Die amerikanischen Rentenmärkte waren auch gestern damit beschäftigt, Rezessionsangst auszupreisen und die Erwartung einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte einzupreisen. Der Renditeanstieg zwischen zwei- und zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen sprang zeitweise auf 0,31% und war damit 121% höher als Mitte vergangener Woche. Das ist ein gutes Zeichen, zeigt es doch, dass die Börsen an eine das Wirtschaftswachstum stützende Wirkung kommender Zinssenkungen der Zentralbank glauben.

Heute kommt Mario Draghi. In einer der letzten öffentlichen Auftritte seiner Regendschaft der EZB wird er vermutlich auf die Abwärtsrisiken im Wachstum der Eurozone gepaart mit nachlassenden Inflationserwartungen verweisen und damit die Sprache sprechen, die andere Zentralbanken aus Australien, Südkorea, Indien, Washington auch sprechen. Alles andere wäre eine Überraschung.

In einigen Kommentaren wird das Szenario einer Eurodollar-Rally verbreitet - eine Idee, die ich technisch wie fundamental noch nicht unterschreiben kann. Wie soll der Euro stark steigen wo die EZB doch noch in ein tieferes Zinsloch fallen wird, wenn die amerikanische Notenbank jetzt einen Zinssenkungszyklus einleiten wird?

Die EZB ist bereits bei Null und hatte aufgrund fehlender wirtschaftspolitischer Impulse kein Zeitfenster wie die Fed gehabt, ihre Zinsen anzuheben. Also muss sie tief in den negativen Bereich gehen oder sich andere, kreative Methoden der Stabilisierung der Märkte ausdenken - zum Beispiel den Kauf von ETFs oder Aktien direkt wie es seit geraumer Zeit ja auch schon die japanische Notenbank tut.

Das wäre ein bullisches Szenario für Aktien, da plötzlich ein Nachfrager auftauchen wü rde, den es bislang nur am Anleihemarkt gegeben hat und wir sehen angesichts des absoluten Zinstiefs bei deutschen Staatsanleihen, wohin so ein potenter Käufer die Märkte führen kann. Angesichts der Tatsache, dass Draghi dem Ende seiner Amtszeit nahe kommt kann es aber auch gut sein dass er sich zu großen Schritten nicht mehr hinreißen lassen wird und ob sein Nachfolger das tun wird steht ebenso in den Sternen wie die Antwort auf die Frage, wer eigentlich sein Nachfolger sein wird. Daher: Nichts genaues weiß man nicht nur dass die Märkte dies- wie jenseits des Atlantik jetzt fest mit Geldversprechen der Zentralbanken rechnen.

Technisch scheint 12026 im DAX zunächst als Widerstand akzeptiert zu werden was einen Test von 11835 Punkte heute theoretisch ermöglichen würde.