In der letzten Pressekonferenz der EZB sagte Mario Draghi noch, dass die Inflationserwartungen zwar sinken, aber es noch nicht an der Zeit sei, über Gegenmaßnahmen zu sprechen. Hier ein Mitschnitt einer Frage aus dem Q&A der EZB-Pressekonferenz am 6. Juni:

Presse: "Meine zweite Frage bezieht sich auf marktbasierte Inflationserwartungen, die jüngst weiter sanken. Sie sagten zuletzt dass dies hauptsächlich auf negative Risikoprämien zurückzuführen sei, aber wie lange können wir die marktbasierten Inflationserwartungen so weit unter dem Ziel der EZB tolerieren?"

Draghi: "Ja, die marktbasierten Inflationserwartungen. Wir nehmen die sehr ernst. Erstens sehen wir keine Gefahr einer Deflation. Es gibt eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit einer Rezession. Es gibt, basierend auf mehreren Analyseansätzen, derzeit keine Gefahr einer Entankerung der Inflationserwartungen, aber es gibt hier ein sehr hohes Maß an Streuung zwischen Null und 1,5%. Nebenbei bemerkt findet der Rückgang der Inflation nicht nur in Europa sondern auch in anderen Teilen der Welt statt, wenn auch zugegebenermaßen von einem höheren Niveau aus. Also muss es eine Art von globalem Faktor geben, aber es ist definitiv etwas, was wir in unseren geldpolitischen Erwägungen mit einbeziehen."

Nun, nur zwölf Tage später, findet offenbar ein Umdenken statt. Mario Draghi sagte auf dem Zentralbankforum im portugiesischen Sintra:

"In den kommenden Wochen wird der Rat darüber beraten wie deren Instrumente angepasst werden könnten um der Schwere der Risiken der Preisstabilität zu begegnen"

"Ohne eine Verbesserung, also wenn das Ziel einer nachhaltigen Erreichung des Inflationsziels der EZB bedroht wird, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden."

Also subjektiv klingt das für mich nach einem weiteren QE-Programm. Jetzt muss man sich die Stimmung anschauen. Das ZEW-Geschäftsklima wird bei -21,1 gemeldet, wo +6 erwartet wurden. Das gleiche haben wir im kleinen Bild. Vorhin brach der DAX unter 12.000 Punkte. Die Tiefs der letzten sechs Handelstage wurden mit hohem Momentum unterschritten. Und dann kam Draghis Einlenken. Das Resultat ist ein sauberer Short Squeeze im [i133962]DAX[/i133962] 

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und auf Bloomberg den Corpus Delicti dieser ganzen Debatte rauszusuchen. Die Kurve zeigt steil abwärts und auch, dass sie immer deutlicher unter dem Ziel der EZB von "nahe oder bei 2%" bleibt. Sie zeigt heute aber durch Mario Draghis Rede auch einen Zacken nach oben:

Die Lage im Germany 30 Cash hat sich damit deutlich aufgehellt. Technisch betrachtet haben wir es jetzt mit einer Bärenfalle unter 12000 Punkten (genau: 12026 und 12077 Punkten) zu tun, sollte der Index auf dem aktuellen Niveau schließen. Auch die US-Futures hellen sich auf. Mehr zur technischen Situation sehen Sie im angehängten Video.