Steht der Börsengang von Alibaba unter schlechten Vorzeichen?
Die Alibaba Group Holding Limited, Betreiber der Handels- und Kommunikationsplattform Alibaba.com mit Sitz in Hangzhou (China) plant laut Medienberichten etwa 12 Prozent seiner Aktien an der New York Stock Exchange an die Börse zu bringen. Laut Reuters soll eine Person, die mit der Sache vertraut ist, zudem verraten haben, dass das Unternehmen den Börsengang irgendwann nach dem US-Feiertag Labor Day im September anvisiert. An dem Unternehmen sind unter anderem Yahoo und Softbank beteiligt. Technologie-IPOs haben eine eher schwierige Zeit hinter sich. Die ruhmlosen Beispiele Twitter und King Digital Entertainment dürften noch in guter Erinnerung sein und erfolgten innerhalb einer generellen Korrektur bei den gut performenden Momentum-Werten wie man beispielsweise auch bei Facebook und Tesla Motors beobachten konnte. Anlässlich des anstehenden Alibaba-IPOs (IPO = Börsengang), dass selbst den Börsengang von Facebook in den Schatten stellen könnte, ist es ein guter Zeitpunkt, die Performance von Technologiewerten nach ihrem Börsengang auszuwerten. In diesem Beitrag sehen wir uns zunächst die Faktoren an, die die Performance einer Aktie nach einem IPO beeinflussen. Im Anschluss richten wir den Blick auf die Kursentwicklung vorangegangener prominenter Technologie-IPOs. Aufbauend auf diesen Grundlagen soll der Börsengang von Alibaba eingeschätzt werden.

Faktoren, die den Handel von Technologiewerten nach ihrem Börsengang beeinflussen

Wenn man die Börsendebüts von populären Technologie- und Social-Media-IPOs der letzten zehn Jahren betrachtet, zeigt sich, dass diese häufig einen guten Start hatten, die Anfangsgewinne und der Enthusiasmus allerdings aufgrund verschiedener Aspekte häufig nicht lange Bestand hatten. Meist wird diesen Werten zu Beginn eine große Aufmerksamkeit durch Medien und Fans zuteil, die aber irgendwann abzuflauen beginnt. Ein Grund dafür ist, dass auf das IPO eine stille Periode folgt, weil Regularien es den Analysten der Emissionshäuser, die den Börsengang begleiten, für eine gewisse Zeit nach dem Börsengang verbieten, Analysen über das jeweilige Unternehmen zu veröffentlichen. Den Aktien dieser Unternehmen wird dadurch oft der Wind aus den Segeln genommen, bis nach Ablauf dieser Frist Broker das Interesse an diesen Werten wieder wecken können. Bei IPOs geht es meist um Fantasie und Prognosen, wohingegen beim tatsächlichen Handel Resultate zählen. Einmal gelistet, ist das Unternehmen verpflichtet, Geschäftsergebnisse zu veröffentlichen und diese müssen, wie bei allen anderen Unternehmen auch, gewisse Erwartungen erfüllen. Ein IPO, das mit einem gewaltigen Hype und hohen Kursen startet oder bei dem der Kurs direkt zum Börsendebüt sehr stark zulegt, weckt entsprechend hohe Erwartungen, wodurch auch das Risiko einer Enttäuschung steigt, sobald Zahlen geliefert werden müssen. Ein weiterer Aspekt ist, dass IPOs für gewöhnlich initiiert werden, um Geld für neue Unternehmungen zu sammeln, wobei bis zur Implementierung und zum Break-even in aller Regel längere Zeit verstreicht. Erste Geschäftsberichte können somit erst mal enttäuschend ausfallen. Bei Facebook dauerte es über ein Jahr, bis das Geschäftsmodell der Werbung auf mobilen Geräten tatsächlich Fuß fassen konnte. Von diesem Zeitpunkt an jedoch verdoppelte sich der Wert der Aktien in weniger als drei Monaten. Ein weiterer Faktor ist die Tatsache, dass im ersten Jahr des Handels das Angebot an Aktien ständig zunimmt, da die Sperrfrist für den Verkauf vieler Aktien, die verteilt wurden, als das Unternehmen noch nicht gelistet war, endet. Diese Papiere kommen dann nach und nach auf den Markt und können den Kurs belasten. Dabei stellt nicht nur der Verkauf der privaten Anteilseigner ein Problem dar. Der zunehmende Anteil an frei handelbaren Aktien erhöht auch das Angebot für Leerverkäufer. All diese Faktoren spielen auch eine Rolle bei der Frage, warum Technologiefirmen nach ihrem Börsendebüt dazu tendieren, eine flaue Periode zu durchlaufen mit nicht selten fallenden Notierungen. Unternehmen, die neu auf den Markt kommen, brauchen naturgemäß einige Zeit, um sich ein Track Record aufzubauen. Daher gestaltet sich der Handel direkt nach dem IPO in manchen Fällen besonders volatil, wobei man natürlich von Bewegungen in beide Richtungen profitieren kann. Schlussendlich richtet sich der Handel, genauso wie bei den etablierten Werten auch, stark nach der Unternehmensperformance und der Marktverfassung. Twitter und King Digital Entertainment sind klassische Beispiele dafür, wie stark einige dieser Faktoren den Post-IPO-Handel beeinflussen können.

Twitter – IPO-Update

Das Management von Twitter hat intensiv versucht, die Fehler von Facebook zu vermeiden, indem es Geld für den Nach-IPO-Handel als Reserve bereitstellte und sich an einer anderen Börse listen ließ. Der Börsengang verlief zunächst positiv und die Trader verhalfen der Aktie zu einem satten Gewinn am ersten Börsentag und einer zweiten, großen Rallye im Dezember. Seit Beginn dieses Jahres hat die Realität aber auch die Twitter-Aktie eingeholt und so wurde der Kurs wieder zurück auf den Boden der Tatsachen geführt. Den ersten beiden Quartalsberichten folgten große Ausverkäufe: Trader nutzten die Veröffentlichung für Gewinnmitnahmen, als sie merkten, dass die Geschäftsergebnisse die hohen Bewertungen gegenüber den Alternativen an der Börse möglicherweise nicht rechtfertigen. Die Ausgabe von 480 Millionen Aktien nach einer Sperrfrist hat etwas später dann die Kurse zusätzlich nach unten gezogen. Bisher konnte sich die Twitter-Aktie über ihrem IPO-Preis von 26 US-Dollar halten. Allerdings könnte, wie wir anhand eines Vergleichs mit anderen Tech-Aktien sehen werden, dieses Level in den kommenden Monaten angegriffen werden. [[{"type":"media","view_mode":"media_large","fid":"7294","attributes":{"alt":"Alibaba_Twitter.png","class":"media-image","height":"465","typeof":"foaf:Image","width":"580"}}]]

King Digital Entertainment – IPO-Update

King Digital, der Entwickler des bekannten Spiels Candy Crush, hatte zu seinem Börsendebüt ziemliche Probleme. Einer der bisher besten Tage als börsennotierte Aktiengesellschaft war der Tag, an dem die Sperrfrist für die Emissionsbanken endete: Von da an durfte man Unternehmensanalysen veröffentlichen und mit Kunden offen über die Aktie sprechen. Allerdings hielten die Gewinne nicht besonders lange an, denn sie wurden überschattet von einer negativen Marktreaktion auf den ersten Geschäftsbericht des Unternehmens. [[{"type":"media","view_mode":"media_large","fid":"7295","attributes":{"alt":"Alibaba_King Dig.png","class":"media-image","height":"442","typeof":"foaf:Image","width":"580"}}]]

Vergleich vorangegangener populärer Tech-IPOs

[[{"type":"media","view_mode":"media_large","fid":"7296","attributes":{"alt":"Performance Technologie-IPOs.png","class":"media-image","height":"428","typeof":"foaf:Image","width":"580"}}]] Anhand der Grafik können wir erkennen, dass es durchaus erhebliche Unterschiede in der Performance der verschiedenen Technologie-IPOs innerhalb der ersten 100 Handelswochen (2 Jahre) gibt. Google stellt hier sozusagen den Goldstandard dar, weil es in den ersten zwei Jahren nach seinem Börsendebüt konsequent über seinem Ausgabepreis gehandelt wurde. Trotz dieser herausragenden Leistung konsolidierte der Wert nach einer Anfangsrallye und tendierte mehrere Monate erst seitwärts, bevor er seinen Aufwärtstrend wieder aufnahm. LinkedIn und Baidu stellen in gewisser Weise eine Mischung aus allen vorgestellten Werten dar, da sie fest starteten, für eine Zeit unter ihren Eröffnungskurs zurückfielen, um dann nach einer 8-monatigen Handelsphase wieder einen soliden Aufwärtstrend zu etablieren. Groupon und Zynga repräsentieren ein Worst-Case-Szenario, da sie in den Monaten nach ihrem Börsendebüt unter ihren Eröffnungskurs fielen und dieses Niveau seither nicht zurückerobern konnten. Facebooks Performance liegt irgendwo zwischen LinkedIn und Groupon. Das Debüt war wenig glorreich und die Aktie notierte fast das gesamte erste Jahr unter ihrem Eröffnungskurs. Im zweiten Jahr kam wieder Schwung in die Aktie. Selbst während des Rückgangs im Segment der Momentum-Aktien konnte sich Facebook weiterhin über seinem IPO-Preis halten. Twitters Performance ähnelt bisher am ehesten der von Zynga, weil es eine frühe Rallye aufweist, drehte und dann unter die Handelsspanne des ersten Handelstages rutschte. Gegenwärtig gleicht die Performance wiederum der von LinkedIn, es bleibt aber abzuwarten, welchen Pfad die Aktie von nun an gehen wird. Wie ein Wert zu seinem Börsendebüt startet, gibt Hinweise darauf, wie gut die Konsortialbanken bei der Festlegung des Emissionspreises waren. Ein starker Eröffnungstag bedeutet, dass der Preis zu tief angesetzt worden sein kann, während ein schlechter Start darauf schließen lässt, dass der Preis zu hoch war. Zu seinem Börsendebüt 2004 war der Handel bei Google eher wenig volatil, um von da an stetig Fahrt aufzunehmen. Für Trader ist es wichtig zu verstehen, dass der Erfolg am Eröffnungstag oder in der Eröffnungswoche nicht unbedingt etwas über die Zukunftsaussichten der Firma aussagt. Ungeachtet des Starts der Aktien, notierten alle anderen untersuchten Werte in einem Zeitraum von 6 bis 8 Monaten nach ihrem IPO unterhalb des Schlusskurses vom Eröffnungstag. Ein besonders starkes Debüt könnte einfach nur das Risiko einer später umso heftigeren Korrektur mit sich bringen, wie wir an den Beispielen von Baidu, Zynga und möglicherweise in Zukunft auch Twitter sehen werden. Andererseits kann das schwache Debüt von King potenzielle Trader auch abschrecken, wie uns Facebook und Groupon gelehrt haben.

Ist Alibaba dazu verdammt, den selben Handelszyklus zu wiederholen?

Nun zum eigentlichen Thema: Vermutlich am 08. August, will der chinesische Internetgigant Alibaba sein IPO abgeschlossen haben und an den Börsen handelbar sein. Alibabas IPO unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von den vorgestellten und so könnte sich auch der Post-IPO-Handel anders entwickeln. Einer der Gründe, warum Aktien in den Monaten nach ihrem Börsendebüt Probleme haben, liegt wie erwähnt an dem fehlenden Track Record. So wie sich das Management erst daran gewöhnen muss, dass das eigene Unternehmen nun ein börsennotiertes Unternehmen ist, müssen Trader auch erst herausfinden, wie sie das „neue“ Unternehmen und dessen Wachstum bewerten können. Unter den Unsicherheiten, die Twitter belasteten, finden sich beispielsweise widersprüchliche Signale vonseiten des Managements, welche Indikatoren am besten geeignet sind, um das Unternehmensergebnis und den Unternehmensausblick auszuwerten. Alibaba dagegen kann bereits einen teilweisen Track Record im Markt vorweisen. Da Yahoo! 22 Prozent der Anteile an Alibaba hält, hat eine Bewertung der Anteile und damit des Unternehmens gewissermaßen in Form von Yahoo!s Aktienpreis stattgefunden und Berichte über Alibabas Fortschritte und Finanzlage wurden mit Yahoo!s Unternehmensberichten bereits veröffentlicht. In den letzten zwei Jahren hat die Yahoo!-Aktie bei Weitem die Performance seiner US-Wettbewerber übertroffen. Im Vergleich zu chinesischen Internetunternehmen war die Performance sogar noch besser. [[{"type":"media","view_mode":"media_large","fid":"7297","attributes":{"alt":"ALIBABA-Yahoo1.png","class":"media-image","height":"459","typeof":"foaf:Image","width":"580"}}]] [[{"type":"media","view_mode":"media_large","fid":"7298","attributes":{"alt":"ALIBABA-Yahoo2.png","class":"media-image","height":"457","typeof":"foaf:Image","width":"580"}}]] Dadurch startet Alibaba nicht als total Unbekannter am Markt. Die Marktteilnehmer haben sich bereits eine Meinung bilden können, was der faire Wert des Unternehmens sein könnte, da sie die gehaltenen Anteile von Yahoo! über Jahre hinweg bewerten konnten. Angesichts der schieren Größe von Alibaba und seiner momentanen Bewertung könnte es daher sein, dass man nicht dieselben Ausschweifungen erlebt wie bei früheren Internet-IPOs. Damit ist unter Umständen das Potenzial nach oben hin begrenzt, weil der Ausgabepreis vielleicht genauer festgelegt wird. Andererseits hat Alibaba vor längerer Zeit den Status eines Start-up-Unternehmens im Anfangsstadium hinter sich gelassen, wodurch das Risiko eines starken Absturzes geringer erscheint. Oder zusammenfassend: Es ist wahrscheinlich, dass der Aktienkurs näher an seinem IPO-Preis verharren wird, ein 50-prozentiger Absturz oder eine Rallye im selben Ausmaß dagegen recht unwahrscheinlich. 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