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Biden als nächster US-Präsident – Wirtschaft und Börse könnten gut damit leben

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In den vergangenen Wochen, die von einem teilweise schmutzigen Wahlkampf um das Präsidentenamt geprägt waren, wurde die Wählbarkeit von Joe Biden mehr diskutiert als seine Politik. Der ehemalige Vizepräsident wird dadurch definiert, was er nicht ist - radikal oder revolutionär. Er wird von vielen Demokraten als der Kandidat angesehen, der am besten geeignet ist, Präsident Trump in der heutigen tief polarisierten politischen Landschaft herauszufordern. Die Wirtschaftsagenda des 77-jährigen ist zwar nicht so detailliert wie andere und enthält keine ähnlich weitreichenden Vorschläge, aber sein Plan für die USA ist dennoch ehrgeizig. Biden stellt für die Amerikaner mehr als nur einen beruhigenden „Reset“-Knopf dar.

Die Wiederbelebung der Mittelschicht

Die Wiederbelebung der amerikanischen Mittelschicht und die Stärkung des ärmeren Teils der US-Bevölkerung sind die Eckpfeiler in Bidens Kampagne. „Dieses Land wurde nicht von Wall-Street-Bankern und CEOs oder Hedgefonds-Managern aufgebaut, sondern von der amerikanischen Mittelschicht ", klingt zwar ein wenig nach den Worten des Linken Bernie Sanders, Biden kommt aber eher als Gemäßigter mit vernünftigen, realisierbaren Plänen denn als Führer einer "Revolution" gegen die wirtschaftliche Ungleichheit daher. Er erachtet eine wachsende und blühende Mittelschicht, die er mehr in Werten und Lebensstil und weniger in einer Einkommensgruppe sieht, als wichtig für die soziale und politische Stabilität in den USA.

Ein besseres Gesundheitssystem und höhere Steuern

Offizielle Daten besagen, dass 2018 die Zahl der Amerikaner ohne Krankenversicherung zum ersten Mal seit elf Jahren von 7,9 im Jahr 2017 auf 8,5 Prozent der Bevölkerung gestiegen ist. Biden tadelte in einem Tweet die unzähligen Angriffe der Trump-Regierung auf den „Affordable Care Act“ und verspricht als zukünftiger Präsident, auf Obamas Gesundheitsreform aufzubauen. Sein Vorschlag würde Obamacare so erweitern, dass 97 Prozent der Amerikaner versichert seien und 750 Milliarden Dollar über zehn Jahre kosten. Biden will zudem ein wachstumsfreundliches, progressives Steuergesetz. Sein Plan soll innerhalb eines Jahrzehnts zusätzliche Einnahmen in Höhe von fast vier Billionen Dollar generieren. Laut dem Tax Policy Center würden die 20 Prozent der Haushalte mit dem höchsten Einkommen (die etwa 170.000 Dollar oder mehr verdienen) fast 93 Prozent der Last der von Biden vorgeschlagenen Steuererhöhung tragen, das obere Prozent fast drei Viertel davon.

Produkte „Made in America“

Im Juli schlug Biden einen 700-Milliarden-Dollar-Plan vor, um Amerikas Produktions- und Technologiestätten zu stärken. 400 Milliarden Dollar davon für in den USA hergestellte Güter und Dienstleistungen und Investitionen von 300 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung für Technologien wie Elektrofahrzeuge, 5G und künstliche Intelligenz. Biden vertritt nicht Trumps defätistische These, dass Automatisierung und Globalisierung gut bezahlte Arbeitsplätze vernichten und die Schaffung neuer verhindern. In seinem Wahlprogramm fordert er massive Ausgaben in die US-Infrastruktur, genau wie die Fed, die mit ihrer extremen Niedrigzinspolitik den Weg dafür bereitet hat. Er will über ein Jahrzehnt 1,3 Billionen Dollar für die Infrastruktur ausgeben. Er unterstützt die Idee eines „Green New Deal“, möchte dem Pariser Abkommen wieder beitreten und sicherstellen, dass die USA bis 2035 über einen kohlenstoffemissionsfreien Stromsektor verfügen. Bis spätestens 2050 soll dann die Netto-Null-Emission erreicht werden.

Infrastruktur und saubere Energien

Um eine zu 100 Prozent saubere Energiewirtschaft aufzubauen und Millionen „Gewerkschaftsarbeitsplätze" zu schaffen, plant er Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, saubere Elektrizität, die Elektrofahrzeugindustrie, Gebäude und Wohnungen sowie die Landwirtschaft. Insgesamt sieht sein Klimaplan in seiner ersten Amtszeit Bundesausgaben in Höhe von zwei Billionen Dollar vor. Er will kein Fracking-Verbot, aber neue Genehmigungen für Öl- und Gasbohrungen auf Bundesland und Offshore verbieten, stillgelegte Öl- und Erdgasquellen verstopfen und ehemalige Bergbaugebiete restaurieren und zurückgewinnen.

Die Börse kann gut mit einem Präsidenten Biden leben

Höhere Steuern für Unternehmen und Besserverdiener kompensiert durch massive Konjunkturausgaben und Investitionen, die ihrerseits durch eine höhere Kaufkraft der meisten Amerikaner die Umsätze ankurbeln – so schlecht klingt die Aussicht auf einen demokratischen Präsident Joe Biden nicht. Das erklärt auch, weshalb mit steigendem Vorsprung gegenüber Amtsinhaber Trump auch die Börsen weiter steigen. International könnte es nach einem Wahlsieg Bidens deutlich harmonischer zugehen, auch wenn die Demokraten durchaus einen harten Kurs gegenüber China fahren wollen. Und Hand in Hand könnten Geld- und Fiskalpolitik nicht nur Amerikas Wirtschaft nach dem Corona-Schock wieder auf Kurs bringen. Aktien aus Branchen wie erneuerbare Energien, Produzenten alternativer Antriebstechnologien, aber auch Anbieter von Krankenversicherungen und Technologieführer wie Apple profitieren schon jetzt und sollten auch nach einem eindeutigen Wahlsieg Bidens über den 3. November hinaus gefragt bleiben.  

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