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Global Trends: Brandbeschleuniger Coronavirus SARS-CoV-2

CMC Markets

Fallende Ölpreise, ein historischer Einbruch im US-Einzelhandel und schlechte Zahlen von sich vor Kreditausfällen fürchtenden Banken rufen gerade jetzt in Erinnerung, dass zwischen dem derzeitigen Zustand der Realwirtschaft und dem, was in einer durch hohe Liquidität getriebenen Erholung passieren könnte, noch eine gewaltige Lücke klafft.

Amazon.com und Netflix sind zu essentiellen Unternehmen geworden. Netflix beruhigt die in Quarantäne befindliche Bevölkerung und wird schon als Pharmaaktie bezeichnet, und Amazon.com wurde auf dem amerikanische Finanzsender zuletzt als Versorgeraktie ähnlich eines Stromkonzerns betitelt - der Lockdown, dessen zeitliches Ende nicht feststeht, krempelt unser Leben um.

DAX: Der Einbruch kam plötzlich

Da haben sich einige Investoren in den vergangenen zwei Wochen gedanklich schon zu weit vorgewagt und müssen nun erkennen, dass die Schäden real sind, auch wenn vielleicht Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein mag. Der DAX notiert mehrere Hundert Punkte von seinen Erholungshochs entfernt, ganz zu schweigen von seinem Allzeithoch nahe 14.000 Punkten.

Im Deutschen Aktienindex wurden in dieser Woche die Gewinne von mehreren Tagen an einem Stück zunichte gemacht. Die Volatilität dürfte wieder spürbar anziehen, wenn der DAX die Marke von 10.142 Punkten unterschreitet. Dann wäre aus technischer Sicht die gesamte Bodenbildung der vergangenen Wochen plötzlich wieder auf dem Prüfstand.

Anleger sortieren sich neu

Was dieses Mal anders ist zu anderen Korrekturen bei Aktien ist die Stärke des Goldpreises. Goldman Sachs, die vor sieben Jahren zum Verkauf von Gold rieten, blasen zum Einstieg. Die Inflation werde steigen und das nütze dem Edelmetall, heißt es.

Die Anleger haben sich neu geordnet und den Aktienmarkt nun nach zwei Kriterien unterteilt. In Aktien, die zu toxisch sind, um angefasst zu werden. So etwa Boeing, die in dieser Woche abgestürzt sind und damit auch den Triebwerkhersteller MTU mit nach unten zogen, nachdem der Flugzeugbauer 150 Aufträge allein im März verloren hat. Anleger haben aber auf der anderen Seite auch Aktien gefunden, die von der Krise profitieren könnten. Ein Plus von 111 Prozent bei Tesla seit Mitte März und ein neues Allzeithoch bei Amazon lassen fast vergessen, dass sich die Welt inmitten einer Wirtschaftskrise befindet.

Trendbeschleuniger Coronavirus

Amazon stellt im großen Stil neue Mitarbeiter ein, da die Menschen online bestellen, statt in Läden einzukaufen. Tesla könnte profitieren, da die traditionelle Autoindustrie durch die Corona-Krise weiteren Schaden nimmt. Goldman Sachs ruft ein Kursziel von 864 Dollar für Tesla aus, noch einmal 20 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs. Die aktuelle Krise wirkt wie ein Beschleuniger von Trends, die zuvor schon gewirkt haben. Sie wird von Unternehmen, die zuvor schon Probleme hatten, als Entschuldigung und Vorwand genommen, längst überfällige Restrukturierungen noch schneller durchzuführen. Und sie ist Anlass für die Krisengewinner, noch schneller zu expandieren.

Die Anleger treibt auch die Angst um vor einer zweiten Infektionswelle in Regionen wie dem chinesischen Wuhan, in denen man hoffte, das Coronavirus bereits besiegt zu haben. Eine Lösung könnte nur eine nochmalige Isolation der Provinz sein – ein Horrorszenario mit Blick auf die Situation in Europa.

Wir sehen daher Anpassungsprozesse, die jetzt eingeleitet und dann erst einmal Bestand haben werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Action-Kamera-Hersteller GoPro, der ein Fünftel der Belegschaft entlässt und von nun an ausschließlich auf den Online-Vertrieb setzt. Death by Amazon - ein geflügeltes Wort, das zum Thema dieser Krise wird. Menschen gewöhnen sich schnell an neue Verhaltensweisen und der Handel muss sich anpassen.

Rezessionssignale schon vor einem Jahr

Hinzu kommt, dass sich die Anleihekurve bereits im Frühjahr 2019 invertierte. Anfang April gab es auf kurzfristige US-Staatsanleihen erstmals seit zwölf Jahren mehr Rendite als auf langfristige Papiere. Die Märkte schauen darauf deshalb so stark, weil sich die Terminkurve in den USA seit dem Zweiten Weltkrieg achtmal invertierte und achtmal folgte darauf eine Rezession.

Die unmittelbare Folge einer Umkehr der Zinskurve in den USA war in der Vergangenheit oft und auch dieses Mal bizarrer Weise eine scharfe Rally an den Aktienbörsen. Grund dafür ist wohl, dass die von der umgedrehten Anleihekurve signalisierte Rezession immer erst mit zeitlicher Verzögerung eintritt.

Anleger habe sich auch im Frühjahr 2019 stark und am Ende fast ausschließlich auf das Thema Rezession fokussiert. Als die Rezession nicht in den Daten ablesbar war wähnten sich Anleger auf der sicheren Seite und stiegen in Aktien ein. Was folgte kennen wir: Neue Allzeithochs bei Aktien.

Das tükische ist der zeitliche Verzug von der Invertierung der Zinskurve bis zum Eintritt der Rezession. Während die zeitliche Spanne zwischen diesen beiden Ereignissen in der Vergangenheit weit gefächert war ließ sich bereits damals eine mittlere Zielzeit für Juni 2020 für den Beginn möglicherweise einer weltweiten Rezession aus statistischen Daten der Vergangenheit herleiten.

Wir befinden uns nun wahrscheinlich in dieser Rezession. Der Lockdown zur Bezwingung des Virus wirkt auch hier als Beschleuniger.

Angespannte Beziehungen zwischen USA und China

Die Tendenzen in den USA, die Quelle des Virus in einem Labor in Wuhan zu suchen, ist ein weiterer bedenkenswerter Beschleuniger. Es gibt eine Reihe von Hardlinern in der amerikanischen Politik, die die Krise zur Forcierung eine härteren Gangart gegen die chinesische Regierung nutzen könnten. Der Einfluss der China-Hardliner scheint so groß zu sein, dass man das Thema Abschaffung von Strafzöllen nicht anfasste, obwohl es ein günstigerWeg gewesen wäre, die Konjunktur anzukurbeln. Offenbar ist hier also noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Boden im DAX? Wie lange kann das dauern?

Eine Bodenbildung im DAX könnte vorneweg ein halbes Jahr dauern. Diese Anzahl von Kerzen (5-6 Kerzen) im Monatskerzenintervall sind notwendig, um ein sauberes 123-Tief zu basteln - es kann aber auch weitaus länger dauern.

Bodenbildungen und 123-Tiefs in Kleineren Zeitebenen bieten einen möglichen Kontext im täglichen Trading, sind aber von ihrer Aussagekraft gegenüber DEM möglichen Boden der gesamten Korrektur gegenüber mit Vorsicht zu genießen. Wir verfolgen das Geschehen täglich für Sie in unseren Marktkommentaren und auf CMC TV.


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