Ölpreis wieder auf dem Rückzug – Vieles spricht für weiter fallende Notierungen
Andreas Paciorek, 16. Juli 2015 Das weltweite Überangebot, das nach 13 Jahren Verhandlungen geschlossene Atom-Abkommen mit dem Iran und ein schwächeres Wachstum in China - Viele Argumente sprechen für weiter fallende Kurse beim Öl, auch die Charttechnik. Nachfrage bleibt weit hinter dem Angebot zurück Während die weltweite Nachfrage nach Rohöl weiterhin weit hinter dem Angebot zurück bleibt, produziert die OPEC, allen voran Saudi-Arabien und auch die USA, auf Hochtouren. Zuletzt lag die Rohölförderung in Saudi-Arabien bei 10,5 Millionen Barrel pro Tag, ein neuer Rekord. In den USA liegt die Produktion auf einem 45-Jahres-Hoch. Und auch die zuletzt finanziell in Bedrängnis geratenen Länder wie Russland dürften sich kaum in der Produktion zurückhalten, um die dringend benötigten Devisenreserven ins Land zu holen. Auf der Nachfrageseite gab es zuletzt global gesehen zwar eine leichte Belebung, dennoch senkte die OPEC jüngst den Ausblick für die Nachfrage nach ihrem eigenen Öl in diesem Jahr auf ein Niveau, das knapp zwei Millionen Barrel täglich unterhalb ihrer eigenen Produktion liegt. Grund ist eben das gestiegene Angebot außerhalb der OPEC. Für das nächste Jahr erwartet sie wieder einen Anstieg der Nachfrage nach OPEC-Öl auf dann 30,1 Millionen Barrel am Tag. Als Begründung nannte sie eine nachlassende Fördermenge in den USA und eine wieder steigende Nachfrage aus China und den Emerging Markets. Dabei beinhaltet diese Prognose aber noch nicht den Iran-Deal, der im kommenden Jahr zu einer Verdoppelung der iranischen Ölproduktion führen könnte, welches dann auf den globalen Weltmarkt schwappt. Förderkosten sinken durch steigende Produktivität Bei einem niedrigeren Preis werden teuer produzierende Förderanlagen unrentabel. In den USA stand hier der sogenannte „Rig Count“, also die Zahl der in Betrieb stehenden Ölfördertürme lange Zeit im Fokus. Allerdings zeigte sich, dass selbst bei dem Rückgang vom Hoch bei 1.609 im Oktober auf zuletzt knapp über 600 die Fördermenge in den USA tatsächlich nicht nur gehalten sondern sogar auf ein 45-Jahreshoch noch erhöht werden könnte. Der Ausstoß in günstiger produzierenden Einheiten wurde einfach erhöht. Zuletzt zeigte sich nicht nur eine Bodenbildung bei der Anzahl der Fördertürme, Anfang des Monats wurden sogar wieder einige ans Netz genommen. Hinzu kommt, dass die US-Ölproduzenten ihre Produktivität schnell verbessern können und kostengünstiger werden. Laut neuerer Studien haben die US-Ölförderer ihre Kosten um 30 Prozent senken können. Mit anderen Worten, schon bei einem niedrigeren Preisniveau wird profitabel gefördert, was das Preisniveau insgesamt absenkt. Sollte der Preis wieder steigen, dürften mehr Fördertürme wieder ans Netz genommen werden, wobei die 60 US-Dollar-Marke in der Sorte WTI eine entsprechende Schwelle darstellen könnte. Erwartete Dollar-Stärke drückt ebenfalls den Ölpreis Eine Rolle für die weitere Entwicklung des Ölpreises spielt auch der US-Dollar. Damit ist die US-Geldpolitik ein potenzieller Einflussfaktor. Die halbjährliche Anhörung der Fed-Präsidentin Janet Yellen in Washington stärkte zuletzt den Greenback wieder, denn hier wurde die Aussicht auf eine US-Zinswende in 2015 aufrechterhalten. Angesichts einer globalen Tendenz, weiterhin die Zinsen eher zu senken, könnte der Dollar damit weiter an Stärke gewinnen und damit den Rohölpreis belasten. Charttechnisch ist noch Luft bis 35 US-Dollar Der Blick auf den langfristigen Chart zeigt, dass die jüngste Erholung im Rohölpreis für WTI genau am 200-Monats-Durchschnitt und dem 23,6%-Retracement-Marke der Abwärtsbewegung von 2008 scheiterte. Aktuell sehen wir einen Test der Aufwärtstrendlinie von 2001. Sollte diese nicht verteidigt werden, ist durchaus ein Rückfall nicht nur in die Region von 42 US-Dollar vorstellbar, sondern sogar auf das 2008-Tief bei rund 35 US-Dollar. Auf diesem Niveau allerdings bestünde dann die Chance auf ein Reversal, da sich bereits jetzt eine ausgeprägte Divergenz zum MACD herausbildet. Erst bei einem Anstieg des Rohölpreises über 62 US-Dollar würde sich das Chartbild wieder merklich aufhellen und eine Erholung in die Region von 78 US-Dollar ermöglichen. Bitte beachten Sie: Die Inhalte dieses Marktkommentars dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. Die Inhalte sind niemals dahingehend zu verstehen, dass CMC Markets den Erwerb oder die Veräußerung bestimmter Finanzinstrumente, einen bestimmten Zeitpunkt für eine Anlageentscheidung oder eine bestimmte Anlagestrategie für eine bestimmte Person empfiehlt oder für geeignet hält. Insbesondere berücksichtigen die Inhalte nicht die individuellen Anlageziele oder finanziellen Umstände des einzelnen Investors. Die in den Inhalten wiedergegebenen Bewertungen, Schätzungen und Prognosen reflektieren die subjektive Meinung des jeweiligen Autors bzw. der jeweils zitierten Quelle, können jederzeit Änderungen unterliegen und erfolgen ohne Gewähr. In jedem Fall haftet CMC Markets nicht für Verluste, welche Sie direkt oder indirekt durch eine Anlageentscheidung erleiden, die Sie aufgrund der Inhalte getroffen haben. Ausdrücklich weisen wir auf die bei vielen Anlageformen bestehenden erheblichen Risiken hoher Wertverluste hin. Insbesondere CFDs unterliegen Kursschwankungen. Ihr Verlustrisiko ist unbestimmbar und kann Ihre Einlagen in unbegrenzter Höhe übersteigen. Verluste können auch Ihr sonstiges Vermögen betreffen. Dieses Produkt eignet sich nicht für alle Investoren. Stellen Sie daher bitte sicher, dass Sie die damit verbundenen Risiken verstehen und lassen Sie sich gegebenenfalls von dritter Seite unabhängig beraten. Sie sollten auch unsere Risikowarnungen für CFDs lesen. Anlageerfolge in der Vergangenheit garantieren keine Erfolge in der Zukunft.