Spezial: China lässt die Börsen zittern – Dabei wäre ein wenig Vertrauen angebracht

Warum sich die Yuan-Abwertung langfristig für alle Beteiligten auszahlen könnte Andreas Paciorek, 13. August 2015 Den Turbulenzen an Chinas Börsen mit Kursstürzen von 30 Prozent in nur wenigen Wochen folgte zunächst eine Beruhigung, bevor nun die chinesische Notenbank in dieser Woche die Finanzmärkte mit einem geldpolitischen Paukenschlag schockte. Und die Reaktion auf die Abwertung des Yuan war vor allem an den europäischen Börsen in ihrer Heftigkeit noch um einiges größer als nach den Kursverlusten zuvor. Die Kapitalmärkte sorgen sich jetzt vor einem sich beschleunigenden Abwertungswettlauf der Währungen, einige sprechen mal wieder von einem Währungskrieg, während eine Zinswende in den USA schon im September auf einmal wegdiskutiert wird. China stellt lediglich Marktverhältnisse her Die Abwertung des chinesischen Yuan von knapp fünf Prozent innerhalb nur weniger Tage erwischte die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß. Dass auf die so wörtlich „einmalige Aktion“ vom Dienstag der Yuan gegen den Dollar am Mittwoch und Donnerstag weiter abwertete, dämpfte zusätzlich das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Worte der chinesischen Regierung. Dabei stellten die folgenden Abwertungen lediglich die Festlegung des Referenzkurses auf Basis der vorangegangenen Kursentwicklung dar. Nicht wie bisher setzte die chinesische Regierung diesen Kurs lediglich beliebig, sondern passte ihn an die realen Marktverhältnisse an, was sehr vernünftig ist. Yuan-Kopplung an den Dollar war ein Geschenk für die Europäer Es wird aktuell viel darüber spekuliert, ob die chinesische Regierung durch ihren Schritt einen Währungsabwertungswettlauf lostritt und noch weiter gehen will. Dabei könnte diese Aktion tatsächlich einmalig bleiben und bereits schon wieder beendet sein. Man muss die Abwertung des Yuan im Gesamtbild sehen. Durch die praktische Koppelung der chinesischen Währung an einen steigenden US-Dollar legte der Yuan immer stärker auch gegenüber den anderen Währungen zu. Seit Mitte Mai vergangenen Jahres verteuerte sich der Yuan so um knapp 20 Prozent gegenüber dem Euro und dem Japanischen Yen. Das verschaffte den Unternehmen in Europa und Japan globale Wettbewerbsvorteile. Gleichzeitig profitierten insbesondere die deutschen Unternehmen vom Konsumhunger der Chinesen, begleitet von einem an Wert zunehmenden Yuan. China muss sich um die eigene Wirtschaft kümmern Das Jammern und die Sorgen aber nun sind auf einmal groß. Allerdings muss sich China um seine eigene Volkswirtschaft kümmern und versuchen, die Dynamik aufrechtzuerhalten. Was nicht nur heißt, das vermutlich in etwas weitere Ferne rückende Wachstumsziel von sieben Prozent zu erreichen, sondern auch die soziale Stabilität im Reich der Mitte aufrecht zu halten. Den richtigen Wert der Währung eines Landes zu finden, ist ein stetiger Prozess. Es scheint so, als dass die Aufwertung der chinesischen Währung einfach zu schnell vorangeschritten ist. Sollte es China nun gelingen, die Konjunktur durch die Yuan-Abwertung zu stimulieren, dann könnten am Ende auch die Europäer profitieren. Zurück auf dem Wachstumspfad würden auch die chinesischen Konsumenten wieder Zuversicht schöpfen und stärker konsumieren. Vieles spricht für eine „einmalige Aktion“ Zweifelsohne bleiben große Fragezeichen und viele Warnsignale in der Causa China. Zwar konnte sich der Immobilienmarkt zuletzt stabilisieren, allerdings auf verbilligtem Niveau. Die Konjunkturdaten deuten auf eine abflachende Wirtschaftsentwicklung hin. Der Aktienmarkt verbleibt als latentes Risiko im Hintergrund. Man darf aber nicht vergessen, dass vor ein, zwei Jahren das Schattenbankenwesen in China ebenfalls ein Thema war, welches als potenzieller Faktor für ein Platzen der Blase angeführt wurde. China wird sich seiner Rolle und Verantwortung im globalen Wirtschaftsgefüge bewusst sein und strebt eine noch gewichtigere Rolle in der Welt an, unter anderem durch die Etablierung der eigenen Währung als Weltreservewährung. Durch eine zügellose Abwertung der eigenen Währung wird dies kaum gelingen. Daher bleibt tatsächlich die Hoffnung, dass China es bei dieser Maßnahme belässt. Ähnlichkeiten zur Politik der Schweizer Nationalbank Es ist auch nicht unvorstellbar, dass dieser Zug in Erwartung einer Zinserhöhung in den USA erfolgte. Ähnlichkeiten zur Aufhebung des Mindestkurses des Schweizer Franken zum Euro durch die eidgenössische Zentralbank, kurz bevor die EZB ihr Staatsanleihekaufprogramm verkündete, sind nicht rein zufällig. Denn sollte die Federal Reserve tatsächlich bereits im September die Zinsen anheben, dann hätte dies den an den Dollar gekoppelten Yuan noch mehr verteuert, zu Lasten der eigenen Exportindustrie. Die Lage wird sich wieder normalisieren Es bleibt also festzuhalten: Die Finanzmärkte reagierten auf diese Abwertung aus verschiedenen Gründen hypernervös, was auch teilweise gerechtfertigt war. Aber in der Gesamtbetrachtung war diese Reaktion stark übertrieben und die Lage wird sich in den kommenden Tagen wieder entspannen und normalisieren. Und langfristig werden von dieser „einmaligen Aktion“ vielleicht alle Beteiligten profitieren. Bitte beachten Sie: Die Inhalte dieses Marktkommentars dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. 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