Marktupdate - DAX bleibt in Lauerstellung / EZB-Entscheid im Fokus

Von Andreas Paciorek, Marktanalyst CMC Markets, Stand: 11:29 Uhr Trotz eines neuen Rekordhochs im S&P 500, der positiven Wirtschaftsdaten aus den USA folgte, und Meldungen zu chinesischen Konjunkturförderungsmaßnahmen, halten sich die Anleger heute Vormittag zurück. Grund ist die Unsicherheit vor dem EZB-Entscheid am Nachmittag. Gegenwärtig handelt der DAX knapp über der 9.600-Punkte-Marke. Der MDAX legt bis zum Mittag geringfügig zu*, während der TecDAX leicht abgibt*. Deflationsängste, eine geringe Kreditvergabe in den Krisenländern und der starke Euro machen der Währungsunion zu schaffen und erhöhen den Druck auf die Europäische Notenbank zu reagieren. Nachdem die Inflation im Euroraum im März auf 0,5% auf Jahressicht gefallen ist, stellte sogar Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der als Hardliner gilt, zusätzliche Maßnahmen in Aussicht. Im Gespräch sind vornehmlich eine weitere Leitzinssenkung und ein negativer Einlagenzinssatz, wobei Jens Weidmann in der vergangenen Woche sogar die Möglichkeit einer Ausweitung des europäischen Anleihekaufprogramms ins Gespräch brachte. Die Hoffnung auf ein europäisches Quantitative Easing nach amerikanischem Vorbild dürfte allerdings verfrüht sein, denn hier bestehen unter anderem auch beträchtliche, rechtliche Hürden. Ein Grund für die veränderte Position von Jens Weidmann ist der starke Euro, der die europäischen Exporte verteuert und andererseits Importe verbilligt und damit auch die Preise nach unten ziehen kann. Am Markt scheint man allerdings davon auszugehen, dass die europäischen Notenbanker heute lediglich Worte walten lassen und die Leitzinsen auf der heutigen Sitzung nicht senken werden. Laut einer Bloomberg-Umfrage erwarten von 57 befragten Analysten lediglich 3 eine Senkung der Zinsrate. Der diskutierte negative Einlagenzinssatz wiederum könnte mehr Schaden anrichten als helfen, da die europäischen Banken ohnehin mit einer niedrigen Marge zu kämpfen haben. Die Unsicherheit über das Ergebnis der Beratungen führt dazu, dass die Anleger vor dessen Veröffentlichung vorsichtig werden. Und so handelt der DAX bereits den vierten Tag in Folge in einer relativ engen Handelsspanne um die 9.600-Punkte-Marke und knapp unterhalb einer Abwärtstrendlinie aus den letzten Hochs. Auch der EUR/USD bewegt sich gegenwärtig kaum. Die Volatilität dürfte allerdings zunehmen, je näher die Veröffentlichung rückt. Später zieht der Fokus der Anleger zu den US-Arbeitsmarktdaten. Da die neue Fed-Chefin zuletzt verbal etwas zurückgerudert ist um Befürchtungen einer frühzeitigen Zinswende in den USA etwas abzuschwächen, hoffen Investoren auf weitere Hinweise zur Erholung der amerikanischen Wirtschaft. Volkswirte erwarten bei den US-Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in der letzten Woche eine leichte Zunahme auf 320.000 Personen*** nach 311.000 in der Vorwoche. Zudem werden Zahlen zur US-Handelsbilanz für den Monat Februar erwartet sowie später der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor im Monat März. Vorbörslich handelt der Dow Jones und S&P 500 gegenwärtig etwa um den jeweiligen Vortagesschlusskurs. * Gegenüber dem Vortagesschlusskurs ** Gegenüber der Vorperiode *** Bei Prognosen handelt es sich um Zahlen, die vom Nachrichtenprovider Dow Jones International Ltd. zur Verfügung gestellt werden