Trump pusht den Aktienmarkt

Wir sehen uns in der aktuellen Situation in der Weltwirtschaft mit einer interessanten Gemengelage konfrontiert. Die Chinesen drängen auf einen Investitionsabkommen mit der EU, dem ein Freihandelsabkommen folgen soll. Der amerikanische Präsident versucht unterdessen weiterhin gute Stimmung zu verbreiten, just als der S&P 500 Index gestern Abend Probleme hatte, die 3000 Punkte Marke zu überschreiten. Jetzt ist er drüber, Mission abgeschlossen. Trump verkündet, China habe amerikanische Sojabohnen gekauft, und wenn man den Terminhändlern in Chicago zu hört, dann können die das so nicht bestätigen. Es habe in der letzten Woche oder auch über die letzten Wochen keine oder nur ganz geringfügige Exporte von Sojabohnen nach China gegeben.

Wo China Sojabohnen jetzt kauft

Die Situation ist sogar noch etwas dramatischer: Was China Tat, ist US-amerikanische Sojabohnen auszutauschen gegen brasilianische Sojabohnen. Während amerikanische Farmer im Mittleren Westen, im Corn Belt, also darauf hoffen, dass der amerikanische Präsident Arbeitsplätze und Wohlstand in Ihre Region bringt, haben die besten Kunden Amerika verlassen und kaufen jetzt in Latein Amerika ein. Natürlich ist jetzt auch von chinesischer Seite zu hören, dass man an sich arbeiten werde, ein besseres Umfeld für Unternehmen zu schaffen. Und dass es Fortschritte gebe.

Ein langer Weg zum Handelsabkommen

Aber jetzt kommt erst einmal Phase 1 des Abkommens. Das bedeutet, es wird weitere Phasen geben. Bis die fertig sind kann es noch lange dauern. Um aber eine dauerhafte Erholung der Weltwirtschaft und eine Rückkehr der Investitionsbereitschaft der Unternehmen wiederherzustellen brauchen wir einen kompletten Deal. Christine Lagarde, die angehende Chefin der europäischen Zentralbank, kritisiert ganz offen Donald Trump. Er sei dafür verantwortlich, dass die Weltwirtschaft um einen Prozentpunkt weniger stark wüchse als würde es den Handelskonflikt nicht geben. Vor 18 Monaten hätten Unternehmen aufgehört, zu investieren. Wenn wir am 15. Dezember neue Strafzölle bekommen könnten Unternehmen aus ihrer beobachtenden Rolle aussteigen und anfangen, Leute zu entlassen. Das haben sie bislang nur zögerlich bis gar nicht getan - das kann sich aber ändern, wenn die jetzt nicht in die Pötte kommen.

DAX schüttelt Gefahren ab

An den Aktienmärkten schüttelt man dieses Thema derzeit ab und fokussiert sich auf die Fortschritte. Das liegt wohl daran, dass die Erwartungen für die laufende Berichtssaison dermaßen niedrig sind, dass es vermutlich ein leichtes sein wird dann für die Unternehmen diese Erwartungen zu übertreffen. Auch wenn wir am Ende der Berichtssaison netto einen Gewinnrückgang – erneut – haben werden: Interessieren tut es niemand. Die Aktien steigen, weil die gemeldeten Zahlen über den Erwartungen liegen, und sich die Anleger über die vergangenen Monate vor allem mit einem Thema auseinandergesetzt haben und das ist die Angst und die Gefahr einer Rezession. Ergo sind wenige investiert, die Skepsis ist vorherrschend, und daraus ergibt sich ein gewisses Kurspotenzial. Auch nach dem chaotischen Brexit-Wochenende ist die Wahrscheinlichkeit für einen harten Brexit ohne Vertrag etwas weiter gesunken

Top im 5-Minuten-Chart ist aktiv

Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass der Deutsche Aktien Index nach wie vor an einer wichtigen Zielzonen bei 12.805 Punkten ein 123 top ausgebildet hat. Das wird ja ein dickes Brett werden das ist da oben zu Bohren gilt. Aber vielleicht nutzt er den Schwung abermals gut klingender Lippenbekenntnisse im Handelskonflikt dazu, über 12816 Punkte zu steigen und das Top damit zu deaktivieren. Gestern ist die die Apple Aktie als absolut das Schwergewicht in den amerikanischen Aktienindizes auf ein neues Allzeit hoch angestiegen - Analysten erwarten tolle iPhone-Absätze. Das kann eben das Drehbuch werden für die kommenden Wochen: die Hoffnung darauf, dass das Wachstum in der Wirtschaft zunehmen wird.

Risiken: Zentralbanken decken sie zu

Es gibt die Gefahr von Unfällen. Es gibt die Gefahr eines harten Brexit. Es gibt die Gefahr einer Eskalation im Handelstreit zwischen China und den USA oder zwischen der USA und der Europäischen Union. Es gibt die Gefahr, dass am amerikanischen Geldmarkt etwas schief geht. Aber Hand aufs Herz: Solche Gefahren gibt es immer. Und es gibt eben keine wirkliche Alternative, die gefahrenlos wäre. Weltweit sind 15.000 Milliarden US-Dollar an Staatsschulden negativ verzinst. Es gibt also keine sichere Anlage mehr, die Zinsen bringt. 20 Zentralbanken weltweit lockern schon wieder ihre Geldpolitik. Die Fed wird wohl nächste Woche noch eins draufsetzen. Auch deswegen sind die Aktienmärkte relativ robust, wenn es um den Umgang mit dem Handelskrieg geht. Aber was jetzt auf keinen Fall passieren darf ist eine neue Eskalation im Handelsstreit. Wir müssen jetzt genau beobachten, was die Verhandlungspartner auf amerikanischer und chinesischer Seite machen werden. 

Big Picture: So verbrachte der DAX das Übergangsjahr 2019

Noch ein Wort zum Big Picture im DAX. Der Deutsche Aktien Index hat dieses Übergangsjahr 2019 damit verbracht, ein neues Verkauf Signal abzulehnen. Was ich damit meine habe ich im Video am Ende im Monatskerzenchart gezeigt: