Marktupdate: DAX schwächelt / Quartalssaison wird überschattet von Eskalationsrisiko in Osteuropa
Von Andreas Paciorek, Marktanalyst CMC Markets, Stand: 11:44 Uhr Nach einem volatilen Handel an den deutschen und US-Börsen, gingen der DAX sowie der S&P 500 und Dow Jones zum gestrigen Handelsschluss jeweils kaum verändert* aus dem Handel. Positive Konjunkturdaten und Quartalsberichte wurden überlagert durch Berichte von toten Separatisten in der Ostukraine, die eine militärische Intervention Russlands hervorrufen könnten. Die Unsicherheit am Markt spiegelt sich auch heute in einem schwächelnden deutschen Leitindex wieder, der am Vormittag über 0,5 Prozent* abgibt. Auch die zweite Reihe aus MDAX und TecDAX werden bis zum Mittag tiefer* gehandelt. In der Ukraine-Krise spitzt sich die Lage weiter zu. Als Antwort auf die ukrainische Militäroffensive, die zu mehreren Toten auf Seiten der prorussischen Separatisten führte, setzte Russland gestern seine Truppen im Grenzgebiet in Bewegung und droht mit einem Einmarsch in die Ukraine. Derweil dementierte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow Berichte, dass die sogenannte Anti-Terror-Operation aus Angst vor russischer Vergeltung ausgesetzt wurde. Laut Reuters will sich US-Präsident Obama heute mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und weiteren EU-Regierungschefs über schärfere Sanktionen gegen Russland beraten. Zwischenzeitlich senkte die US-Ratingagentur Standard & Poor’s heute Morgen die Kreditwürdigkeit Russlands auf BBB/A-2 und damit auf knapp über Ramschniveau. Neben russischen Aktien gerät auch der Russische Rubel gegen den Euro und US-Dollar stark unter Druck. Bei dünnen Konjunkturdaten für den europäischen Raum konzentrierten sich Investoren heute Vormittag auf weitere Quartalsergebnisse. Der DAX-Konzern Continental hob nach guten Quartalszahlen seine Prognose für das laufende Jahr an. Vielen Anlegern reichte dies nicht aus und so gibt die Aktie gegenwärtig über 1 Prozent* ab. Der französische Autokonzern Peugeot berichtete heute, dass im ersten Quartal zwar acht Prozent mehr Neuwagen abgesetzt werden konnten, allerdings hätte aufgrund ungünstiger Wechselkurse wegen des starken Euro der Umsatz lediglich um zwei Prozent zugelegt. Zudem meldete der Konzern, dass der Absatz in China zweistellig zulegen konnte, weltweit dafür einbrachen. Investoren zeigten sich trotzdem relativ zufrieden, wodurch sich die Papiere bis zum Mittag um knapp 1 Prozent* verteuern. Berichte des Handelsblatts über eine mögliche Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank wecken wenige Tage vor der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse die Bedenken der Investoren, ob die Kapitalausstattung des DAX-Konzerns den Kriterien der Finanzaufseher ausreicht. Auch über zusätzlich notwendige Rückstellungen wegen Rechtstreitigkeiten wird spekuliert. Die Papiere verbilligen sich bis zum Mittag um über 2 Prozent*. Am Nachmittag richtet sich der Fokus dann auf US-Konjunkturdaten. Nach dem Markit-Einkaufsmanager-Index des verarbeitenden Gewerbes vom Mittwoch, blicken Investoren heute auf das entsprechende Barometer des Dienstleistungssektors. Positive Zahlen könnten die Signale einer anziehenden Konjunktur in den USA verdichten. Zudem wird das Uni Michigan Verbrauchervertrauen für den Monat April erwartet. Analysten gehen im Vorfeld von einem Anstieg auf 83*** nach 80 Zählern im Vormonat aus. Auch weitere Quartalsergebnisse, unter anderem des Konsumgüterherstellers Colgate-Palmolive, des Autokonzerns Ford Motor und des Finanzdienstleisters State Street, könnten für Impulse sorgen. Der Dow Jones und S&P 500 handeln vorbörslich gegenwärtig unter den jeweiligen Vortagesschlusskursen. * Gegenüber dem Vortagesschlusskurs ** Gegenüber der Vorperiode *** Bei Prognosen handelt es sich um Zahlen, die vom Nachrichtenprovider Dow Jones International Ltd. zur Verfügung gestellt werden