Marktupdate - DAX: 9.600 Punkte weiterhin umkämpft / Europäische Einkaufsmanagerindizes signalisieren fortgesetzte Erholung

Von Andreas Paciorek, Marktanalyst CMC Markets, Stand: 11:06 Uhr Nachdem die Bullen im DAX den Kampf gegen den Abgabedruck über der 9.600-Punkte-Marke gestern zunächst verloren und der Index unterhalb dieser Schwelle aus dem Markt ging, sehen wir heute den nächsten Versuch. Der MDAX und TecDAX legen bis zum Mittag ebenfalls zu*. Durch Hoffnungen auf eine Lockerung der europäischen Geldpolitik sowie Konjunkturmaßnahmen in China bekommen negative Konjunkturdaten gegenwärtig eine zusätzliche Betonung – denn sie könnten den Druck auf die Einführung von Maßnahmen erhöhen. Das Umschwenken des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann auf den Kurs der „europäischen Tauben“ führte zu Hoffnungen am Markt, dass die Europäische Zentralbank die Geldpolitik in der Währungsunion weiter lockern könnte, beispielweise in Form einer weiteren Zinssenkung. Die mit 0,5 Prozent auf Jahressicht sehr niedrige Verbraucherpreisentwicklung im März erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank etwas zu unternehmen, jedoch wurde gestern ein Bericht des Magazins „Spiegel“ veröffentlicht, laut dem das Bundesfinanzministerium eine baldige Zinswende erwartet. Am Donnerstag steht bereits die monatliche Zinssitzung der EZB an auf der Maßnahmen zur Bekämpfung einer drohenden Deflation und Ankurbelung der Kreditvergabe im Euroraum beschlossen werden könnten. In China, wo der Ministerpräsident Li Kequiang jüngst den Marktteilnehmern versprochen hatte, der Konjunktur unter die Arme zu greifen, wurden über Nacht schwache Konjunkturdaten veröffentlicht. Während der Markit Einkaufsmanagerindex, der vorwiegend private und kleinere Unternehmen beobachtet im Monat März mit 48 Zählern auf den niedrigsten Stand seit acht Monaten fiel, erholte sich der offizielle Index des chinesischen Statistikamtes, der sich eher auf größere und staatliche Unternehmen konzentriert erstmals seit November leicht von 50,2 auf 50,3. Das Bild einer abflauenden wirtschaftlichen Dynamik verdichtet sich damit und könnte damit die Regierung auf den Plan rufen. Am Vormittag folgten heute die Einkaufsmanager-Barometer aus Europa, die eine weitere Erholung der europäischen Wirtschaft signalisieren. Während der Index in Deutschland um 0,1 Zähler im Vergleich zum Vormonat auf 53,7 Punkte im März zurückging, hellte sich das Bild in Frankreich und Italien auf. Mit einem Barometerstand von 52,4 Punkten übertraf der italienische Index die Analysten-Erwartungen um 0,3 Zähler***. Der französische Einkaufsmanagerindex überraschte am Stärksten. Nach 49,7 Punkten im Februar sprang der Wert mit 52,1 Zählern über die „Expansionsschwelle“ von 50 Punkten und übertraf auch die Prognosen der Volkswirte von 51,9 Zählern***. Für Gesamteuropa fiel der Index des verarbeitenden Gewerbes, wie von Analysten erwartet***, leicht** auf 53 Punkte zurück. Vor der EZB-Sitzung am Donnerstag kommt diesen Zahlen eine besondere Bedeutung zu, da sie für eine Erholung der europäischen Wirtschaft sprechen. Auch Arbeitsmarktdaten wurden heute veröffentlicht. Laut der Bundesagentur für Arbeit ist zudem die Arbeitslosenquote in Deutschland im März auf saisonbereinigt 6,7 Prozent gefallen**. In Italien hält die Misere hingegen weiterhin an. Im Februar erreichte die Arbeitslosenrate dort mit 13 Prozent den höchsten Stand seit 1977. Für den gesamten Euroraum veröffentlichte Eurostat heute eine Quote von 12 Prozent für den Februar. Damit stagnierte die Quote gegenüber dem Vormonat. Nachdem Fed-Präsidentin Janet Yellen gestern die Notwendigkeit einer Unterstützung der US-Wirtschaft für einige Zeit betonte, achten Investoren verstärkt auf Konjunkturdaten aus den USA um Hinweise darauf zu erhalten, wie stark die Wirtschaft sich nach dem Ausnahmewinter erholt. Als einer dieser Indikatoren wird auch der am Nachmittag erwartete ISM-Einkaufsmanagerindex für den Monat März hinzugezogen. Vorbörslich handelt der Dow Jones und S&P 500 gegenwärtig jeweils über dem jeweiligen Vortagesschlusskurs. * Gegenüber dem Vortagesschlusskurs ** Gegenüber der Vorperiode *** Bei Prognosen handelt es sich um Zahlen, die vom Nachrichtenprovider Dow Jones International Ltd. zur Verfügung gestellt werden