Fonds umschiffen Euro-Aktien

Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst CMC Markets, 29.7.2016

Heißer Sommer am amerikanischen Aktienmarkt! Während europäische Aktien seit dem Brexit-Referendum ein Schattendasein fristen bricht die Wall Street alle Rekorde. Dort hat man erkannt, dass die amerikanische Notenbank die Zinsen noch lange tief belassen wird und weil es einfach keine attraktiven Alternativen gibt greifen jetzt viele zu Aktien. In der US-Wirtschaft kann man keinesfalls von einem Boom sprechen. Die Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt ist auch weit entfernt. Dennoch steht die US-Wirtschaft im Vergleich zu anderen Regionen der Erde derzeit einfach am besten da.

China wächst zwar weiterhin stabil, dennoch strengt das Land so viele Reformen gleichzeitig an, dass sich Investoren vor politischen Fehltritten Pekings fürchten. Sie haben noch böse Erinnerungen an staatliche Eingriffe, als die Kurse am chinesischen Aktienmarkt im August 2015 und gleich zu Jahresbeginn eingebrochen waren. Die chinesische Regierung verbat kurzerhand Fonds sämtliche Aktienverkäufe, Leerverkäufer wurden strafrechtlich verfolgt. Das weckte kein Vertrauen. Nun greifen Fonds lieber zu den besser regulierten Hongkong-Aktien, sie stiegen im Juli um über 10%. Festlandchinesische Aktien schafften nicht mal die Hälfte dieser Performance.

Vor dem Referendum um den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union hatten globale Investmentfonds – unsicher über die weitere Zukunft – die höchsten Barquoten seit dem Jahr 2001 angehäuft. Nach dem Referendum lässt sich feststellen, dass sie von den Seitenlinien zurück in US-Aktien wechselten. Auch Schwellenländer-Aktien stehen wegen der als verschoben geltenden US-Zinswende im Fokus. Wegen dem unsicheren Verlauf der Brexit-Verhandlungen und einer neu aufflackernden Bankenkrise umschiffen globale Investoren Euro-Aktien allerdings weiträumig. Die Bank von Amerika spricht sogar von den schnellsten Mittelabflüssen aus Euro-Aktien, die sie in den vergangenen Jahren messen konnte.

Dieses Verhalten hinterlässt Spuren. Der DAX brauchte einen Monat länger als die Wall Street, den Stand vor dem Brexit-Referendum zurückzuerobern. Während der S&P 500 Index von einem Rekordhoch zum nächsten eilte, dümpelte der DAX vor sich hin. Ob Fonds aus US-Aktien zurück in Euro-Aktien diversifizieren werden wird maßgeblich davon abhängen, ob die Bankenaktien eine Trendwende schaffen werden. Diese steht angesichts der Tiefzinspolitik der EZB und dem unsicheren Ausgang der Brexit-Verhandlungen aber wahrscheinlich in weiter Ferne. Für den Moment gilt also weiterhin: Der DAX bleibt ein Underperformer, der zwar von der Wall Street nach oben gezogen wird, aber dem ansonsten bisher die Stärke fehlt, an seine US-Pendants anzuknüpfen. Es wird an der Politik liegen, hier dem Markt den Weg zu weisen. 

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