Eine neue Gesetzgebung, die es den USA ermöglichen würde, das Ölkartell OPEC und seine Mitgliedsstaaten zu verklagen, könnte zu einem großen Thema an den Märkten im Jahr 2019 werden. Das so genannte NOPEC-Gesetz könnte – sofern verabschiedet – amerikanischen Behörden ermöglichen, Vermögenswerte und Beteiligungen von OPEC-Staaten in den USA zu konfiszieren und diese Länder zu verklagen.

Offenbar möchten die USA unbedingt vermeiden, dass sich die OPEC nach ihrem Zusammenbruch im Sommer 2014 wieder neu formiert. Das Kartell hat in den vergangenen Jahren auch aufgrund der rasant wachsenden Fracking-Ölproduktion in den Vereinigten Staaten immer mehr Macht und Marktanteile verloren. Im Juni 2014 hat man dann die Bombe platzen lassen: Das erste Mal in der Geschichte des Ölmarktes hat die OPEC die Verteidigung eines Mindestpreises eingestellt. Man wolle den Markt den Preis regeln lassen, hieß es damals. In Wahrheit war es das Eingeständnis, dass man den Preis nicht mehr sinnvoll regeln kann, wenn die Amerikaner mit immer größeren Mengen an Rohöl an den Markt drängen.

Die Folge war verheerend: Der Preis der US-Ölsorte WTI brach in der zweiten Jahreshälfte 2014 von rund 106 auf unter 30 Dollar pro Barrel ein. Das Kartell versucht seither, sich durch die Erweiterung zur OPEC+ mit Russland und anderen Produzentenländern wieder zu vergrößern, um zu alter Stärke zurückzukehren. Das unausgesprochene Ziel dürfte die Etablierung eines neuen Mindestpreises für den Ölpreis sein Und genau das dürfte den Amerikanern ein Dorn im Auge sein und das belegen nicht zuletzt immer zornigere Tweets des US-Präsidenten.

Trump echauffiert sich über hohe Benzinpreise und möchte, dass die OPEC mehr Öl fördert, um die Preise nach unten zu bewegen. Mit dem NOPEC-Gesetz hätte Donald Trump einen Hebel gegen die OPEC-Mitgliedsstaaten – ein Hebel, der über zornige Tweets hinausgeht. Saudi Aramco, die staatliche saudische Ölgesellschaft, die jetzt an die Börse gehen will, kontrolliert in den USA etwa die Mehrheit an Motiva Enterprises, dem Besitzer der größten Ölraffinerie in Port Arthur im US-Bundesstaat Texas. Das wären Vermögenswerte, die per NOPEC-Gesetz konfisziert werden könnten.

Es wird spekuliert, dass Qatar die OPEC im vergangenen Jahr auch wegen dem drohenden NOPEC-Gesetz verlassen hat. Immerhin investiert Qatar zusammen mit Exxon Mobil gerade 10 Milliarden US-Dollar in das Golden Pass LNG Flüssiggas-Projekt in Texas.

Vor drei Jahren drohte Saudi Arabien den USA, Hunderte Milliarden Dollar an amerikanischen Vermögenswerten auf die Märkte werfen zu wollen, sollten die USA Saudi Arabien offiziell mit verantwortlich machen für die Terroranschläge des 11. September. Vor gut sechs Monaten drohte Saudi Arabien mit geringeren Rüstungsimporten aus den USA und als Reaktion auf das drohende NOPEC-Gesetz droht Saudi Arabien nun, den Dollar als Währung für die Abwicklung des eigenen Ölverkaufs nicht mehr nutzen zu wollen. Saudi Arabien hat also wiederholt gezeigt, seinen Wohlstand als politische Waffe einsetzen zu wollen.

Fazit

Das NOPEC-Gesetz sollten alle Anleger im Blick behalten, auch jene, die keinen direkten Handel von Öl-CFDs betreiben. Erhöhen die USA den politischen Druck auf das immer noch mächtige Ölkartell, kann das zu vielen unvorhersehbaren Folgen führen und das ist genau das, was die Märkte nicht hören wollen.

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