Der Marktkommentar am Morgen von Michael Hewson (Marktanalyst bei CMC Markets UK)

Vergangenen Freitag bleib der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) keine andere Wahl als den griechischen Schuldenschnitt als unfreiwillig einzustufen, nachdem Griechenland ankündigte, Zwangsmaßnahmen bei unwilligen Anleihebesitzern anzuwenden und die Beteiligungsquote auf 95,7% zu steigern. Somit stellt der Schuldenschnitt ein sogenanntes „Kreditereignis“ dar und Kreditausfallversicherungen auf griechische Anleihen werden nun fällig.

Die Auswirkungen auf die europäischen Banken sind noch nicht gänzlich abzusehen aber ein Zahlungsvolumen von derzeit 2,6 Mrd. Euro scheint sicher. Dennoch ist die Ausrufung des Kreditereignisses notwendig gewesen, bedenkt man die Unwägbarkeiten auf dem europäischen Anleihemarkt die ein Verschließen der Augen vor der Krise mit sich gebracht hätte.

Auch wenn Präsident Sarkozy mit seiner Bemerkung, dass die Griechenlandkrise nun bewältigt sei vorpreschte, ist es allgemeiner Konsens, dass Griechenland auch nach diesem Anleihetausch von vergangener Woche ein drittes Rettungspaket benötigen wird. Die aktuellen Wirtschaftsparameter zeigen ein unerwartet drastisches Schrumpfen der griechischen Wirtschaft um 7,5% für das vierte Quartal 2011 an.

Für heute steht nun die Signatur der EU-Finanzminister unter die 130 Mrd. Euro an Hilfsgeldern für Griechenland an; ungeachtet dessen, dass eine Staatspleite nach wie vor nicht abgewendet ist. Die griechischen Staatspapiere werden derzeit noch immer mit einer höheren Rendite gehandelt als zum portugiesische Anleihen.

Vor diesem Hintergrund kommt erschwerend hinzu, dass der IWF seine Beteiligung im Rahmen der Griechenlandrettung auf einen Anteil von 14% zurückzufahren gedenkt. Mit dieser Maßnahme soll der Druck auf Europa erhöht werden und insbesondere von Deutschland wird dabei ein größeres Engagement zur Bewältigung der Krise gefordert.

Für die Eurozone insgesamt stellt die Griechenlandkrise nicht das einzige Problem dar. Die für heute anstehenden Daten zum italienischen BIP im vierten Quartal 2011 lassen auf einen Rückgang um 0,7% der Wirtschaftsleistung schließen.

Zudem bereitet der anhaltend hohe Ölpreis Sorge, nachdem das schwarze Gold vergangene Woche erstmals über 95 Euro das Barrel notierte.