risiko einer Blockade durch den US-Kongress das volle Potenzial eines negativen Preis-Impulses auf die Rohölkurse. Die Deadline für eine Entscheidung läuft hier am 17. September aus, wobei US-Präsident Barack Obama schon angekündigt hat, sein Veto einzulegen, sollten die Republikaner sich querstellen. Warnsignale auch von der Charttechnik Auch die Charttechnik liefert Warnsignale für weitere Kursabgaben. Die Kursentwicklung im Monatschart zeigt, dass die Erholung des Rohölpreises für WTI im dritten Quartal genau am 200-Monats-Durchschnitt und dem 23,6%-Retracement der Abwärtsbewegung von 2008 scheiterte. Der kräftige Abprall konnte auch nicht von der Aufwärtstrendlinie von 2001 gestoppt werden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Test der 42-Dollar-Marke. Kann diese nicht verteidigt werden, rückt das 2008-Tief bei rund 35 US-Dollar in den Fokus. Auf diesem Niveau könnte allerdings ein Reversal beginnen, da sich bereits jetzt eine ausgeprägte Divergenz zum MACD herausbildet. Erst bei einem Anstieg des Rohölpreises über 62 US-Dollar würde sich das Chartbild wieder merklich aufhellen und Potenzial für eine Erholung in die Region von 78 US-Dollar erschließen. Bitte beachten Sie: Die Inhalte dieses Marktkommentars dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. 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