Der Marktkommentar am Morgen von Michael Hewson

Beim G20 Gipfeltreffen in Mexiko erhöhten die Teilnehmerstaaten den Druck, auf Deutschland, seinen Widerstand gegen die Erweiterung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) auf 500 Mrd. aufzugeben. Auch soll Deutschland zustimmen, den ESM mit den verbliebenen 250 Mrd. Euro aus der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) zu verbinden.
Es scheint, als ob diese Bemühungen eine gewisse Wirkung erzielten und Deutschland seine strenge Haltung in dieser Angelegenheit überdenkt. Finanzminister Schäuble erklärte, dass dieser Punkt beim Treffen der EU-Spitzen diese Woche aufgegriffen werden könne, nachdem auch der Bundestag heute über das Rettungspaket abstimmt.

Zusätzlich wird deutlich, dass der Rest der Welt und der IWF von Europa verstärkte Bemühungen bei der Lösung der Probleme vor der eigenen Haustür erwarten und die Freigabe weiterer Finanzhilfen kritisch prüfen. Der IWF hat bereits angekündigt, dass seine Beiträge zur Rettung Griechenland nicht als selbstverständlich zu erachten seien, falls Deutschland weiterhin bei der Erhöhung des Pakets opponiere.
Insbesondere die USA als größter Beitragszahler im IWF weigern sich, weitere IWF-Gelder freizugeben, solange die EU-Staaten nicht noch mehr Engagement zeigen. Finanzminister Timothy Geithner blies ins selbe Horn ohne jedoch schlüssig zu erklären, warum seine eigene Zentralbank durch ihre laxe Geldpolitik die Probleme in Europa und im Rest der Welt eher verschärft, indem sie den Dollar nahe der historischer Tiefs hält.

Die deutsche Zurückhaltung wird auch bei der heutigen erneuten Abstimmung im Bundestag auf den Prüfstand kommen, wobei sich die Annahme des neuen Rettungspakets abzeichnet. Gleichzeitig aber werden Äußerungen aus höchsten Regierungskreisen laut, die den Verbleib Griechenlands in der Eurozone in Frage stellen, wie zuletzt beispielsweise durch Innenminister Friedrich und seinem Statement, dass das Land besser beraten sei, aus dem Euro auszutreten.

Griechenland hat derweil den 8. März als Deadline für seinen sogenannten “freiwilligen” Schuldenschnitt in Höhe von 206 Mrd. Euro festgelegt. Banken und Hedgefonds haben nun etwas Zeit, ihre Bereitschaft hierzu zu prüfen. Falls die Zustimmung von 75% der Beteiligten erzielt wird, könnte der Deal den griechischen Zinsrückstand um 106 Mrd. Euro senken.

Auf globaler Ebene bereitet die Entwicklung des Ölpreises zunehmend Sorge, da hier zuletzt Höchststände erreicht wurden vor dem Hintergrund der Spannungen im Mittleren Osten und eines nach wie vor schwachen Dollars. Es wird befürchtet, dass die leichte Erholung der US-Wirtschaft wieder zunichte gemacht und die ohnehin angespannte Lage in Europa noch verstärkt werden könnte. Dies gilt speziell für Länder wie Griechenland, Spanien und Italien, die besonders unter einem iranischen Ölembargo leiden würden.