Der Marktkommentar am Morgen von Michael Hewson (Markt Analyst bei CMC Markets UK)

Positive Konjunkturaussichten und ein sich erholender Arbeitsmarkt in den USA sorgen für eine bessere Stimmung an den europäischen Märkten. Das gestrige Statement des Federal Open Market Committe (FOMC) hierzu verhalf den US-Börsen zu ihrem höchsten Stand seit Mitte 2008.

Der Stresstest fĂĽr amerikanische Banken gilt als Erfolg, nachdem 15 der 19 Geldinstitute die Erwartungen erfĂĽllt hatten. Ein kleiner Wermutstropfen war dabei lediglich das Scheitern der Citigroup.
Die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung der USA kommt der Federal Reserve besonders zugute. Vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen könnte dies die Notenbank vor einer schwierigen politischen Situation bewahren und die Notwendigkeit weiterer monetärer Lockerungen vorerst abwenden.

Für die Märkte dagegen schwindet damit vorerst jegliche Hoffnung auf zusätzliche Geldspritzen bis zum Wahltermin im November, auch wenn die Notenbank dies nicht so deutlich ausdrücken möchte. Das nächste zweitägige Meeting der Bank könnte endgültigen Aufschluss geben, nachdem abzuwarten ist, inwieweit die gegenwärtige Erholung anhält. Auch wird dann das weitere Vorgehen bei der sogenannten „operation twist“, welche derzeit im Juni ausläuft, erörtert werden.

In der Eurozone herrscht weiter Gegenwind, was die wirtschaftlichen Aussichten angeht. Ein lancierter Bericht der EU-Troika in Bezug auf die Zukunft der griechischen Wirtschaft lässt nichts Gutes erahnen. Da hilft es auch wenig, dass die Ratingagentur Fitch als Reaktion auf den Anleihetausch vergangene Woche ihre Einstufung auf ein B- heraufgesetzt hat. Dem Bericht der Troika zufolge sind zusätzliche Haushaltseinschnitte bereits für den Mai erforderlich, da sich schon abzeichnet, dass Athen seine Sparziele wieder einmal verfehlen wird. Überhaupt muss das Land erst einmal die Wahlen im April unversehrt überstehen aber nicht mal dieser Umstand ist gesichert betrachtet man die gegenwärtigen Meinungsumfragen.

Ein weiteres Sorgenkind der Eurozone wird zunehmend Spanien. Gerade hat das Land der EU eine kleinen Teilerfolg abgerungen. Die von der EU geforderte Verschuldungsquote konnte von 4,4% auf 5,3% erhöht werden, nach den politisch waghalsigen Forderungen von Premier Rajoy, eine Budgetüberschreitung von 5,8% genehmigt zu bekommen. In der Tat blieb der EU angesichts der wirtschaftlichen Lage Spaniens keine andere Wahl, aber dennoch bereitet es eine gewisse Ernüchterung zu sehen, wie beschlossene Sparziele bereits ignoriert werden. Auch werden hiermit neue Präzedenzfälle für die anderen EU-Staaten geschaffen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die für heute anstehenden Zahlen zu der Industrieproduktion innerhalb der Eurozone für den Monat Januar präsentieren. Im Dezember wurde noch ein Rückgang von 1,2% verbucht. Für Januar besteht die verhaltene Hoffnung auf eine Erholung und einem Wert von 0,6%; eine optimistische Annahme bedenkt man die neuerlichen enttäuschenden Zahlen zum Einkaufsmanager-Index in diesem Sektor.
Für Februar wird darüber hinaus ein Anstieg der Inflationsrate erwartet, welche insbesondere durch den aktuell hohen Ölpreis angetrieben wird. In Euro notiert wurden im gesamten Monat diesbezüglich Höchststände verzeichnet.