Ölpreis WTI: Bald wieder nahe 70 Dollar?

Die Angst vor einer Abschwächung der weltweiten Nachfrage und einer weiter steigenden Ölproduktion der amerikanischen Fracking-Industrie haben die Verkäufer von Öl in den Sommermonaten mehrere Male dazu motiviert, die 50-Dollar-Marke zu attackieren. Ohne Erfolg, muss man heute festhalten.

Als die OPEC zusammenbrach

Als die amerikanische Ölindustrie im Laufe dieses Jahrzehnts immer dominanter zu werden schien trat das Ölkartell OPEC von seiner Mindestpreispolitik zurück. Diese hatte jahrzehntelang eine Art Preisgarantie ausgesprochen. Rutschte der Preis für Öl unter diesen Mindestpreis, begann die OPEC ihren Mitgliedsländern geringere Quoten zuzuteilen, wodurch das weltweit verfügbare Ölangebot sank. Die Preise stabilisierten sich und das Ziel der Preissicherung war erreicht.

Fracking ändert alles

Dass die Amerikaner aus Schiefergestein Öl fördern können und das auch noch zu wirtschaftlichen Preisen war ein enormer technologischer Durchbruch, der wissenschaftliche Erkenntnisse, die bis dahin galten, auf den Kopf stellte. Eigentlich waren Geologen davon ausgegangen, dass die Ölproduktion der Vereinigten Staaten einer Glockenkurve ähnelte und dass der Zenit schon längst überschritten war. Weit gefehlt – heute produzieren die USA soviel Öl, dass sie ihre eigene Nachfrage größtenteils selbst decken können.

Die OPEC wird besiegt

Der OPEC blieb also nichts anderes übrig als ihre Mindestpreissicherung aufzugeben, um die amerikanische Konkurrenz nicht auch noch indirekt mit hohen Preise zu subventionieren. Sie überlies es dem Markt, den Preis zu kontrollieren. Das stellte eine Zäsur dar – niemand am Ölmarkt war auf diesen Schritt vorbereitet. Der moderne Ölhandel hatte schließlich nie ohne das Kartell funktioniert und niemand wusste, was jetzt als nächstes passieren würde. Was als nächstes passierte war ein rasanter Preisverfall – von 106 Dollar im Juli 2014 auf 25,73 Dollar im Februar 2016.

Tot gesagte leben länger länger

Vermutlich war dieser Preisverfall die Rettung der OPEC. Denn auch den Amerikanern war der Preisrutsch nicht recht, schließlich bedrohte er die gerade stark expandierende Fracking-Industrie. Ohne Widerstand aus Washington formierte sich das Kartell neu und brachte auch Russland, Kasachstan und andere Öl produzierende Länder unter ein erweitertes Dach der sogenannten OPEC+. Der Marktanteil, der zuvor sank, ging auf einen Schlag wieder nach oben.

Rohöl WTI: Big Picture Chartanalyse

Der Rohöl (WTI) Cash CFD hat im Monatschart im Big Picture einen 123-Boden ausgebildet. Das 100% Fibonacci Preiserweiterungsziel bei 77,10 USD/Barrel wurde im Oktober 2018 erreicht (Punkt x im Chart). Es folgte ein erneuter Test des Punktes 1. Dieser Test wurde im Tageschart erfolgreich abgeschlossen (Punkt x2 im Chart). Es bildet sich erneut ein 123-Tief im Tageschart als Abschluss dieses Tests. Nun besteht die Chance auf einen Wiederanstieg bis 77,10 USD/Barrel. Ein Monatsschlusskurs über 77,10 USD/Barrel ermöglicht einen Anstieg bis 92,97 USD/Barrel. Eine Eintrübung der Chartsituation findet unter 51,41 USD/Barrel statt. Dann könnte es zu einer Korrektur bis 38,87 USD/Barrel oder 25,73 USD/Barrel kommen.