Hochs und Tiefs erwischen - Der Traum eines jeden Traders

Von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst CMC Markets Deutschland und Österreich

Träumen wir nicht alle als Trader davon, jedes Hoch und jedes Tief im Markt zu erwischen? Es wäre wohl zu viel versprochen und auch unseriös, eine Methode vorzustellen, die genau dazu in der Lage ist. Ich will mich aber trotzdem an dieses Thema wagen und Ihnen einen Ansatz zeigen, mit dem ich selbst trade und der es analytisch ermöglicht, ziemlich nah an diese neuralgischen Punkte zu kommen. Täglich stelle ich mich dieser Herausforderung, meine Methode öffentlich und ohne Zeitverzögerung am DAX-Chart vor mehreren Hundert Zuschauern zu demonstrieren. Über das Wie und Wo dieses Projekts von CMC Markets soll es in diesem Artikel gehen.

Wir Menschen denken in Symbolen, die wir in Schubladen stecken können. Während das hilft, unser Leben zu strukturieren und zu vereinfachen, ist dieser Ansatz im Trading oft zum Scheitern verurteilt. Wenn wir einem Markt zum Beispiel den Stempel „Trend“ aufdrücken, gehen wir davon aus, dass die Kurse eine einmal eingeschlagene Richtung über längere Zeit beibehalten. Dem ist aber meist nicht so. Denn Kurse müssen weder steigen, noch fallen, noch müssen sie sonst irgendentwas tun. Kurse wollen auch nicht freiwillig irgendwo hin, sie haben keine Mission. Auch steuern nicht immer Angebot und Nachfrage die Kurse, sondern vielmehr der Mangel an Nachfrage oder der Mangel an Angebot auf einem bestimmten Kursniveau. Kurse bewegen sich also nur, wenn sie dazu gezwungen werden. Auch Sie als Trader positionieren sich nicht freiwillig neu oder verkaufen bestehende Aktien. Sie handeln nur, wenn sie dazu gezwungen werden.

Charts erzählen Geschichten über Kapitulation, enttäuschte Hoffnungen, euphorische Freude und Lethargie. Als Trader spielt man mit den Emotionen anderer Menschen, ohne sie jemals kennengelernt zu haben. Die Börse ist eine riesige massenpsychologische Arena. Und Anleger sind die Gladiatoren. Nur wer das versteht, wird den entscheidenden Sprung zum erfolgreichen Trader machen. Wer Hochs und Tiefs erwischen möchte, stellt sich in dem Moment gegen die Mehrheit der Gladiatoren und genau so wird sich das auch anfühlen. Aber wer an der Börse ist, darf dort nicht sein, um sich wohlzufühlen. Es geht darum, Geld zu verdienen. Und dabei ist immer ein System von Vorteil.

Grundlegende Trendüberlegungen

Ein Trend ist, und das wird in der Fachliteratur hinlänglich erklärt, ein ursprünglicher Impuls, der sich dann in eine Richtung fortsetzt. Das Problem dabei ist, keiner weiß genau, wie lange dieser Trend anhält. Aber man kann Punkte in einem Chart herausarbeiten, die dem Trader unmissverständliche Signale liefern, dass man in der bisherigen Trendrichtung vorsichtig werden oder sogar daran denken sollte, die Position nicht nur zu verkaufen, sondern zu drehen, also in die Gegenrichtung zu handeln.

Zu Beginn eines Trends steht immer ein Impuls. Für eine Fortsetzung des Trends sollte auf diesen Impuls nach einer Korrektur wieder ein höheres Hoch folgen. Das ist das grundlegende Konzept der Markttechnik – das immer fortwährende Wechselspiel zwischen Bewegung und Korrektur. Spannend wird es aber dann, wenn es dem Markt nicht gelingt, im Aufwärtstrend ein höheres Hoch oder im Abwärtstrend ein tieferes Tief auszubilden. Während man in so genannten Momentum-Märkten wie bei vielen Aktien aus dem Technologiesektor dann erweiterte Filter verwenden muss, um sinnvolle Signale für mögliche Hochs oder Tiefs zu erhalten, genügt es in Mean-Reversion-Märkten wie dem Germany 30 Cash, sich an der Handelsspanne der ersten 60 Handelsminuten des FDAX zu orientieren.

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Unterschied zwischen Mean-Reversion und Momentum-Märkten

Mean-Reversion steht für Märkte, die gerne zu ihren Durchschitten zurückkehren, nachdem sie eine Trendphase durchlaufen haben, während Momentum-Märkte oft wochen- oder monatelang nicht mehr dorthin zurückkehren. Vor allem für DAX-Trader ist es eine der größten Herausforderungen, diese beiden Zustände fein säuberlich auseinander zu halten. Denn der DAX besitzt die Eigenschaft, blitzartig zwischen Mean-Reversion und Momentum umschalten zu können. Oft steigt oder fällt der Markt ein oder zwei Stunden relativ stark, um dann den Rest des Tages mehr oder weniger in einer Seitwärtsbewegung zu verharren. Wer als Trader in Trendphasen Trading-Strategien anwendet, die für Seitwärtsmärkte ausgelegt sind, wird zwangsläufig scheitern – und umgekehrt. Bei CMC Markets geben wir unseren Kunden einige Kriterien an die Hand, die helfen, Mean-Reversion- von Momentum-Phasen im DAX zu unterscheiden.

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Grafik 1: Das 123-Top

Zurück zur Suche nach dem möglichen Ende eines Trends: Dabei hilft das so genannte 123-Top-Muster. Wenn der DAX zum Beispiel im Aufwärtstrend ein Unvermögen zeigt, ein höheres Hoch auszubilden und stattdessen auf ein tieferes Tief rutscht, ist das ein unmissverständliches Signal für den Abbau bestehender Long-Positionen oder sogar das Eingehen neuer Short-Positionen. Der Stop für eine solche neue Short-Position sollte dann über das Hoch des Musters gesetzt werden.

123-Tops sind Trendwendemuster, die davon ausgehen, dass sich der Markt am Ende einer Momentum- oder Trendphase befindet. Wichtig ist deshalb, dass das 123-Top von einem neuen Tageshoch aus generiert wird, da es dann die höchste Aussagekraft besitzt. 123-Muster, die innerhalb der Handelsspanne der Vorbörse auftreten, stehen unter dem Verdacht, zu einem trendlosen Markt zu zählen und werden ignoriert.

Den Punkten 1 und 2 des obigen Beispiels sollte nach erfolgreichem Abschluss eines 123-Tops fortan eine sehr hohe Bedeutung beigemessen werden. Beide Punkte werden oft auch Stunden später noch einmal getestet und können dabei einen neuen Short-Einstieg ermöglichen. Steigt der Preis bis zum Punkt 2, an dem der Markt zuvor ein Unvermögen zeigte, ein höheres Hoch auszubilden, stellt das zwar den attraktivsten Einstieg dar. Hier aber ist der Stop-Abstand zum Hoch am geringsten. Auch birgt der Einstieg an diesem Punkt die Gefahr, dass der Preis danach nicht mehr unter Punkt 1 fällt. Bildet der Preis an Punkt 1 nach einem erneuten Rücklauf auf Punkt 2 allerdings eine Basis aus, kann es anschließend zu einem Stop-Run kommen, in dem Leerverkäufer zum Eindecken ihrer Position gezwungen werden. Ein Ansatz, das 123-Top zu handeln, kann also auch sein, sich bei dieser Signallage gegen die Leerverkäufer zu stellen, um darauf zu spekulieren, dass sie aus dem Markt gedrängt werden.

Beispiel 1: 123-Top mit Fibonacci-Zielen

In diesem Beispiel wurden Fibonacci-Preiserweiterungen verwendet, um mögliche Kursziele des 123-Tops abzuleiten. Trader können diese Marken nehmen, um Teilgewinne einzustreichen oder Stop-Marken nachzuziehen.

Beispiel 2: 123-Top mit Stop Run

In diesem Beispiel kam es im DAX zur Ausbildung eines fertigen 123-Tops. Unter a) wurde der Punkt 2 des 123-Tops erneut getestet. Unter b) zeigte der Markt dann ein Unvermögen, ein erneutes Verkaufssignal durch einen Schlusskurs unter Punkt 1 zu generieren. Das hatte einen Stop Run zur Folge, den man mit einer eng abgesicherten Long-Position hätte ausnutzen können. Bei b) haben wir also einen neuralgischen Punkt im Markt, den man bei Entstehen des 123-Tops genau im Blick behalten muss.

Fazit

Dieser Artikel sollte Ihnen eine grundlegende Idee des 123-Top-Chartmusters geben, mit dem man in der Lage ist, Hochpunkte während eines Handelstages im DAX abzufangen. Natürlich kann man den gleichen Ansatz auch verfolgen, um Tiefpunkte im Markt auszuloten. Wer diese Methode lernen möchte, kann mir täglich zwischen 9 und 10 Uhr auf unserem YouTube-Livestream CMC TV live zuschauen, wie ich den DAX analysiere und alle Details zu dieser Methode transparent erkläre. Auf unserem YouTube-Kanal findet man außerdem in der Playlist „CMC Trading IQ“ Erklär-Videos zu diesem Trading-Ansatz und im Trader-Chat auf CMC TV kann jeder Fragen zu diesem Ansatz stellen. Ich freue mich auf Ihren Besuch auf CMC TV!

Die hier vorgestellten Kommentare und Marktanalysen dienen lediglich der allgemeinen Information uns stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Die Inhalte stellen keine Handelsempfehlung zum Kauf oder Verkauf jeglicher Art von Wertpapieren oder Derivaten dar. In jedem Fall haftet CMC Markets nicht für Verluste, welche Sie direkt oder indirekt durch eine Anlageentscheidung erleiden, die Sie aufgrund der Inhalte getroffen haben.