CMC Espresso: Fonds meiden Euro-Aktien

Der amerikanische Aktienmarkt bricht auf neue Rekordhochs aus. Das passt zum Präsidentschaftswahlzyklus, und mit dem zeitlichen Abstand meines dreiwöchigen Urlaubs betrachtet passt das auch wunderbar zu der massiv negativen Stimmung, in der die meisten Marktteilnehmer vor diesem Ausbruch gewesen sind.

Nach dem Brexit, das war meine These, werden die hohen Barquoten der Fonds wieder heruntergefahren und die tiefen Aktienquoten hochgefahren. Blöd ist jetzt nur dass die deutschen und europäischen Aktien umschifft werden, der Schwerpunkt liegt bei amerikanischen Aktien. Das passt auch zu dem zweimalig auf Jahresfrist glücklich gelungenen Test der Aufwärtstrendlinie, die seit dem Jahr 2009 intakt ist. Die beiden China-Schocks von August 2015 und von Jahresbeginn sind in New York vergessen, auch weil der Druck auf die Chinesen, den Renminbi noch weiter abzuwerten, durch die verzögerte Zinswende in den USA erst einmal genommen wurde. Der Dollar wertet dennoch weiter auf, was verständlich ist, immerhin strömt viel Geld in die USA, einerseits wegen den Aktien, andererseits bekommt man 1,5% Zins pro Jahr gutgeschrieben, wenn man der amerikanischen Regierung für zehn Jahre Geld leiht. Bei der deutschen Bundesregierung bekommt man nichts mehr. Die deutschen Bundesanleihen rentieren immer noch negativ, sie sind in der vergangenen Woche sogar von unten von der Nulllinie abgeprallt, also sie liefen aus dem negativen Bereich kommend an die Nulllinie und konnten sie nicht überschreiten, was augenblicklich die Frage aufwirft, ob die Nulllinie jetzt den neue Deckel nach oben darstellt? Es gibt hier viel aufzuarbeiten für mich nach drei Wochen Urlaub aber was mich sogar im Urlaub erreicht hatte waren die Gerüchte über Helikoptergeld in Japan. Bald, in 24 Stunden, solle es kommen, hieß es da vor gut eineinhalb Wochen. Und dann kam nichts. Am Wochenende sprach der japanische Notenbankchef Kuroda davon, dass Helikoptergeld verboten bleibe – so richtig scheint ihm das aber niemand glauben zu wollen. Am Ende versucht Japan auch nur seine Währung gegenüber anderen Währungen abzuwerten, denn am Ende ist es das verbleibende Mittel, mit dem Länder sich von der insgesamt schwachen Weltwirtschaft noch einen größeres Stück abschneiden können. Schauen Sie nach Großbritannien. Britische Aktien brechen nach oben aus, sie haben eine Bodenbildung aktiviert in Form einer inversen SKS-Formation, wer eine Erklärung sucht muss nur auf das Pfund schauen, es notiert deutlich schwächer als vor dem Referendum und das hilft dem britischen Export. In den USA wird der Dollar nur etwas stärker und schon sinken die Gewinnerwartungen, laut Factset werden die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im dritten Quartal um 0,1% sinken, das wäre dann das sechste Quartal in Folge mit rückläufigen Profiten. Fonds scheinen auf jeden Fall derzeit massive Kapitalumschichtungen in Schwellenländeraktien durchzuführen – interessanterweise scheint hier das gleiche Spiel gespielt zu werden wie bei amerikanischen Staatsanleihen: Investoren wollen noch ein wenig Zinsen aus den Schwellenländern genießen, während sie in fast allen anderen Regionen der Erde schon bald auf Null gefallen sein werden, oder schon dort oder darunter sind. Das ganze Geld, das nach China, Brasilien und in andere aufstrebende Länder strömt wird bedauerlicherweise aus Europa abgezogen, die Bank of America spricht sogar von den höchsten Mittelabflüssen aus Europäischen Aktienfonds, die sie je gemessen habe. Für den Moment scheint das also die traurige Realität zu sein, die negative Abkopplung europäischer Aktien könnte ein permanenter Trend zu werden.