Der Marktkommentar am Morgen von Michael Hewson (Markt Analyst bei CMC Markets UK)

Es wäre keine normale Woche, gäbe es keine Schlagzeilen zu Griechenland und auch dieses Mal wird es nicht anders sein mit den Ergebnissen aus dem Schuldenschnitt zwischen Griechenland und seinen privaten Gläubigern. Dem Anschein nach läuft noch nicht alles wie erhofft und es besteht die Sorge, ob alle Parteien kooperieren werden. Noch vergangene Woche schloss die ISDA eine Zahlungsfähigkeit Griechenlands aus, doch diese Zuversicht könnte schnell zunichte gemacht werden, wenn am Ende doch nicht die erforderliche Mindestbeteiligung von 75% der Gläubiger erreicht wird. In diesem Fall müsste das Land die rückwirkend beschlossenen Zwangsmaßnahmen (CACs) wie vorgesehen anwenden.
Schließlich hat auch die Ratingagentur Moody`s ihre Bewertung der griechischen Bonität abgegeben und mit Blick auf das zweite Rettungspaket das Land auf die niedrigste Stufe herabgesetzt.

Die neue fiskalische Abmachung der EU-Führung erlebte bereits ihren ersten Dämpfer und einen Test ihrer Glaubwürdigkeit. Spaniens Premier bestand darauf, das Staatsdefizit von 8,5% auf nur 5,8% und nicht wie von Brüssel gefordert auf 4,4% senken zu wollen. Die heutigen Zahlen zum spanischen Einkaufsmanager-Index werden in diesem Zusammenhang wieder die akuten Probleme des Landes verdeutlichen. Erwartet wird ein Absinken deutlich unter 50 Zähler.

Auch Kanzlerin Merkel könnte demnächst neuen Gegenwind bekommen; erlaubt doch die neueste EU-Vereinbarung externe Sanktionen bei Nichteinhaltung der Regeln was wiederum gemäß den deutschen Verfassungsrichtlinien bei einer Abstimmung im deutschen Bundestag einer Zwei-Drittel Mehrheit bedarf. Zwar ist ein positives Votum nicht ausgeschlossen, doch muss Frau Merkel hierzu auf die Opposition zugehen und Zugeständnisse machen müssen im Sinne von „quid pro quo“.

In Brüssel will die Anspannung kein Ende nehmen, denn nach wie vor stellt das geringe Wirtschaftswachstum in der Eurozone ein Problem dar. Die heutige Veröffentlichung des Einkaufsmanagers-Index für den gesamten Euro-Raum verheißt nichts Gutes bei gleichzeitig reduziertem Handlungsspielraum angesichts der neuen fiskalischen Einschränkungen. Viele Überraschungen sind nicht zu erwarten: Italien könnte leicht auf 45 steigen, in Frankreich deutet sich ein Zähler von 50,5 an, für Deutschland 52,6 und für die gesamte Eurozone ein Wert von 49,4. Im weiteren Tagesverlauf stehen dann noch die Einzelhandelsumsätze der Eurozone für den Januar an, nachdem die deutschen Handelsumsätze bereits vergangene Woche die Anleger enttäuschten. Im Monatsvergleich dürfte ein Rückgang von 0,1% zu verkraften sein was wiederum mit Blick aufs Vorjahr eine Reduktion von 1,5% bedeutet.

Großbritannien scheint sich derweil etwas von den Problemen in der Eurozone abzukoppeln, obwohl diese ein wichtiger Absatzmarkt für seine Exporte darstellt. Das Lloyds Business Barometer für Februar zeigt weiterhin eine Verbesserung an und notiert erstmals im positiven Bereich mit einem Anstieg von -11 auf 1 innerhalb der vergangenen Monate. Auch die Einkäufe im Baugewerbe überraschen mit einem deutlichen Anstieg auf 54,3 und wecken Hoffnungen, dass das erste Jahresquartal doch noch Wachstum bringen könnte auch wenn das produzierende Gewerbe zuletzt noch einen Rückgang verbuchte.

In den USA wurden die Märkte vergangene Woche enttäuscht, da das Institut für Supply Management mit verhaltenen Zahlen aufwartete. Mit umso mehr Spannung werden daher die heutigen Werte für den gesamten Wareneinkauf erwartet. Ein leichter Rückgang von 56,8 im Januar auf 56,1 für den Februar scheint wahrscheinlich.

Share: