Wochenbeitrag: US-Zinserhöhung ist Segen und Fluch zugleich – Volatiles Jahresende erwartet
Nach dem Zinsschritt kommen die Sorgen an den Börsen schnell wieder zurück Andreas Paciorek, Marktstratege CMC Markets So ist es oft mit den Geschenken zum Fest. Man fiebert auf den Weihnachtstag hin, freut sich oft nur kurz über das eine oder andere, um dann später festzustellen, dass man es nicht wirklich braucht. So könnte man auch die von den Investoren weltweit erwarteten, erhofften und in dieser Woche dann auch endlich erfolgten Zinswende in den USA einordnen. Nicht auszudenken, wie groß die Enttäuschung gewesen wäre, wenn die US-Notenbank die Zinswende noch einmal verschoben hätte. So ist dann auch die Erleichterungsrally der Börsen weltweit zu erklären, die nach diesem Schritt einsetzte. Aber die Euphorie hielt nicht lange. Keine zwei Tage später werden die Fragezeichen und Sorgen, die mit dieser Zinserhöhung verbunden sind, immer größer.

Richtiger Zeitpunkt für die Zinserhöhung?

Es war keine einfache Entscheidung des Teams um die Fed-Chefin Janet Yellen, die da am Mittwoch gefällt werden musste. Einerseits waren die Erwartungen des Marktes an eine Zinserhöhung so hoch, eben weil sie auch gut und von sehr langer Hand vorbereitet wurde. Aber ob dann der Zeitpunkt mit dem Blick auf die aktuelle konjunkturelle Lage in den USA richtig gewählt war, dass wird jetzt von den Anlegern mehr und mehr hinterfragt. Die Konjunkturdaten aus den USA zeichnen da gerade ein anderes Bild als man es in der Pressekonferenz von Janet Yellen vernehmen konnte. Die US-Industrie könnte im vierten Quartal sogar in die Rezession rutschen und die Rohstoffpreise geben aufgrund weltweiter Konjunktursorgen immer weiter ab. Die Talfahrt des Ölpreises beschleunigte sich gerade in den vergangenen Tagen noch einmal dramatisch. Damit ist auch eine mögliche Inflation in der Nähe des Ziels von zwei Prozent weit und breit nicht in Sicht. Hat sich das Bild gegenüber der September-Sitzung also tatsächlich so verändert, dass die Notenbank jetzt gezwungen war zu handeln? Oder war sie jetzt nur Getriebene ihrer selbst und es gab zu einer Zinserhöhung keine Alternative?

Große Unsicherheiten in 2016

Die Fragen bleiben, die Antworten werden die Börsen in den kommenden Tagen und Wochen suchen, womit den Spekulationen über die weitere Geldpolitik Tür und Tor geöffnet wurden. Vor jeder Sitzung im kommenden Jahr wird die Unsicherheit darüber, ob die Fed ein weiteres Mal an der Zinsschraube dreht, zu hohen Schwankungen an den Börsen führen. Und eines ist auch klar: Sollte der Zinsschritt nach oben zu früh gekommen sein, kann die Fed nicht einfach wieder die Zinsen senken, ohne erstens die Konjunktursorgen in die Höhe schießen zu lassen und zweitens das Gesicht zu verlieren. Der dann entstehende Vertrauensverlust in die größte geldpolitische Institution der Welt, sie hätte die Lage jederzeit im Griff, wäre immens und würde großen Schaden auch an den Finanzmärkten anrichten. Ein weiteres Thema, was die Märkte in den kommenden Wochen beschäftigen dürfte, ist eine mögliche Beschleunigung im Abwertungswettlauf der Währungen. Hier steht vor allem der chinesische Yuan im Fokus. Die Währung wertete in den vergangenen Tagen zum US-Dollar mit zunehmender Geschwindigkeit weiter ab. Auch wenn die chinesische Volkswirtschaft eigentlich eine Leitzinssenkung und einen schwächeren Yuan benötigt, um die Exportwirtschaft zu stützen, allzu dynamisch dürfte die chinesische Regierung hier nicht vorgehen. Zu groß wäre die Gefahr, dass die Kapitalabflüsse mit der nun höheren Rendite im Dollar-Raum zu groß werden. Auch für den Immobilienmarkt wäre das ein Problem, wenn die Investitionen umgelenkt würden. Die Zinserhöhung in den USA ist für die Finanzmärkte also Segen und Fluch zugleich. Langfristig lässt die US-Notenbank die Börsen gerade aufgrund des Timings und den aktuellen Rahmenbedingungen verunsicherter denn je zurück. Vieles wird von den nächsten Konjunkturdaten vor allem aus den USA abhängen. Diese müssen nun den Optimismus aus der Geldpolitik bestätigen, um von den Aktienmärkten positiv aufgenommen zu werden. Zünglein an der Waage werden auch die Rohstoffpreise bleiben. In den kommenden Tagen dürfte es damit auch am deutschen Aktienmarkt gerade bei geringen Umsätzen sehr volatil bleiben. Starke Nerven sind über die Feiertage gefragt. Bitte beachten Sie: Die Inhalte dieses Marktkommentars dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als maßgebliche Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. Die Inhalte sind niemals dahingehend zu verstehen, dass CMC Markets den Erwerb oder die Veräußerung bestimmter Finanzinstrumente, einen bestimmten Zeitpunkt für eine Anlageentscheidung oder eine bestimmte Anlagestrategie für eine bestimmte Person empfiehlt oder für geeignet hält. Insbesondere berücksichtigen die Inhalte nicht die individuellen Anlageziele oder finanziellen Umstände des einzelnen Investors. Die in den Inhalten wiedergegebenen Bewertungen, Schätzungen und Prognosen reflektieren die subjektive Meinung des jeweiligen Autors bzw. der jeweils zitierten Quelle, können jederzeit Änderungen unterliegen und erfolgen ohne Gewähr. In jedem Fall haftet CMC Markets nicht für Verluste, welche Sie direkt oder indirekt durch eine Anlageentscheidung erleiden, die Sie aufgrund der Inhalte getroffen haben. Ausdrücklich weisen wir auf die bei vielen Anlageformen bestehenden erheblichen Risiken hoher Wertverluste hin. Insbesondere CFDs unterliegen Kursschwankungen. Ihr Verlustrisiko ist unbestimmbar und kann Ihre Einlagen in unbegrenzter Höhe übersteigen. Verluste können auch Ihr sonstiges Vermögen betreffen. Dieses Produkt eignet sich nicht für alle Investoren. Stellen Sie daher bitte sicher, dass Sie die damit verbundenen Risiken verstehen und lassen Sie sich gegebenenfalls von dritter Seite unabhängig beraten. Sie sollten auch unsere Risikowarnungen für CFDs lesen. Anlageerfolge in der Vergangenheit garantieren keine Erfolge in der Zukunft.