Quo vadis Griechenland? – Szenarien für den Ausgang des „Greferendums“ am Sonntag

Warum sich die Börse lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende wünscht Andreas Paciorek, 02. Juli 2015 Griechenland bezahlt die Rate an den Internationalen Währungsfonds nicht zurück und ist damit faktisch pleite, die Märkte aber bleiben gelassen. Kein Wunder, denn dies führt ohnehin nicht automatisch zum Status der „Zahlungsunfähigkeit“, vielmehr kommt jetzt ein Mahnprozess in Gang, wie man das kennt, wenn man die Rechnung für seine Online-Bestellung nicht pünktlich bezahlt, weil das Konto gerade nicht gedeckt ist. Auch Griechenland gewinnt in diesem Falle lediglich Zeit. Zeit für eine Volksabstimmung zum Beispiel. Das sogenannte „Greferendum“ am Sonntag wird allerdings nicht nur über die Zukunft Griechenlands entscheiden, sondern auch über die zukünftige Entwicklung an den Börsen. Nach dem langen Hin und Her aber scheint die Sache in diesem Fall sehr einfach: Ja oder Nein zum Euro - zwei Szenarien bedeuten kurz- und langfristig zwei mögliche Reaktionen an der Börse. Bei einem „Nein“ hat der DAX kurzfristig Abwärtspotenzial bis 10.600 Punkte Ein „Nein“, also die Entscheidung der Griechen gegen das geforderte Reformpaket der Gläubiger wäre wohl der Anfang getrennter Wege von Eurozone und Griechenland. Die erste Reaktion der Finanzmärkte könnte vergleichbar mit der vom Anfang dieser Woche sein. Der Deutsche Aktienindex hätte für ein Ausschütteln nun Luft bis in die Region um 10.600 Zähler, wo aktuell auch der 200-Tage-Durchschnitt verläuft. Schnell könnte es danach aber wieder nach oben gehen und der Index die Rally aus den ersten drei Monaten des Jahres wieder aufnehmen. Klares Signal aus der Eurozone aber bedeutet langfristige Stabilität Denn damit hätte die Eurozone ein klares Signal ausgesendet, was da heißt: Ein „Weiter so“ gibt es mit uns nicht, zu noch mehr Zugeständnissen sind wir nicht bereit! Durch eine andere Haltung in Brüssel hätte die Anti-Euro- und Europa-Stimmung Auftrieb bekommen und am Ende durch ungewisse Wahlergebnisse auch hässliche Züge annehmen können. Dies wäre in den kommenden Monaten mit einem wachsenden Risiko für die politische Einheit Europas einhergegangen und hätte die Märkte langfristig belastet. Ein in diesem Fall aber abzusehendes Ende des Hick-Hacks und der Insolvenzverschleppung Griechenlands könnte eine Art Katharsis, also einen Befreiungsschlag, für die Börsen bedeuten. Fundamentale Faktoren rücken wieder in den Vordergrund Zwar würde Europa in einem solchen Fall Griechenland nicht einfach im Stich lassen, was auch gut ist, aber die Finanzmärkte könnten sich zur Abwechslung wieder einmal auf fundamentalere Faktoren konzentrieren. Und diese sehen für die Eurozone gar nicht so schlecht aus. Auch aus den USA kommen positive konjunkturelle Signale. Gleichzeitig dürfte das EZB-Staatsanleihekaufprogramm auf Hochtouren weiterlaufen. Um eine Spekulation gegen die Peripherie-Länder zu verhindern, dürfte die Europäische Zentralbank mit Liquidität Gewehr bei Fuß stehen. Bei einem „Ja“ der Griechen nur kurzfristige Euphorie Sagen die Griechen am Sonntag aber „Ja“, würden auf der anderen Seite die Gläubiger wohl wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Denn niemand in Brüssel, Paris oder Berlin möchte schon gern die Verantwortung dafür übernehmen, einem ganzen Land vor den Kopf zu stoßen. Ein positives Referendum könnte durchaus zu einer kurzfristigen Euphorie im Markt im Markt führen und den DAX wieder in die Zone um 12.000 Punkte führen. Unsicherheit bliebe als Belastungsfaktor erhalten Dann allerdings ist es wahrscheinlich, dass Ernüchterung einkehrt. Denn die politischen Karten in Griechenland würden neu gemischt, welches zu neuen Unsicherheiten führen würde. Es ist schwer vorstellbar, wie eine Regierung, die die Bevölkerung zuerst davon überzeugt, gegen ein Reformpaket zu stimmen, anschließend dieses tatsächlich konsequent umsetzt. Auch bleibt fraglich, wie Griechenland ohne Schuldenschnitt wieder auf die Beine kommen soll. Mehr Gelder dürften nötig sein, mit einem Risiko für die politische Stabilität der gesamten Eurozone. Das wahrscheinlichere „Nein“ ist die bessere Alternative für die Börsen Langfristig also könnte der mit einem „Nein“ wohl verbundene Grexit dem DAX wieder Luft in höhere Kursregionen verschaffen. Ein entsprechendes charttechnisches Signal wäre zum Beispiel der Ausbruch über die Abwärtstrendlinie vom Allzeithoch. Dann würde zunächst wieder die Region um 12.000 Zähler in den Fokus rücken. Eine Rückeroberung dieser Chartmarke könnte dann sogar das 13.000er-Terrain erschließen. Bitte beachten Sie: Die Inhalte dieses Marktkommentars dienen lediglich der allgemeinen Information. 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