So schlimm war es schlussendlich gar nicht. Eine echte V-förmige Trendumkehr ist selten, vor allem, wenn sie bei Staatsanleihen auftritt und erst recht wenn sie das Ausmaß animmt, das man bei Euro-BTPs sah – das sind während der Finanzkrise analog zum Bund Future geschaffene Terminkontrakte auf italienische Staatsanleihen, die sich per CFD auch bei CMC Markets handeln lassen. Die Zinsen dreijähriger Euro-BTPs verdreifachten sich erst und drittelten sich dann – und das in nur einer Woche.

 

Der, der hier aber am Ende die Anleger weitergewunken hat mit dem beschwichtigendem Hinweis, dass es ähnlich wie bei einem Tatort nichts zu sehen gibt und man doch beruhigt seines Weges gehen könne war auch die EZB, die über QE-Programme italienische Staatsanleihen zukauft und damit den Feenstaub verteilt, der beruhigenderweise notwendig war. Dass die EZB diese Wirkung erzeugte, ohne überhaupt neu aktiv zu werden, zeigt das Vertrauen der Kapitalmärkte in die Institution der EZB. Und natürlich kam es auch nicht zu befürchteten Neuwahlen, obwohl eine zunächst gescheiterte Regierungsbildung von einigen Kommentatoren dramatischerweise zu der Gefahr eines bevorstehenden Italexit-Referendums aufgebauscht wurde, noch bevor man wusste, ob es überhaupt zu Neuwahlen kommen wird.

 

Jetzt steigt der DAX wieder. Man darf nicht vergessen dass wir es bei derlei Problemen wie in Italien mit Schönwettersimulationen zu tun haben, die sich vor dem Hintergrund eines weltweiten synchronen Aufschwungs bei gleichzeitig tiefen Zinsen abspielen. Was wäre wenn wir uns in einer konjunkturellen Delle oder gar einer Rezession befinden würden und wüssten, dass die EZB bereits alle geldpolitischen Register gezogen hätte? Wahrscheinlich hätten wir dann keine V-Umkehr. Wir fahren bildlich gesprochen über Stock und Stein und auch größere Schlaglöcher wie die politische Situation in Italien lassen sich besser ertragen wenn die Federung durch einen robusten Aufschwung noch intakt ist. Wir alle wissen aber wie es sich anfühlen würde wenn es anders wäre.

 

Und ehrlich gesagt muss man auch festhalten dass der DAX auch gar nicht steigt, sondern seit Jahresbeginn auf der Stelle tritt. Wer die Drehzahlen des weltweiten Konjunkturmotors beobachtet und seine Anlagestrategie danach ausrichtet wird derzeit jedoch keinen Grund erkennen können, warum demnächst ein Gang herunterschaltet werden sollte. So richtiges Verkaufsinteresse wird auf diese Art und Weise nicht aufkommen.

 

Aus den USA erreichten uns am Freitag Arbeitsmarktdaten, aus denen sich seit Jahresbeginn eine durchschnittliche monatliche Stellenschaffung von 207.000 ableiten lässt, nach 182.000 im letzten Jahr. Die offiziell ausgewiesene Arbeitslosenquote von 3,8% ist die tiefste seit April 2000. Gleichzeitig kommt kein Inflationsdruck auf. Dafür sind die Lohnsteigerungen mit 2,7% zum Vorjahr noch zu weit von der kritischen 3%-Grenze entfernt und obendrein divergieren die Lohnkostensteigerungen noch zu stark, von 1,5% in der herstellenden bis 5,6% in der Finanzindustrie. Bei allem Hang der Märkte zur Dramaturgie kann selbst der dunkelste Schwarzmagier und Permabär aus diesen Daten kein bedrohliches Inflationsgespenst heraufbeschwören.

 

Wer sich allerdings dazu entscheidet, neben der Gesamtbegutachtung des Konjunkturmotors stärker auf das Motorengeräusch zu hören wird Hinweise entdecken, dass es nicht mehr ganz so rund läuft. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das erste Quartal einen Höhepunkt in der Profitabilität der amerikanischen Firmen darstellte. 12% betrug die Gewinnspanne nach Steuern eines durchschnittlichen S&P-500-Unternehmens von Januar bis März, das ist um die Hälfte höher als in der ganzen Zeit zwischen den Jahren 2000 bis zur Finanzkrise 2007. Von Januar bis März kam es dann aber auch zu einer ganzen Reihe von Ereignissen, die sich künftig schwächend auf die Gewinnmargen auswirken werden. Einerseits begann der US-Dollar, dynamisch aufzuwerten, was Währungsverluste auf dem Exportmarkt entstehen lässt. Anleiherenditen zogen indes kräftig an, was Belastungen aus höheren Schuldzinsen erzeugt. Außerdem sprang der Ölpreis an, was frei verfügbare Einkommen verringert und Energiekosten vergrößert.

 

Der Firmenchef des Baumaschinenherstellers Caterpillar sagte Ende April angesichts der Veröffentlichung eines Rekordergebnisses, dass er sich nicht vorstellen könne, dass die Margen seines Unternehmens noch einmal höher steigen könnten als im gerade abgelaufenen Quartal. Wenn Anleger anfangen davon überzeugt zu sein, dass es nicht viel bessser werden wird dann könnten wir uns einer echten Wende im Marktzyklus nähern. Anleger sollten vor diesem Hintergrund dem Verhalten des S&P 500 Index im Bereich seiner 200-Tage-Linien erhöhte Aufmerksamkeit widmen. Die dem jüngeren Kursgeschehen enger folgende exponentiell gewichtete 200-Tage-Linie liegt im S&P 500 Index bei 2634 Punkten.